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Neue Verfahren Herausforderung für Mediziner und Kassen

Routine ist ein wichtiger Faktor bei einer Herz-Operation. Doch auch für erfahrene Herzchirurgen gilt: Die Entwicklung geht weiter. Das bedeutet: Herausforderungen für alle Beteiligten.

Stand: 16.11.2018

Chrirurg während einer Herzoperation am Herzzentrum Dresden | Bild: picture-alliance/dpa

Früher hatte ein Chirurg im Alter von 45 bis 50 Jahren im Wesentlichen ausgelernt. Die letzten 15 bis 20 Jahre seiner Tätigkeit hat er nur noch Operationen durchgeführt, die er erlernt hat und die sich auch nicht wesentlich verändert haben. Heute muss auch ein 50-jähriger Operateur zum Teil noch völlig neue Techniken lernen.

"Einige dieser minimal-invasiven Verfahren sind sehr schwierig und stellen eine wesentlich größere Herausforderung dar als die konventionellen Techniken. Dadurch findet ein ständiger Lernprozess statt, dem man sich unterziehen muss, wenn man erfolgreich sein und mithalten will und die Verfahren weiterentwickeln möchte."

Prof. Dr. Rüdiger Lange, Direktor für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München

Beste Operateure und modernste Technik: Operationszentren

Die beste Technik hilft nichts, wenn sie nicht von geschulten Ärzten angewandt wird. Daher plädiert der Herzspezialist Prof. Lange dafür, schwierige minimal-invasive Operationen nur an dafür spezialisierten Zentren durchführen zu lassen.

"Das ist ausgesprochen wichtig. Kliniken, die nur ein paar hundert Operationen im Jahr durchführen, können diese Expertise gar nicht generieren. Deswegen sollte der Trend eigentlich dahingehend sein, dass solche Operationen auf einige wenige große Zentren konzentriert werden mit entsprechenden Spezialisten, die auch sehr viele dieser Eingriffe durchführen."

Prof. Dr. Rüdiger Lange, Direktor für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München

Zu teuer? Die Frage der Kostenübernahme

Ein weiterer Grund, warum nicht jede Klinik moderne herzchirurgische Verfahren anbietet: Sie sind schlicht zu teuer, um sie jedem Patienten zukommen lassen zu können. Die Herzzentren müssen wegen der Kostenübernahme mit den Kassen jedes Jahr neu verhandeln.

"Die Zentren müssen spezielle Verträge mit den Kassen abschließen, man muss die Verfahren begründen und man muss sich natürlich auch an die Vorgaben der Krankenkassen halten, welche Patienten für diese Eingriffe in Frage kommen. Ein Grund dafür ist auch, dass es gerade bei den Katheter-gestützten Verfahren noch keine gesicherten Langzeitergebnisse gibt. Auch deshalb kommen sie nicht für jeden Patienten in Betracht."

Prof. Dr. Rüdiger Lange, Direktor für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München

Herzoperationen unter Drei-D-Ultraschall

Prof. Lange vom Deutschen Herzzentrum München sieht bei den technischen Innovationen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Er setzt für die Zukunft vor allem auf die Weiterentwicklung des dreidimensionalen Ultraschalls.

"In naher Zukunft wird man dazu in der Lage sein, nur unter Ultraschallkontrolle am schlagenden Herzen zu operieren. Denn die Drei-D-Bildgebung ist inzwischen so ausgereift, dass man mit modernen Bildgebungsverfahren sogar am Herzen endoskopisch operieren kann. Wir werden das bald auch bei uns im Herzzentrum anbieten können."

Prof. Dr. Rüdiger Lange, Direktor für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München

Neue Operationsmethode: Herzklappen aus körpereigenem Gewebe

Ärzte können Herzklappen inzwischen vollständig wiederherstellen, und zwar aus körpereigenem Gewebe. Allerdings ist diese Methode noch so neu, dass sie nur in wenigen Zentren durchgeführt werden kann (unter anderem am Deutschen Herzzentrum München).

"Wir haben den Eingriff von Prof. Shigeyuki Ozaki aus Japan gelernt, der ihn auch entwickelt und vor allem standardisiert hat. Dabei wird eine neue Klappe aus körpereigenem Gewebe geformt. Viele bisherige Probleme können damit umgangen werden - vor allem für Kinder und junge Patienten ist das ein Vorteil."

Prof. Dr. Rüdiger Lange, Direktor für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München

Denn während Herzklappen von Rindern oder Schweinen, die Herzpatienten eingesetzt werden, nur eine Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren haben, verspricht man sich von den Klappen aus körpereigenem Material – sie werden mithilfe von Schablonen geformt – eine längere Lebensdauer. Somit würden durch die "Ozaki"-Methode spätere Eingriffe am Herzen wegfallen.


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