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Licht, Winter, Gesundheit Kunstlicht: kein Ersatz für Tageslicht

Winterblues: Es ist wieder soweit, die Farbe draußen sind grau in grau. Da bleiben viele lieber drinnen, auf dem Sofa. Hell ist es da ja schließlich auch. Aber reicht das gegen den Winterblues?

Von: Isabel Hertweck-Stücken

Stand: 02.12.2019

Der Grund für die Herbst- und Wintermüdigkeit ist zu wenig Licht, genauer gesagt zu wenig Tageslicht. Prof Herbert Plischke von der Hochschule München ist Physiker und Mediziner, Spezialist für den Einfluss von künstlichen Lichtquellen auf die Gesundheit.

Zu wenig Tageslicht: Warum künstliches Licht meistens kein Ersatz ist

Licht steuert unseren Tagesrhythmus. Die Augen haben dafür spezielle Körperzellen.

Professor Plischke erforscht lichtempfindliche Zellen in Haut, Gefäßen und im Auge. Sie steuern unseren Aktivitätslevel und unseren Tag-Nacht-Rhythmus. Dabei zeigt sich: Mit der üblichen künstlichen Beleuchtung funktioniert das nicht. Ein Grund dafür ist die mangelnde Helligkeit. 

"In der Umwelt draußen an einem schönen Tag liegt der Lichtpegel bei hunderttausend Lux. An einen nebligen Tag sind wir vielleicht noch bei drei- bis viertausend Lux. In Innenräumen vorgeschrieben sind 300 bis 500 Lux. Das heißt, wir haben eigentlich mit unseren künstlichen Lichtquellen gerade im Winter viel zu wenig Licht im Vergleich zur Sonne und zum natürlichen Tageslicht."

Prof. Dr. med. Herbert Plischke, Lehrstuhl „Licht und Gesundheit“, Hochschule München

Lichtfarbe: Mit mehr Blau im Spektrum gegen den „Winterblues“

Tageslicht enthält am Vormittag viele blaue Anteile.

Dazu kommt die Lichtfarbe. Biologisch gesehen ist künstliches Licht - im Vergleich zu natürlichem Licht  - genauso gesund wie ein Gummibärchen mit Apfelgeschmack im Vergleich zu einem Apfel. Es ist einfach nicht das Gleiche drin, im Fall von Licht nicht die gleichen Farben.

Kunstlicht kann Tageslicht nicht ersetzen.

Natürliches Licht signalisiert mit hoher Lichtintensität und einem hohen Blauanteil dem Körper, dass der Tag beginnt. Stoffwechselprozesse werden angeregt, das Aktivitätslevel steigt. Im Laufe des Tages werden Blauanteil und Intensität geringer, das Licht erscheint wärmer und signalisiert dem Körper: Komm zur Ruhe. In der Nacht, in der Dunkelheit, wird dann das sogenannte Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet.

Mit Licht Schlafstörungen bekämpfen

Doch je älter wir werden, desto anfälliger werden wir für Störungen unseres Biorhythmus, durch zu wenige natürliche Lichtreize. Bei Menschen mit einer dementiellen Erkrankung fällt oft eine gesteigerte nächtliche Unruhe auf. Statt zu schlafen, wandern sie herum. Dieter Käufer vom Arbeiterwohlfahrt Zentrum für Demenzkranke in Wolfratshausen wollte den Bewohnern mit einer speziellen Lichtanlage helfen, ihren Biorhythmus zu stabilisieren.

"Menschen mit Demenz haben kein Zeitgefühl, das ist einfach verloren gegangen, sie können das selbst nicht steuern. Wir können rausgehen, um einfach die Winterdepression in den Griff zu bekommen. Diese Menschen können das nicht mehr, sie brauchen Hilfe von außen."

Dieter Käufer, AWO Demenz Zentrum, Wolfratshausen

"Tageslichtäquivalente Beleuchtung" wird zunehmend in Einrichtungen und an Arbeitsplätzen eingesetzt ...

Das künstliche Licht in den Gemeinschaftsräumen ist ein sogenanntes „tageslichtäquivalentes Licht“. Es verändert sich im Laufe des Tages, wie natürliches Licht. Auch wenn es dadurch vormittags eher kalt und hell wirkt, halten Patienten und Personal sich hier sehr gerne auf.

