BR Fernsehen - Wir in Bayern


30

Garten So schützen Sie Pflanzen auf natürliche Art

Blattläuse, Wühlmäuse, Pilze & Co. machen unseren Pflanzen im Garten oft das Leben schwer. Doch zur Chemiekeule müssen Sie deshalb nicht greifen. Denn: Pflanzen helfen Pflanzen! Rosen lieben Knoblauch, Holunderblätter lassen Wühlmäuse verzweifeln, Ackerschachtelhalm weist Pilze in ihre Schranken und Birkenblätter lassen das Obst strahlen. "Wir in Bayern"-Gartenexperte Andreas Modery verrät, wie Sie Ihre eigene Pflanzenmedizin herstellen und anwenden.

Stand: 02.07.2020

Marienkäfer und Blattläuse auf Traubenkirsche | Bild: picture alliance / Hinrich Bäsemann

Vorbeugende Schutzmaßnahmen wären die beste Lösung für Pflanzen. Doch leider warten wir meist, bis die ersten Krankheitssymptome auftreten.
Viele unerwünschte Schadbilder lassen sich hervorragend mit biologischer und selbstgemachter "Medizin" bekämpfen. Diese Art des Pflanzenschutzes ist schonender sowohl für die Pflanze, als auch für die Nützlinge im Garten. Und den Geldbeutel schont die Eigenproduktion sowieso. 

Pflanzenjauchen

Herstellung

  • Setzen Sie frische oder getrocknete Pflanzen in kaltem Wasser (Regenwasser) für 10-20 Tage (je nach Temperatur) an, bis sie vergoren sind.
  • Tägliches Umrühren und ein sonniger Platz beschleunigen den Gärprozess.
  • Da die gärende Jauche schäumt, darf das Gefäß nicht ganz bis zum Rand gefüllt werden!
  • Die Jauche sollte während der Gärung nicht luftdicht verschlossen werden. Gegen den entstehenden Geruch können Sie Gesteinsmehl oder Baldrian zugeben.
  • Die Gärung ist abgeschlossen, wenn die Jauche nicht mehr schäumt.

Anwendung
Jauchen werden gewöhnlich zur Düngung und Pflanzenstärkung im Wurzelbereich (Verdünnung mit Wasser 1:10) oder als Blattdünger (Verdünnungsverhältnis 1:50) eingesetzt. Gegen Schädlinge sollten Sie noch gärende Jauchen (Verdünnungsverhältnis 1:50) einsetzen.

Haltbarkeit
Jauchen können über längere Zeit gelagert werden.

Pflanzenbrühen

Brühen haben den Vorteil, dass bestimmte Inhaltsstoffe wie ätherische Öle und Bitterstoffe (z. B. bei Lavendel, Thymian, Tagetes) aufgeschlossen werden.

Herstellung

  • Weichen Sie für Brühen zerkleinerte Pflanzen einen Tag in Regenwasser ein.
  • Anschließend aufkochen und 20-30 Minuten sieden lassen.
  • Nach dem Auskühlen die Kräuterreste absieben. (Diese können Sie als Mulchmaterial oder Kompostzutat verwenden.)

Anwendung
Zur Krankheitsvorbeugung und zur Schädlingsabwehr (Blattläuse) sprühen Sie die Brühen fein auf die Pflanzen.

Haltbarkeit
Brühen eignen sich nicht zur längeren Lagerung, da sie sonst sauer werden.

Kaltwasserauszüge

Herstellung

  • Legen Sie zerkleinerte Pflanzen einige Stunden bis max. 3 Tage in kaltes Wasser (Regenwasser) ein.
  • Achtung: Es darf bei Kaltwasserauszügen nicht zur Gärung kommen!
  • Die Kräuterreste absieben und auf den Kompost geben.

Anwendung
Je nach Ausgangspflanze kommen Kaltwasserauszüge leicht verdünnt oder unverdünnt gegen Schädlinge zum Einsatz.

Kräuteraufgüsse

Herstellung

  • Überbrühen Sie zerkleinerte Pflanzen mit kochendem Wasser.
  • Sieben Sie nach ca. 30-minütigem Ziehen den Aufguss ab.

Anwendung
Aufgüsse eignen sich zur Schädlingsbekämpfung (Verdünnung 1:5) und zur Bodenpflege (Verdünnung 1:20).

Tipps zur Ausbringung

  • Bringen Sie Jauchen, Brühen etc. an windstillen, bedeckten Tagen aus.
  • Der ideale Zeitpunkt für die Ausbringung ist der Vormittag. Die Pflanzen trocknen dann während des Tages ab. (Nasse Pflanzen sind immer durch Pilzinfektionen gefährdet!)
  • Im Fall einer Blattdüngung oder Schädlingsbekämpfung ist es wichtig, die ganze Pflanze zu besprühen.
  • Bei der Ausbringung auf die Pflanze soll das Präparat möglichst fein verteilt werden. Das gelingt am besten mit Spritzgeräten.

