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Minimalinvasive Hüftoperation Neues schonendes Hüft-OP-Verfahren

Die Implantation einer Hüftendoprothese ist einer der häufigsten Eingriffe in Deutschland: rund 200 000 künstliche Hüftgelenke werden hierzulande jedes Jahr eingesetzt. Bei etwa fünf Prozent der Patienten erfolgt die OP minimalinvasiv, so werden weniger Muskeln, Nerven, Sehnen und Blutgefäßen verletzt. Die Vorteile: Die Patienten haben weniger Schmerzen, verlieren kaum Blut und die Genesungszeit ist kürzer.

Von: Annette Bögelein

Stand: 14.09.2020

Es gibt verschiedene Operationstechniken und Zugänge zum Hüftgelenk. Dabei wird zwischen klassischen und minimalinvasiven Operationsverfahren unterschieden.

Klassische und minimalinvasive Hüft-OP

Bei der „klassischen“ Hüft-OP setzt der Chirurg am seitlichen oder hinteren Oberschenkel einen etwa 15 Zentimeter langen Schnitt. Um zum erkrankten Hüftgelenk vorzudringen, müssen Oberschenkelmuskeln und Sehnen durchtrennt werden.

Bei der minimalinvasiven Hüft-Operationstechnik ist das nicht der Fall. Der Chirurg nutzt eine natürliche Muskellücke, um zum Hüftgelenk vorzudringen. Muskeln und Sehnen werden nicht durchtrennt, sondern wie ein Theatervorhang auseinandergehalten. Nach dem Einsetzen der Hüftprothese fallen diese intakt an Ort und Stelle zurück.

In den Niederlanden wird die minimalinvasive OP-Methode schon länger eingesetzt. Professor Drescher war einer der ersten, die den minimalinvasiven direkten vorderen Zugang (DAA) in Rückenlage in Deutschland eingeführt haben und hat damit bereits 2.000 Patienten versorgt.

Vorteile der minimalinvasiven Hüft-OP

Gegenüber konventionellen Hüft-Operationen haben minimalinvasive Verfahren einige Pluspunkte. Der Hautschnitt bei minimalinvasiven Hüftoperationen ist wesentlich kleiner als bei den klassischen Verfahren und es werden keine Muskeln durchtrennt. Dadurch werden keine Abbaustoffe aus dem Muskelgewebe freigesetzt und der Organismus insgesamt weniger belastet.

Aufgrund des geringen Verletzungstraumas haben die Patienten weniger Schmerzen (laut VAS-Skala) und brauchen nach der Operation weniger Schmerzmedikamente. Die Patienten verlieren kaum Blut, der Wert ihres Hämoglobins bleibt im Normbereich. Die Heilung verläuft zügiger und damit sinkt auch das Infektionsrisiko.

Schneller zurück in den Alltag

Laut Studien beginnen Patienten nach einer minimalinvasiven Hüftoperation schneller mit der Rehabilitation als Patienten, die mit den klassischen Verfahren operiert wurden. Zudem lässt sich die Rehabilitationsphase erheblich verkürzen, weil die Patienten schneller wieder mobil und gehfähig sind.

Chefarzt Rainer Tischendorf von der Frankenlandklinik in Bad Windsheim kann dies bestätigen. In seiner Klinik für Rehabilitation kommen Patienten, denen eine Hüftprothese minimalinvasiv eingesetzt wurde, besser weg.

"Wir können diese Patienten auf der Ebene, aber auch auf der Treppe viel schneller mobilisieren und ihnen damit auch viel mehr Fähigkeiten an die Hand geben, die eine Rückkehr in den Alltag viel umfänglicher möglich machen."

Dr. med. Rainer Tischendorf, Facharzt für Orthopädie, Physikalische und Rehabilitive Medizin, Frankenland Klinik, Bad Winsheim

Welche Patienten eignen sich?

In Rummelsberg haben die Ärzte sehr gute Erfahrungen mit allen Patienten gemacht. Jüngere können schnell wieder in ihr normales Leben und in ihren Beruf zurückkehren. Ältere Patienten profitieren von der Methode, da sie den Organismus nicht so stark belastet.

Voraussetzung für die minimalinvasive Operationsmethode ist, dass die Patienten nicht zu korpulent sind, da ab einem Body-Mass-Index von 35 die Komplikationsrisiken steigen. Dies gilt allerdings für alle Operationstechniken beim künstlichen Hüftgelenk.

Nachteile zu klassischen Verfahren

Die minimalinvasive Operationstechnik setzt hohe Anforderungen an den Chirurgen und braucht ein höheres Maß an Erfahrung und Routine. Die chirurgische Lernkurve ist dementsprechend flacher als bei den klassischen Verfahren. Das bedeutet, dass der Operateur länger braucht, bis er das Verfahren beherrscht. Professor Wolf Drescher an der orthopädischen Klinik in Rummelsberg führt die sogenannten minimalinvasiven Hüftoperationen seit Jahren durch.

"Man muss wirklich sehr gute Anatomiekenntnisse haben. Wer sich auf diese Operationsart einlässt, kann nicht an einem Tag Hüfte, am anderen Knie und am übernächsten Tag Wirbelsäulen operieren."

Prof. Dr. Dr. med. Wolf Robert Drescher, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Krankenhaus Rummelsberg, Schwarzenbruck


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