"Was wir beobachten können, ist, dass das Schlafverhalten sich verändert hat: Die Menschen schlafen ruhiger, länger und sie stehen nachts weniger auf. Wir denken, das ist definitiv ein Erfolg."

Dieter Käufer, AWO Demenz Zentrum, Wolfratshausen

... Leistung und Lichtanteile verändern sich im Tagesverlauf.

Licht steuert ganz behutsam den Tagesablauf der Bewohner, es motiviert dazu, aus dem Zimmer, in die Gemeinschaftsräume zu gehen, oder gleich ins Freie. Licht wird eingesetzt wie Medizin, ganz ohne Nebenwirkungen.

Tipps für zuhause: Licht als Therapie

Die einfachste Möglichkeit im Alltag, genug Licht zu bekommen, ist immer noch ein Spaziergang. Für die richtige „Lichtsättigung“ braucht es aber gerade im Winter etwas Zeit.

"Man geht davon aus, dass man ungefähr eintausend Lux an Licht über mehrere Stunden am Vormittag braucht, um wirklich in Sättigung zu sein, um gut zu takten."

Prof. Dr. med. Herbert Plischke, Lehrstuhl „Licht und Gesundheit“, Hochschule München

Lichtdusche: Hilfe im Winter

"Lichtduschen" helfen an dunklen Wintertagen und wirken wie ein Medikament.

Manchen hilft im Winter auch eine sogenannte Lichtdusche, eine besonders helle Lampe, mit vielen Blauanteilen. Am besten leicht versetzt, zum Beispiel neben den Computer stellen, da die blaulicht-empfindlichen Zellen vor allem am Rand des Gesichtsfelds sitzen. Am besten wendet man die Therapie übrigens in den Morgen- und Vormittagsstunden an.

"Tatsächlich hat man herausgefunden, dass bei leichten saisonalen Verstimmungen eine Lichttherapie wesentlich effektiver ist als eine medikamentöse Therapie."

Prof. Dr. med. Herbert Plischke, Lehrstuhl „Licht und Gesundheit“, Hochschule München

Abends sollten Lichtquellen mit vorwiegend warmen, rötlichen Anteilen verwendet werden, um den natürlichen Rhytmus zu unterstützen.

Ein weiterer wichtiger Tipp: Abends helles, und besonders kaltes, bläuliches Licht vermeiden, wie zum Beispiel die helle Spiegelleuchte im Badezimmer oder den Handybildschirm im Schlafzimmer. Das stört die Ausschüttung von Schlafhormon empfindlich.

All das hilft, den Winter einigermaßen aktiv und gut gelaunt zu überstehen, die Vorfreude auf den Frühling hilft natürlich auch.

Tipps zu elektronischen "Lichtduschen"

Lichtduschen: Wie teuer sind sie?

Elektronische Lichtduschen gibt es in allen Preisklassen zu kaufen. Aber Vorsicht: Bei bestimmten Augenerkrankungen – wie der altersbedingten Makula-Degeneration – ist eine Lichtdusche nicht zu empfehlen. Auch bestimmte Medikamente können das Auge lichtempfindlicher machen. Hier ein paar Tipps zum Kauf:

1. Luxzahl

Je höher die erreichte Luxzahl, desto kürzer die Zeit, die man theoretisch vor der Lampe verbringt. Achten Sie auf die Herstellerangaben: Bei manchen Produkten wird eine hohe Luxzahl erreicht, allerdings im Abstand von 10 Zentimetern zum Gerät.

2. Keine Punktförmigen Lichtqellen

Punktförmige Lichtquellen wie Taschenlampen oder ähnliches eignen sich nicht für eine Lichttherapie, im Gegenteil: Sie können gefährlich fürs Auge sein! Für die Lichttherapie eignen sich Lampen mit möglichst großer Fläche (circa Format eines DIN A 4 Heftes).

3. Eignen sich auch LED Lampen?

Auch LED-Lampen eignen sich für den Einsatz in „Lichtduschen“.Die Auszeichnung als „Medizinprodukt“ garantiert die Einhaltung von Mindeststandards, damit die Lichtdusche nicht am Ende dem Auge schadet!

4. Tageslichtäquivalente Beleuchtung im Privatbereich

Die „tageslichtäquivalente Beleuchtung“ ist für Privatpersonen noch nicht – oder nur in kostspieligen Varianten – auf dem Markt. Es gibt aber Lösungen zum Beispiel für Büros, Arztpraxen, Krankenhäuser und Altenheime.


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