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Fettabsaugung Letzte Hoffnung für Lipödem-Patientinnen?

Ein Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung unter der vor allem Frauen leiden. Die Krankheit lässt Fettzellen in Beinen und Armen schmerzhaft anschwellen. Für viele ist eine Fettabsaugung die letzte Hoffnung. Doch weil die Kassen bisher so gut wie nie zahlen, müssen viele mit den Schmerzen leben. Seit kurzem ist Bewegung in der Debatte.

Von: Florian Heinhold

Stand: 12.05.2019

Gesundheit! trifft eine junge Patientin, die unter einem Lipödem leidet. Wegen der krankhaften Fettverteilungsstörung beginnt für sie jeder Tag mit dem Anziehen einer Kompressionsstrumpfhose. Das dauert über zehn Minuten und ist eine echte körperliche Anstrengung.

"Da geht Tag für Tag natürlich viel Zeit und Energie drauf. Bei jedem Toilettengang ist es ja wieder das gleiche. Also es ist gut anstrengend."

Patientin

Breite Oberschenkel, Reiterhosensyndrom - Menschen die eigentlich normalgewichtig wären, entwickeln durch ein Lipödem starke Fettpolster, vor allem an den Beinen. Aber auch an den Armen unserer Patientin beginnt sich die krankhafte Fettverteilung bemerkbar zu machen. Das Schlimmste sind für sie die Schmerzen.

"Bei mir ist es ein Brennen. Als würden die Beine so unglaublich schwer sein, fast wie ein Fremdkörper."

Patientin

Bei einem Lipödem sind die Kapillargefäße durchlässig, besonders viel Flüssigkeit kann austreten und sich in den Fettzellen ansammeln. Die vergrößern sich und drücken auf Blut- und Lymphgefäße, was den Abtransport der Flüssigkeit behindert. Ein Teufelskreis, der die Oberschenkel anschwellen lässt. Im ersten Stadium sieht man die Symptome noch kaum.

Unsere Patientin leidet an einem Lipödem im Stadium 2. Ohne eine OP wird die Krankheit fortschreiten, die Haut wird grobknotiger, im 3. Stadium bilden sich große Hautlappen bis zum Extremfall der „Elefantiasis“.

OP als letzter Ausweg

Im Caritas Krankenhaus St. Josef ist Gesundheit! dabei, als Chefarzt Prof. Lukas Prantl eine Patientin mit Lipödem Stadium 3 untersucht, die bereits zwei Operationen hinter sich hat. Sie erzählt uns von ihrer Leidensgeschichte.

"Du hat nicht laufen können, bei jedem Schritt haben die Oberschenkel aneinander gerieben. Und dann wirst du angeschaut: Ach ist die dick! Die allerwenigsten wissen, dass das eine Krankheit ist. Für diese Leute bist du halt dick!"

Patientin

Mit einer speziellen 3D-Volumenkamera dokumentieren die Ärzte genau, wie sich die operierten Beine durch die Eingriffe verändert haben.

Als Alternative zur OP bestehen konservative Therapien in erster Linie aus dem Tragen der Kompressionsstrumpfhosen sowie Lymphdrainagen. Operativ kann eine Fettabsaugung helfen und zu so einer dürfen wir Prof. Prantl begleiten.

"Schlussendlich kann man mit den konservativen Therapien nur eine Linderung geben, aber man kann nicht heilen. Mit der Liposuktion entfernen wir Fettzellen, die zu schnell wachsen und zu groß werden, und diese Zellen können dann ein ganzes Leben lang nicht mehr wiederkommen."

Prof. Dr. med. Lukas Prantl, Plastischer Chirurg, Caritas Krankenhaus St. Josef und Universitätsklinikum Regensburg

Es geht los. Die OP-Patientin hat ein ausgeprägtes Lipödem. Das OP-Instrument kann sowohl Fettzellen absaugen, als auch eine Kochsalzlösung versprühen.

"Diese Flüssigkeit dient dazu, das krankhafte Fettgewebe aufzuweichen, damit wir es besser absaugen können."

Prof. Dr. med. Lukas Prantl, Plastischer Chirurg, Caritas Krankenhaus St. Josef und Universitätsklinikum Regensburg

Bei der OP müssen die Ärzte extrem vorsichtig sein. Auf keinen Fall dürfen Lymphgefäße und Nerven verletzt werden. Die präzisen Instrumente ermöglichen es, auch in den sensiblen Knöchelregionen zu saugen.

Nach der OP steht oft noch eine Hautstraffung an. Durch diesen Eingriff bekommen die Beine nicht nur wieder eine schönere Form, es werden auch Entzündungen und Probleme durch reibende Hautstellen verringert.

Diskussion um die Kostenübernahme

Das Problem für viele Patientinnen: Die Kassen bezahlen solche Fettabsaugungen bisher so gut wie nie. Im Selbsthilfezentrum München berichten uns Patientinnen, die sich in der Selbsthilfegruppe Liplymph-Initiative München treffen, von ihrem Kampf um die richtige Behandlung ihrer Krankheit. Das Hauptproblem neben der Kostenfrage ist für sie, dass es zu wenig spezialisierte Ärzte gebe.

Seit kurzem ist zumindest in der Kostendebatte eine Veränderung in Gang. Der Bundesgesundheitsminister hat sich dafür ausgesprochen, dass Liposuktionen bei Lipödem-Patientinnen zu einer Kassenleistung werden sollen. Jetzt ist auch der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss tätig geworden. Wie uns das Gesundheitsministerium schreibt, sollen ab 2020 Patientinnen im Stadium 3 die OP bezahlt bekommen. Für die Krankheitsstadien 1 und 2 soll allerdings zunächst eine Studie die Sinnhaftigkeit der Maßnahme bestätigen.

Die Betroffenen, mit denen Gesundheit! sprechen konnte, sehen darin einen ersten Schritt in die richtige Richtung, der aber noch nicht ausreiche. Denn nach wie vor müssen so viele Patientinnen die Kosten von mehreren tausend Euro für ihre Behandlung selbst bezahlen.


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