Bayern 2 - radioWissen


24

Reichskanzler, Kriegsverbrecher

Von: Volker Eklkofer / Sendung: Christian Feldmann

Stand: 22.07.2019 | Archiv

GeschichteMS, RS, Gy

Warum folgten die Deutschen dem "böhmischen Gefreiten"? Warum blieben sie ihm bis zum Ende treu? - Persönlichkeit, Aufstieg und Niedergang Adolf Hitlers. Wie die Propaganda am "Führer"-Mythos strickte.

Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in dem österreichischen Städtchen Braunau am Inn geboren. Wie er später berichtete, war seine Kindheit von Auflehnung gegen den "herrischen Vater", aber von großer Zuneigung zur Mutter geprägt. 1903 starb sein Vater, vier Jahre später erlag die Mutter einer Krebserkrankung. In der Schule brachte der junge Adolf, der als intelligent galt, nur mäßige Leistungen und ging als Sechzehnjähriger ohne Abschluss ab. Hitler träumte von Höherem: von der Kunst. 1908 zog er nach Wien, um Maler zu werden. Zweimal lehnte ihn die Kunstakademie ab, ein Besuch der Architekturschule blieb ihm mangels Abitur verwehrt. In den ersten Wiener Jahren lebte er vom Erbe der Eltern und von einer Waisenrente. 1909 war das Vermögen aufgezehrt. Hitler schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, hauste in billigen Absteigen, Asylen und Männerheimen. Ein Grund für seine häufigen Umzüge war das Bemühen, dem Wehrdienst zu entgehen.

Hitlers Vorurteile formen sich

In den Armenvierteln Wiens und im Vielvölkergemisch der Kaiserstadt entwickelte sich Hitlers grenzenloser Hass gegen die Juden, gegen die Demokratie, gegen Liberalismus und Humanismus. In den Jahren vor 1914 las er viel und eignete sich eine Halbbildung an. Sein besonderes Interesse galt rassentheoretischen und antisemitischen Schriften.

Vom Soldaten zum Politiker

1913 floh Hitler vor den österreichischen Militärbehörden nach München. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zu einem bayerischen Infanterieregiment, das an der Westfront kämpfte. Hitler schätzte den Krieg, der Frontdienst war für ihn eine sinnvolle Beschäftigung. Als Meldegänger erhielt er das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Der militärische Zusammenbruch 1918 schockierte den Gefreiten Hitler. Er glaubte an die Dolchstoßlegende und machte die "Novemberverbrecher" für die Niederlage verantwortlich.

So wurde Hitler Politiker - erfüllt vom Hass auf die Weimarer Demokratie. Er arbeitete 1919 im Auftrag der Reichswehr als V-Mann und spähte die politischen Parteien in München aus. Dabei lernte er eine kleine Gruppe von Nationalisten kennen, die sich Deutsche Arbeiterpartei nannte. Hitler trat dieser Organisation im September 1919 bei, wenig später änderte sie ihren Namen in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).

Hitler an der Spitze der NSDAP

Im Juni 1921 wurde Hitler Vorsitzender der NSDAP. Bald schlug er Kapital aus seinem Rednertalent. Wenngleich die Gesten anfangs noch ungeübt und linkisch wirkten, verstand er es mehr und mehr, sich dramatisch in Szene zu setzen. Es stießen Männer zu ihm, die später Spitzenfunktionen im "Dritten Reich" bekleiden sollten, darunter der Hauptmann Ernst Röhm, der Geopolitikstudent Rudolf Heß und der Fliegeroffizier Hermann Göring. Um auf eigenen Versammlungen Ordnung zu schaffen und die Treffen politischer Gegner zu stören, bildete die NSDAP eine Saalschutz- und Schlägertruppe, aus der die Sturmabteilung (SA) hervorging.

1923 - der Putschversuch schlägt fehl

Hitlers Versuch, zusammen mit General Erich Ludendorf und diversen Rechtsgruppen die Macht in München zu erobern, scheiterte kläglich. Im Gewehrfeuer bayerischer Polizisten brach der Staatstreich am 9. November 1923 vor der Münchner Feldherrnhalle zusammen. Hitler wurde verhaftet und im Februar 1924 vor Gericht gestellt. Der Hochverräter wurde zu fünf Jahren Haft in der Festung Landsberg verurteilt und kam schon nach neun Monaten wieder frei. Ab 1925 durfte Hitler wieder als Versammlungsredner auftreten.

Der Wiederaufbau der NSDAP

In den "goldenen zwanziger Jahren" zwischen 1924 und 1929 erlebte Deutschland eine wirtschaftliche Scheinblüte - eine ungünstige Zeit für die Nationalsozialisten. Dennoch kämpfte Hitler mit allen Mitteln gegen die Weimarer Demokratie, den sozialistischen Parteiflügel der NSDAP entmachtete er. Allmählich gelang es ihm, Anhänger aus allen Schichten der Gesellschaft zu gewinnen. Zudem sicherte er sich die Unterstützung einflussreicher Männer aus der Wirtschaft. Hitler präsentierte sich als Politiker zum Anfassen, der in dynamischem Outfit mit Auto und Flugzeug kreuz und quer durch Deutschland reiste. Dennoch wuchs die Mitgliederzahl seiner Partei nur langsam, 1928 waren es 60.000. Mit zwölf Reichstagssitzen rangierte die NSDAP 1928 unter den deutschen Parteien nur an neunter Stelle.

