Respekt - Respekt

Sexismus

RESPEKT Sexismus

Stand: 28.08.2019

  • Sexismus leitet sich ab vom englischen Wort für das biologische Geschlecht: "sex". Mit "Sex" hat Sexismus in der Regel aber nichts zu tun.
  • Sexismus wird meist mit der Abwertung von Frauen verbunden.
  • Die Diskriminierung - also Benachteiligung - von Frauen ist auch in der Sprache sichtbar, zum Beispiel in Wörtern wie "herrlich" und "dämlich".
  • Im Grundgesetz Artikel 3 ist verankert: "Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden."
  • In 99 % der Fälle von sexueller Nötigung und Vergewaltigung sind Männer die Täter.
  • Benachteiligung auch im Job: Frauen gelangen seltener in Führungspositionen und werden für vergleichbare Arbeit im Schnitt schlechter bezahlt.


Der Begriff "Sexismus" entstand aus den Wörtern Sex und Rassismus. Die amerikanische Frauenbewegung verwendete den Begriff in den 1960er-Jahren, um für eine Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu kämpfen. Sexismus bedeutet, dass ein Mensch aufgrund seines Geschlechts benachteiligt wird. Meist sind das Frauen. Auch heute noch verdienen sie in vergleichbaren Positionen, bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeitszeit meist weniger als Männer. Laut Statistischem Bundesamt beträgt diese Differenz 5,5 %. Außerdem arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit und im Durchschnitt in geringer bezahlten Positionen. Deshalb liegt der Gender Pay Gap beim Gesamtbrutto viel höher: 2018 waren es 21 %. Das heißt: Frauen verdienen im Schnitt um ein Fünftel weniger als Männer. Daran ändert auch der Equal Pay Day wenig. Das ist ein Aktionstag zur Förderung gleicher Bezahlung aller Geschlechter.

Sexismus ist nicht witzig

Frauen haben häufig auch weniger Rechte als Männer, und sie werden häufiger auf ihr Aussehen reduziert. Sexismus beginnt oft in Alltagssituationen: zum Beispiel mit scheinbar lockeren, witzigen Sprüchen oder der Aufforderung, mal zu lächeln, weil frau dann "hübscher aussieht". Ist Sexismus ein Instrument, um das Gegenüber zu verunsichern? Ist Sexismus immer männlich? Und was kann man gegen Sexismus tun? Diesen Fragen geht Moderatorin Sabine Pusch in der RESPEKT-Reportage nach.

Rollenmuster in den Medien

Wir werden von Kindesbeinen an durch Rollenmuster geprägt, zum Beispiel in Filmen für Kinder. Maya Götz, Leiterin des IZI (Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen) sagt: "Jungen sind oft aktive Helden, Mädchen einfach nur schön, also passiv. Außerdem sind Mädchenfiguren in Filmen, Online-Spielen und Comics so übertrieben schlank, dass normalgewichtige Mädchen und Frauen sich geradezu "fett" fühlen müssen."

"Um einen Barbie-Körper zu haben, müsste ich entweder 2,15 m groß sein oder mir die untere Rippe rausoperieren. ... Dann haben wir mal durchgemessen. Das sind die aktuellen Figuren aus dem deutschen Kinderfernsehen. ... Und die Hälfte der Figuren haben einen Körper, den kein Mädchen je erreichen könnte, mit keiner Schönheitsoperation der Welt."

Filmzitat Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)

Jungs im Kindergarten: "die kleinen Unfähigen"

Männliche Figuren dagegen sind deutlich realistischer gezeichnet. Auch das ist eine Form von Sexismus und Diskriminierung. Wer kann diese Benachteiligung von Frauen und Mädchen in den Medien ausgleichen? – Im Grunde nur das unmittelbare eigene Umfeld: Eltern, Lehrkräfte, der Freundeskreis und Menschen, denen wir im Alltag begegnen. Sie können Gleichberechtigung und ein wertschätzendes Miteinander vorleben. Das gelingt auch gegenüber Jungs nicht immer. Sie sind im Kindergarten und in der Schule weit überwiegend von weiblichen Autoritätspersonen umgeben, von Erzieherinnen und Lehrerinnen. Dazu kommt, dass Mädchen in dem Alter oft etwas weiter sind in der Entwicklung als Jungs. Das führt laut Maya Götz dazu, dass Jungs im Kindergarten als "die kleinen Unfähigen" gelten und deshalb immerzu ermahnt würden.

