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Homosexualität und Homophobie

RESPEKT Homosexualität und Homophobie

Stand: 07.01.2020

  • Homophobie steht für Angst vor "Sexualität unter Gleichen".
  • Gemeint ist damit meistens eine Abneigung oder sogar Feindseligkeit gegenüber Lesben und Schwulen.
  • Immer noch bezeichnen in repräsentativen Studien 10 % der Befragten Homosexualität als "unmoralisch" und 18 % als "unnatürlich".
  • Einen Kuss zwischen zwei Männern in der Öffentlichkeit empfinden knapp 40 % als unangenehm.
  • Forscher sind sich sicher: Noch immer wirkt die jahrzehntelange Diskriminierung von Homosexuellen in der Gesellschaft.

"Schwuchtel", "Kampf-Lesbe" – geläufige Schimpfwörter, nicht nur in der Jugendsprache. Im Juni 2017 verabschiedete der Bundestag das Gesetz "zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts", umgangssprachlich die "Ehe für alle". Seitdem dürfen auch in Deutschland homosexuelle Paare ohne größeren bürokratischen Aufwand heiraten. Die Gesetze sind beim Thema Homosexualität scheinbar weiter als die Gesellschaft. Denn auch wenn eine große Mehrheit der Bevölkerung – mehr als 80 % – für die Gleichbehandlung von Homo- und Heterosexuellen sind, halten sich trotzdem unzählige Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben.

Bin ich selbst schwul oder lesbisch?

Das Wort "Homophobie" kommt aus dem Griechischen und  ist zusammengesetzt aus "homos = gleich" und "phobos = Angst". Homophobie äußert sich als Abneigung gegenüber Schwulen und Lesben. Sie ist keine psychische Störung im medizinischen Sinne, also keine echte "Phobie". Sie zeigt viel mehr, dass der feindselige Mensch selber verunsichert ist. Verunsichert aus verschiedenen Gründen, die gar nichts mit Sexualität zu tun haben müssen. Oder verunsichert, weil die Person Angst hat, selbst schwul oder lesbisch zu sein. Viele homophobe Menschen beschäftigen sich sehr mit dem Thema Homosexualität. Sie wollen Homosexualität bekämpfen. Sie wollen also ausmerzen, was sie – auch bei sich selbst - nicht dulden wollen. Aber auch ganz einfach aus Angst vor dem Fremden, aus Angst vor dem generellen Abweichen von der Norm, werden manche Menschen homophob.

Macho-Männer lehnen Schwulsein stärker ab

Homophobie hat noch eine weitere Ursache: Männer, die in ihrem Mann-Sein verunsichert sind, neigen stärker zu Macho-Einstellungen. Wie eine Untersuchung zeigt, äußern solche Männer öfter die Ansicht, dass Homosexualität falsch ist. Sie befürworten auch schneller Kriege oder fahren gerne bullige Autos. Homophobie ist für solche Männer nur ein weiteres Thema, wo sie sich nicht liberal verhalten. Egal was die Ursachen für Homophobie sind: Für Lesben und Schwule hat sie alltägliche Folgen: Beschimpfungen, Ausgrenzung, körperliche Gewalt.

"In einem schwulen Club oder auf der Wiesn kann es, genauso wie es einer Frau in einem Club passieren kann oder auf der Wiesn, sein, dass mal ein Mann sie blöd von der Seite anmacht mit was Sexistischem oder ihr gleich an den Arsch fasst. Das kann einem homosexuellen Mann auch passieren, den heterosexuellen Männern passiert das eher selten."

Benedict Gruber, schwul

Wie ist das: schwul oder lesbisch sein?

Michael Buchinger ist ein Youtuber aus Österreich und schwul. In seinen Videos erzählt er von den Klischees, die ihm im Alltag begegnen. Im Interview fragt ihn Ramo Ali danach, welche Klischees auf ihn zutreffen. Fazit: Wenige: Michael legt keinen Wert auf seinen Style, er hat nicht "voll viel Sex" und seiner Erfahrung nach haben homosexuelle Menschen nicht mehr Geschlechtskrankheiten als Heteros, zum Beispiel im Titel: "Wenn Schwule das sagen würden, was Heteros sagen".

Lesbisch bei der Polizei

Eine lesbische Polizistin erzählt in der Reportage, sie habe von Anfang an zu ihrer sexuellen Orientierung gestanden, als sie mit 19 bei der Polizei angefangen habe. Das war Anfang der 90er Jahre. Da waren die Menschen noch weniger offen als heute. Sie hat gute Erfahrungen damit gemacht, offen und ehrlich zu sein. Wenn sie jemand direkt fragt nach ihrer sexuellen Orientierung, sagt sie "Ich bin lesbisch." Vielleicht liegt es an ihrem Selbstbewusstsein, dass sie nicht diskriminiert wurde.

"Es gibt bestimmt auch Kolleginnen, die es nicht so einfach haben. Es war nie so, dass ich mich gemobbt gefühlt habe, oder so. Jetzt je älter ich bin, desto einfacher gehe ich auch damit um und denke, wenn man offen auf die Leute zugeht, dann kriegt man meistens auch ein ganz positives Feedback."

lesbische Polizistin, anonym

(Gleichgeschlechtliche) Liebe ist in manchen Ländern lebensbedrohlich

  • Gleichgeschlechtliche Liebe ist in 72 Ländern illegal. Dort riskieren Menschen Haftstrafen, wenn sie ihre Homosexualität leben. Zum Beispiel in Indien, Bangladesch, Äthiopien, Sambia.
  • In acht Ländern droht sogar die Todesstrafe, darunter: Saudi-Arabien, Iran, Irak, Jemen, Sudan.
  • In Deutschland stand Homosexualität auch lange unter Strafe. Im Nationalsozialismus wurden tausende Homosexuelle inhaftiert und in Konzentrationslager gebracht.
  • Die "Ehe für alle" gibt es in Deutschland seit 2017 – so wie in 24 weiteren Ländern weltweit.

Was macht Menschen toleranter gegenüber Homosexuellen?

Untersuchungen bestätigen: Je mehr Kontakte Homophobe mit Schwulen oder Lesben haben, umso toleranter ist auch ihr Umgang mit ihnen. Denn dann können wir unsere Vorurteile nicht länger aufrechterhalten. Hedwig, die lesbisch ist und im Münchner IMMA-Café die JuLeZ Gruppe für lesbische und bisexuelle Mädchen und Frauen betreut, sagt, es sei oft schon in der Schule schwierig. Denn Lehrer*innen seien zu wenig strikt, wenn jemand sage: "Du schwule Sau." Wenn da Lehrer*innen nicht einschreiten, dann lernen auch die Schüler*innen nicht, dass es diskriminierend ist, so etwas zu sagen.

Eins steht fest: Lesben und Schwule haben in Deutschland mittlerweile gleiche Rechte wie Heterosexuelle. Niemand darf wegen seiner sexuelle Orientierung benachteiligt werden – eigentlich. Bis das tatsächlich so ist, braucht es das Engagement jeder und jedes Einzelnen. Jede*r kann einschreiten, wenn er so etwas wie "Du schwule Sau." hört und fragen: "Hey, warum sagst du das?" Denn die sexuelle Orientierung darf kein Schimpfwort sein; genauso wenig wie das Geschlecht oder die Religion. Außerdem ist es wichtig, offen zu sein für Menschen, die anders sind als man selbst.

Autorin: Monika von Aufschnaiter

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