BR Fernsehen - Bergauf-Bergab


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Zugspitz-Touren für Wanderer und Kletterer Klassische Anstiege auf Deutschlands höchsten Berg

Viele Wege führen auf die Zugspitze, die hoch über Garmisch-Partenkirchen aufragt. Wer auf Deutschlands höchsten Berg will, sollte ausdauernd und trittsicher wandern und keine Angst vor Gletschern und Klettersteigen haben. Urlauber und Ausflügler dagegen freuen sich über die Seilbahnen auf die Zugspitze, denn so gibt es das Gipfel-Panorama ganz ohne Schweißperlen.

Von: Peter Stenz

Stand: 14.09.2018 | Archiv

Bilder von der Zugspitze | Bild: Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG | Matthias Fend

Auf Deutschlands höchsten Berggipfel strömen an schönen Tagen die Gäste aus allen Himmelsrichtungen - und es werden ständig mehr. Der Aussichtspunkt auf 2.962 Meter Höhe bietet ein atemberaubendes Alpen-Panorama.

Von österreichischer Seite her führt eine Seilbahn auf den Gipfel, im oberbayerischen Grainau nehmen Touristen und Urlauber die Zahnradbahn bis zum Zugspitzplatt. Oder sie schweben vom Eibsee mit der 2017 in Betrieb genommenen neuen Zugspitz-Seilbahn herauf. Die alte Eibseebahn hatte 50 Jahre lang gute Dienste geleistet, ihr Bau im Jahr 1963: ein echter Knochenjob.

Bergsteiger und Kletterer nutzen die Seilbahnen gerne für einen knieschonenden Abstieg, denn auf Deutschlands höchsten Berg führen einige durchaus fordernde, klassische Anstiege.

Klassische Touren auf die Zugspitze

Wer aus eigener Kraft zur Zugspitze aufsteigt, der erlebt die fantastische Hochgebirgslandschaft noch intensiver - bei geschickter Zeit- und Routenwahl auch ganz ohne Trubel. Bergsteiger wandern entweder auf der relativ einfachen Route über die Ehrwalder Alm, das Gatterl und die Knorrhütte zum Zugspitzgipfel. Wobei "wandern" für die Tour etwas untertrieben ist. Sie dauert sieben Stunden und überwindet rund 1.800 Höhenmeter. Bei einem Wettersturz mit Kälte, Schnee und Eis, schlechter Sicht und Orientierungsproblemen können Hochgebirgs-Touren allerdings gefährlich werden!

Eine noch längere Bergtour auf die Zugspitze beginnt an der Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen. Solange die Partnachklamm nach einem Hochwasser im Sommer 2018 noch gesperrt ist, gibt es beschilderte Ausweichrouten. Auf der Reintalangerhütte oder später auf der Knorrhütte kann der lange Anstieg mit einer Übernachtung auf zwei Tage aufgeteilt werden.

Zurückschauen lohnt sich: Blick auf den Höllentalferner und ins Höllental

Hammersbach bei Garmisch-Partenkirchen ist Talort einer weiteren klassischen Tour auf die Zugspitze. Nachdem die spektakuläre Höllentalklamm durchstiegen ist (trocken bleibt dabei niemand), können Bergsteiger auf der neu errichteten Höllentalangerhütte des Alpenvereins übernachten. Über Abriss der historischen Höllentalangerhütte, Neubau und Eröffnung der "Neuen Hölle" gibt es in der BR Mediathek eine Dokumentation. Am nächsten Tag geht es über Klettersteige und den Höllentalferner (einen kleinen Gletscher) direkt zum Gipfelkreuz von Deutschlands höchstem Berg. Vorsicht ist am Übergang vom Gletscher an die Felswand geboten. Im heißen Sommer 2018 wurde der Spalt so breit und die Schneebrücken so dünn, dass Alpenverein und Hüttenwirt von der Tour abraten.

Nach 35 Jahren ein neuer Wirt auf dem Münchner Haus

Ex-Hüttenwirt auf der Gipfelhütte, dem Münchner Haus: Hansjörg Barth

Der direkteste Anstieg auf die Zugspitze ist der "Stopselzieher". Der Anstieg über die Tiroler Seite ist mit Klettersteig-Passagen gewürzt und führt über die Wiener-Neustädter-Hütte zur Schutzhütte auf der Zugspitze, dem Münchner Haus. Diese höchstgelegene Alpenvereinshütte Deutschlands bewirtschaftet die Familie Barth seit 95 Jahren. Nach dem legendären Hüttenwirt Hansjörg Barth hat jetzt Sohn Toni übernommen - in vierter Generation.

Die "Eisenzeit" ist ein wiederentdeckter Steig auf die Zugspitze

Bergführer aus dem Werdenfelser Land haben vor Kurzem einen fast 100 Jahre alten Steig wiederentdeckt, der für die Erbauer der Zugspitz-Zahnradbahn in die Felsen gesprengt und versichert wurde. Heute ist die Route "Eisenzeit" eine steile Kletterei auf den Spuren der abenteuerlich ausgesetzten Baustelle. Die alten Sicherungen aus den 1930er-Jahren sind wackelig und unbrauchbar, die Route ohne Ortskenntnis kaum zu finden. Daher ist es ratsam, die Klettertour zusammen mit einem Bergführer zu unternehmen.

Nach dem Zusammenstoß der Gondel mit einer Bergungskabine bei einer Übung im September 2018 empfiehlt der Alpenverein, die Route Eisenzeit nicht zu begehen.

Der Jubiläumsgrat ist nur für versierte Bergsteiger

Spektakulär und kräftezehrend ist die Kletterei über den Jubiläumsgrat. Beim 8-Stunden-"Abstieg" über den ausgesetzten Grat zwischen Zugspitzgipfel und Alpspitze kommen immerhin 800 Meter bergauf zusammen, dazu Kletterstellen bis zum dritten Schwierigkeitsgrad. Wer schon beim Film "In 24 Stunden auf die Zugspitze und zurück" weiche Knie bekommt, wenn Hannes Hochenleitner aus dem Bergauf-Bergab-Team den Jubiläumsgrat entlang sprintet, sollte sich die Route nicht selbst vornehmen. Die Winterbegehung des Jubiläumsgrates mit Malte Roeper und Esther Baum, noch dazu in der "Gegenrichtung" von der Alpspitze zur Zugspitze, packt noch ein paar Schwierigkeitsgrade obendrauf.

Extremes Wetter auf fast 3.000 Metern Höhe

Der Turm der Wetterwarte auf der Zugspitze

Natürlich ist die Zugspitze nicht nur für Wanderer und Bergsteiger interessant. Wetterbeobachter liefern aus fast 3.000 Metern Höhe wertvolle Daten für Wetterbericht und Klimaforschung. Sie haben Temperaturen von –35 Grad gemessen, acht Meter hohen Schnee und Windspitzen über 335 Stundenkilometer.

Der höchste Arbeitsplatz Deutschlands auf dem markanten Turm der Wetterwarte überragt den Zugspitzgipfel sogar um zwei Meter - noch. Denn nach fast 120 Jahren stellt der Deutsche Wetterdienst auf automatisierte Wetterstationen um.


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