Die NSDAP wird zur Massenbewegung

Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise veränderte die Situation. Deutschland lag am Boden, die Zahl der Arbeitslosen stieg. Viele Menschen hatten die Niederlage im Ersten Weltkrieg noch nicht verdaut und fühlten sich nach dem "Schmachfrieden von Versailles" gedemütigt. Das Vertrauen in die demokratischen Parteien schwand. Die NSDAP wurde zur Partei der Entwurzelten und Unzufriedenen. Hitler versprach die nationale Wiedergeburt. Seine schlichte Kernaussage lautete: In einem nationalsozialistischen Deutschland wird alles besser.

Bei den Wahlen 1930 erhielt die NSDAP 6,5 Millionen Stimmen (18,5 Prozent) und wurde mit 107 Sitzen zweitstärkste Fraktion im Reichstag. Auch die KPD konnte zulegen. Die politische Lage in Deutschland wurde zunehmend unübersichtlich. Regierungen fanden keine Mehrheit mehr und waren als Präsidialkabinette vom Vertrauen des greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg abhängig.

1932 erhielt Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft. Er kandidierte für das Amt des Reichspräsidenten, unterlag aber dem Amtsinhaber Hindenburg. Bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 gewann die NSDAP fast 14 Millionen Stimmen (37,3 Prozent) und wurde mit 230 von 608 Mandaten stärkste Partei im Parlament. Bei einer erneuten Wahl am 6. November musste die NSDAP Verluste hinnehmen und fiel auf 196 Mandate zurück.

Hitler wird Reichskanzler

Lange hatte sich Reichspräsident Hindenburg geweigert, den "böhmischen Gefreiten" zum Regierungschef zu ernennen, aber am 30. Januar 1933 war es soweit. Eine Gruppe konservativer Politiker um Ex-Kanzler Franz von Papen glaubte Hitler für ihre Zwecke brauchen zu können und verhalf ihm zur Macht. Bald hatte Hitler die Rivalen ausmanövriert und die übrigen Parteien aufgelöst. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 schuf er die Grundlagen des totalitären Einparteienstaates (Ermächtigungsgesetz). In folgenden Jahren festigte der "Führer" seine Position. Die von Propagandaminister Josef Goebbels gesteuerten Medien zeichneten das Bild eines rastlos für sein Volk tätigen genialen Staatsmannes.

1935 brach Hitler den Versailler Vertrag, führte die allgemeine Wehrpflicht ein und setzte ein gigantisches Wiederaufrüstungsprogramm in Gang. Im März 1936 besetzten deutsche Truppen die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes. Weitere Erfolge waren der Anschluss Österreichs (März 1938) und die Eingliederung des Sudetenlandes ins Reich (Oktober 1938). Hitlers aggressive Außenpolitik brachte Briten und Franzosen dazu, die Zerschlagung der Tschechoslowakei zu akzeptieren (März 1939). Im nationalen Freudentaumel rückten die Nürnberger Rassegesetze, die Konzentrationslager und die Verfolgung politischer Gegner in der Wahrnehmung vieler Deutscher in den Hintergrund.

Zweiter Weltkrieg: Hitler versagt als Feldherr

In der Zeit der "Blitzsiege" zwischen 1939 und 1942 präsentierte sich Hitler als souveräner Schlachtenlenker. Den Kampf gegen die Sowjetunion betrachtete er als antibolschewistischen Kreuzzug. Er führte einen Vernichtungskrieg, die europäischen Juden wurden systematisch ermordet. Als die Wehrmacht in die Defensive geriet, verweigerte sich Hitler der deutschen Bevölkerung. Er besuchte keine der von alliierten Bomben zerstörten Städte und kapselte sich in seinen Hauptquartieren ab. Als das Ende immer näher kam, zog sich der "Führer"  in die Scheinwelt seines Bunkers im Hof der Berliner Reichskanzlei zurück. Am Kartentisch plante er Operationen mit längst zerschlagenen Armeen und klammerte sich an die Hoffnung, dass neu entwickelte Düsenjäger und "Vergeltungswaffen" das Kriegsglück noch wenden könnten. Außerdem ersehnte er ein Zerwürfnis zwischen den Westmächten und der Sowjetunion.

Hitlers Ende

Im Januar 1945 fiel die Rote Armee in Ostpreußen ein, im März überschritten Amerikaner und Briten den Rhein. Hitler befahl die Zerstörung der übrig gebliebenen Industrie und der Nachrichtenverbindungen (Nero-Befehl). Am 29. April 1945 heiratete Hitler seine langjährige Geliebte Eva Braun und diktierte sein politisches Testament:

"Vor allem verpflichte ich die Führung der Nation und die Gefolgschaft zur peinlichen Einhaltung der Rassegesetze und zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum"

Adolf Hitler

Tags darauf begingen der "Führer" und Eva Braun Selbstmord. SS-Männer trugen die Leichen in den Hof der Reichskanzlei, übergossen sie mit Benzin und verbrannten sie.


24