Tipp

Sieben Sie vor der Ausbringung Pflanzenreste ab, damit die Spritzdüsen nicht verstopfen. Und reinigen Sie nach dem Ausbringen die Spritzgeräte immer gründlich.

Diese Pflanzen helfen anderen Pflanzen

Knoblauchsud gegen Läuse und Pilze bei Rosen

Herstellung

  • Für 5 L Sud kochen Sie 50 g (ca. 1 Knolle) grob zerkleinerten Knoblauch in 1 L Wasser auf.
  • Den Sud anschließend abdecken und ca. 15 Minuten ziehen lassen.
  • Danach durchsieben und 24 Stunden stehenlassen.
  • Anschließend diesen Ansatz im Verhältnis von 1:5 mit Wasser mischen.

Anwendung
Am besten dreimal innerhalb von drei Tagen auf die befallenen Rosen und den Boden spritzen.

Tomatenduft (Sud) gegen Kohlweißling

Herstellung

  • 100 g Tomatenblätter in etwa 1 L Wasser einweichen und 1-2 Tage stehen lassen.
  • Der Sud soll nicht gären. Sieben Sie ihn daher vorher ab.

Anwendung
Sprühen Sie die Pflanze mit dem Sud ein. Durch den Kaltwasserauszug bringen Sie Geruchsstoffe auf die Pflanze. Der Duft vertreibt den Kohlweißling.

Brennnesseljauche als Dünger und gegen Läuse

Herstellung

  • Geben Sie 500 g frisches Brennnesselkraut in 5 L Wasser.
  • Der Behälter sollte verschlossen einige Tage in der Sonne stehen.
  • Rühren Sie währenddessen die Jauche mehrmals um.

Anwendung
Frische Brennnesseljauche ist äußerst scharf und hat einen unangenehmen Geruch. Die Anwendung zum Spritzen erfolgt daher nur in 10- bis 50-facher Verdünnung. Obstbäume können Sie zur Vorbeugung bereits vor der Laubbildung spritzen.

Holunderblätterjauche gegen Wühlmäuse

Herstellung

  • Für die Jauche 100 g frische oder 10 g getrocknete (am besten im Herbst zum Trocknen sammeln) Holunderblätter auf 1 L Wasser geben.
  • Dieser Ansatz sollte 14 Tage in der Sonne stehen.

Anwendung
Die Jauche das ganze Jahr über unverdünnt in die Gänge von Wühlmäusen oder Maulwürfen gießen. Die Holunderblätter wirken durch ihren strengen Geruch abschreckend auf die Tiere.

Birkenjauche gegen Schorf auf Früchten und Blättern

Herstellung

  • 500 g frische Birkenblätter in 5 L Wasser geben und für 14 Tage in die Sonne stellen.

Anwendung
Verdünnen Sie die Jauche im Verhältnis 1:5 mit Wasser. Spritzen Sie die Birkenjauche bei feuchtwarmem Sommerwetter auf Früchte und Blätter von Obstbäumen.

Farnjauche gegen Schild-, Blut- und Blattläuse sowie Schnecken

Herstellung

  • 500 g Farn in 5 L Wasser geben.
  • Der Ansatz sollte 14 Tage in der Sonne stehen. Oder:
  • Sie stellen eine Brühe aus den gleichen Mengen her, lassen diese 24 Stunden ziehen und dann 30 Minuten kochen.

Anwendung
Mit Wasser verdünnt auf die Pflanze sprühen. Das hilft gegen Schild-, Blut- und Blattläuse. Sie können die Brühe auch unverdünnt gegen Schnecken auf den Boden sprühen.

Ackerschachtelhalm-Brühe gegen Pilzerkrankungen

Der Ackerschachtelhalm (Zinnkraut) wächst auf Wiesen und entlang von Wegrändern. Er hat einen hohen Gehalt an Kieselsäure und wirkt deshalb stärkend auf das Zellgewebe der Pflanzen.
Ackerschachtelhalmbrühe ist besonders hilfreich bei Pilzerkrankungen an Obst, Rosen, Gemüse und Zierpflanzen. Sie wirkt gegen Echten Mehltau, Falschen Mehltau, Kräuselkrankheit und Rosenrost.

Herstellung

  • 750 g frischen Ackerschachtelhalm in 5 L Wasser geben.
  • Zunächst das Kraut 24 Stundenkalt einweichen.
  • Anschließend etwa eine Stunde kochen.

Anwendung

  • Verdünnen Sie die Brühe im Verhältnis 1:5 mit Wasser.
  • Spritzen Sie anschließend die Brühe auf Boden und Pflanzen.
  • Vorbeugend ist es ratsam, dreimal im Jahr eine Spritzung durchzuführen.

… viel Freude beim natürlichen Garteln!


30