BR Fernsehen - Wir in Bayern


17

Kräuter Heilen mit dem Heilkraut Gundermann

In vielen Gärten wächst ein Heilkraut, das meist für Unkraut gehalten wird: der Gundermann. Der Name kommt vom althochdeutschen Begriff "gunt", was so viel wie "Eiter" oder "eiterndes Geschwür" bedeutet. Schließlich hilft Gundermann unter anderem bei schlecht heilenden Wunden und Magen-Darm-Beschwerden. Kräuterexpertin Monika Engelmann stellt drei besonders wirkungsvolle Heilrezepte mit Gundermann vor: einen Tee, ein Badesalz und ein Hautöl.

Stand: 04.05.2021

Gundermann | Bild: BR/Lotte Wagenpfeil

Wie viele Pflanzen, die sich durch speziellen Wuchs, Duft oder andere Eigenheiten hervortun, hat auch der Gundermann die Menschen schon vor langer Zeit fasziniert. Sie bemerkten, dass dieses Pflänzchen bei nicht heilen wollenden Wunden und Magen-Darm-Beschwerden gut hilft. Um die Wirksamkeit des Krautes zu erhöhen, sprachen es Kräuterkundige bei der Ernte rituell an: "Gundelrebe, der Herr hat Dir Gnad' gegeben!"

Auch wenn Kühe nicht mehr genug Milch geben wollten, erhoffte man sich Hilfe beim Gundermann: schnell drei Gundelrebenkränzlein gewunden, je einen Strich durch die Kränze gemolken, einen Spruch aufgesagt, die Reben der Kuh zum Fressen gegeben und anschließend noch das Milchgeschirr mit Gundermann ausgerieben. Schon sollte die Kuh wieder mehr Milch geben. Und tatsächlich können wir aus heutiger Sicht Teile dieser Beobachtungen bestätigen, denn die Gerbstoffe des Heilkrautes wirken entzündungshemmend und reinigend.

Gundermann finden und erkennen

Jetzt ist die richtige Zeit, sich auf die Suche nach dem Gundermann zu machen. Sie finden ihn sehr häufig unter Hecken, an Gebüschrändern und in Wiesen. Mit seinen langen Ranken sucht sich der Gundermann seinen Weg zwischen anderen Pflanzen. Manchmal lugt er auch frech durch die Garteneinfriedung. So erhielt er mancherorts auch den lustigen Namen "Guck-durch-den-Zaun".
Sie erkennen ihn an den nierenförmigen, wie lackiert glänzenden Blättern mit groben, netzartigen Blattadern, die sich als Pärchen gegenüberstehen. Auch seine blauvioletten, in den Blattwinkeln stehenden Lippenblüten sind ein gutes Erkennungszeichen. Sollte immer noch Unsicherheit bestehen, hilft es, ein Blättchen abzuzupfen, es zwischen den Fingern zu zerreiben und zu riechen. Die enthaltenen ätherischen Öle überraschen mit einem harzig-aromatischen, minzartigen Duft. Manche Menschen sagen auch, das Aroma erinnere sie an Ziegen. Es ist bei diesem Wildkraut wohl so: Entweder mag man den Geruch oder eben nicht!

Regenerierendes Gundermann-Hautöl

Wirkung:

  • entzündungshemmend
  • wundheilend
  • regenerierend

Zutaten:

  • 1 Handvoll frische Gundermannblätter
  • gutes Hautpflegeöl, beispielsweise Mandelöl

Zubereitung:

Gundermannblätter waschen, putzen, sorgfältig trockentupfen und in ein sauberes Schraubglas (ca. 100 ml) füllen. Öl zugeben bis alle Blätter komplett bedeckt sind. Das Glas mit einem Gazetuch verschießen und mit einem Gummiring fixieren.
Etwa 4 bis 6 Wochen ziehen lassen. Dabei täglich aufschütteln. Dazu das Gazetuch abnehmen, das Glas mit einem sauberen Schraubdeckel verschließen und gut schütteln. Anschließend die Verschlüsse wieder tauschen.
Nach der Ziehzeit durch ein feinmaschiges Sieb abgießen und in einer Lichtschutzflasche kühl aufbewahren.

Gut zu wissen:

Da Ölansätze mit frischen Kräutern leicht schimmelanfällig sind, kann mit dieser etwas aufwändigen Zubereitung die Entstehung von Kondenswasser und spätere Schimmelbildung weitgehend verhindert werden.

Anwendung:

Gereizte Haut bei Bedarf sanft mit dem Gundermannöl behandeln.

Achtung:

Grundsätzlich können auch sehr hautpflegende Öle ungewollte Hautreaktionen verursachen. Daher vor großflächigerer Anwendung einen Tropfen Öl in der Armbeuge oder der Innenseite des Handgelenkes auftragen und warten. Zeigen sich Rötungen, von einer weiteren Anwendung absehen.

Gundermann-Badesalz

Wirkung:

  • entzündungshemmend
  • wundheilend
  • regenerierend
  • belebend
  • Kreislauf anregend
  • macht gute Laune

Zutaten:

  • 5 EL Natursalz
  • 3 EL Milchpulver
  • 3 EL getrocknete Gundermannblätter
  • optional: je 4 Tropfen naturreines ätherisches Orangen- und Rosmarinöl

Zubereitung:

Alle Zutaten mischen, in ein Säckchen füllen und dieses gut verschließen.

Anwendung:

Ein Wannenbad (ca. 36 – 38 °C) einlassen, das Säckchen dem Wasser zugeben und das Bad etwa 15 Minuten genießen.

Tipp: Gundermann-Badesalz als Vorrat vorbereiten

In einem gut schließenden Schraubglas und kühl gelagert ist die Mischung etwa 4 Wochen haltbar.

Gundermann-Tee

Wirkung:

  • antibakteriell
  • entzündungshemmend
  • wundheilend
  • ausleitend
  • entgiftend

Zutaten:

  • 2 TL frische Gundermannblätter (alternativ 1 TL getrocknete)
  • 1 Tasse Wasser

Zubereitung:

Gundermannblätter mit heißem Wasser übergießen und zugedeckt etwa 5 Minuten ziehen lassen. Durch ein Sieb abgießen.

Anwendung:

Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum: 2- bis 3-mal täglich mit abgekühltem Tee gurgeln
Bei Magen-Darmbeschwerden: 2- bis 3-mal täglich eine Tasse Tee trinken
Bei körperlicher und seelischer Schwäche sowie zur Genesung nach längeren Krankheiten: maximal 4 Wochen lang täglich 2 Tassen Tee trinken

Gundermann als kulinarischer Genuss

Gundermann ist nicht nur gesund, er bereichert mit seinem unverwechselbaren Aroma vor allem deftige Speisen. So sollte der Gundermann in keiner Grünkraftsuppe fehlen und jede Kräuterbutter wird mit ihm zum Hochgenuss.

"Bleiben Sie gesund!" wünschen Ihnen Monika Engelmann und "Wir in Bayern".


17