Frauen verdienen weniger als Männer

Sexismus widerspricht auch dem Grundrecht auf Gleichberechtigung. In Schule und Ausbildung sind die Chancen für Mädchen und junge Frauen in Deutschland zwar gut, dies bestätigt auch die Gleichberechtigungs-Liste des Weltwirtschaftsforums. Doch in Politik und Wirtschaft setzt sich diese Gleichberechtigung nicht fort: Frauen verdienen weniger als Männer – auch bei gleicher Ausbildung, gleicher Berufserfahrung, gleichem Alter und gleicher Arbeitszeit. Was müsste passieren, damit sich daran etwas ändert? In Schweden gibt es zum Beispiel verpflichtend eine Elternzeit für Mütter UND Väter. Das wäre schon mal ein guter Anfang, denn dann erlebten beide Geschlechter beide Rollen und damit mehr Respekt füreinander.

Benachteiligung von Frauen in Zahlen

  • Auf der Gleichberechtigungs-Liste des Weltwirtschaftsforums steht Deutschland in Sachen Gesundheit und Ausbildung auf Platz 13 von 148 Ländern; nach Island, Schweden und Ruanda. Bei der Gleichberechtigung in Politik und Wirtschaft liegt Deutschland im Mittelfeld, auf Platz 73.
  • Frauen verdienen bei gleicher Ausbildung und gleicher Berufserfahrung, gleichem Alter und gleicher Arbeitszeit 5,5 % weniger als Männer.
  • Frauen werden deutlich häufiger Opfer sexuell motivierter Gewalt als Männer: 99 % der Tatverdächtigen bei sexueller Nötigung und Vergewaltigung sind männlich.
  • 2017 gab es 321 Fälle sexistischer Werbung. In nur 13 dieser Fälle wurden Männer diskriminiert.

"Dadurch dass Frauen von Anfang an auf ihren Körper verwiesen werden, auf diesen Blick von außen, gehen wir auch davon aus, dass wir den kommentieren können, zum Beispiel als hate speech. ... Und da ja die entscheidende Eigenschaft ist, sexy und gebärfähig zu sein, kann ich sie darauf auch verweisen, das heißt auf ihren Körper übergreifen."

Filmzitat Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)

Was tun bei sexueller Belästigung?

Damit hat Susanne Henke Erfahrung. Sie leitet die Zentrale Beschwerdestelle für sexuelle Belästigung der Stadt München und ist Ansprechpartnerin für über 50.000 Menschen. Zu ihr kommen Schüler*innen und Angestellte der Stadt München. Laut ihrer Aussage ist es bei #metoo-Fällen oft so, dass eine Gruppe durchaus mitbekomme, was passiert. Aus Angst vor negativen Folgen schreite aber niemand ein. Besonders schlimm sei es, wenn "Lieblingslehrer*innen" übergriffig würden, so Henke. Je beliebter diese Person sei, desto mehr scheuten sich betroffene Schüler*innen, etwas Schlechtes über ihn oder sie zu sagen. Vermischt sich eine offensichtliche Bevorzugung im Unterricht mit weniger offensichtlichen sexuellen Übergriffen, stünden die Betroffenen oft isoliert da: Denn die Mitschüler*innen seien mitunter wütend wegen der Bevorzugung und deshalb weit weniger bereit, gegen die Lehrkraft vorzugehen.

Sexuelle Übergriffe an Schulen: Beispiele

  • Intensivierung der Beziehung zu Schüler*innen durch die Lehrkraft aus sexuellen Motiven
  • "Vier-Augen-Situationen", in denen die Lehrkraft eine*n Schüler*in isoliert und sich ihm/ihr distanzlos und scheinbar gleichberechtigt nähert (kostenloser "Nachhilfeunterricht", "Hast du Liebeskummer?")
  • abfällige oder anzügliche Bemerkungen mit Körperbezug ("Du sollst hier nicht den Boden bumsen, sondern Liegestütze machen.")
  • Flirtverhalten mit oder ohne Körperkontakt (Kosenamen für Schüler*innen, Handküsse zuwerfen)
  • Distanzloser Blickkontakt, Starren auf Brüste, Schritt oder Gesäß
  • Übergriffige Hilfestellung beim Sportunterricht ("versehentlich" an die Brüste oder zwischen die Beine fassen)
  • regelmäßiger, scheinbar "zufälliger" Körperkontakt, wenn die Lehrkraft im Unterricht mit Schüler*innen spricht
  • Quelle: Petze-Institut: Leitfaden für Prävention von sexuellem Missbrauch an Schulen

"Opfer sind überwiegend eher introvertierte, stillere, sensiblere Kinder und Jugendliche. Täter sind da in der Regel Leistungsträger."

Filmzitat Susanne Henke, Leiterin der Zentralen Beschwerdestelle für sexuelle Belästigung der Stadt München

Fazit: Es braucht das Engagement und die Aufmerksamkeit jedes/r Einzelnen, damit in unserer Gesellschaft Sexismus keine Chance mehr hat. Denn leider erscheinen Übergriffe und Ungerechtigkeiten gegen Frauen immer noch zu vielen als normal.

Autorin: Monika von Aufschnaiter

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