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Der Widerstand der Weißen Rose

Von: Christian Sepp / Volker Eklkofer

Stand: 31.01.2018 | Archiv

Eine Seite aus der Gerichtsakte vor den Fotografien von Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst | Bild: Clemens Bilan/ddp/dapd
GeschichteMS, RS, Gy

Die Weiße Rose und ihre profiliertesten Mitglieder, die Geschwister Scholl, stehen heute stellvertretend für den deutschen Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime und gelten als Symbol für beispielhafte Zivilcourage.

Familiärer Hintergrund

Hans (1918-1943) und Sophie Scholl (1921-1943) wurden zusammen mit ihren drei Geschwistern von ihren Eltern nach christlich-humanitären Werten erzogen. Ihre Jugendzeit erlebten die Geschwister Scholl in Ulm. Ganz gegen den Willen des Vaters waren die Kinder zunächst begeisterte Mitglieder in der Hitlerjugend. Doch schnell kamen sie in Konflikt mit dem totalitären System und wurden für einige Zeit sogar inhaftiert. Wann genau die Geschwister Scholl sich vom Nationalsozialismus abwandten, ist nicht zu sagen. Neuere Forschungen zeigen, dass die Entwicklung zu Widerstandskämpfern keineswegs gradlinig verlief.

Die Weiße Rose und ihre Flugblätter

Nach dem Abitur studierte Hans Scholl Medizin an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Unter dem Einfluss katholischer Gegner des NS-Regimes wie Carl Muth und Theodor Haeckel gründete er im Sommer 1942 mit Alexander Schmorell (1917-1943) die Widerstandsgruppe Weiße Rose. Zusammen verfassten, druckten und verteilten sie in kurzer Folge vier Flugblätter. Das erste Flugblatt der Weißen Rose beginnt mit den Worten: "Nichts ist eines Kulturvolks unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrschaftsclique 'regieren' zu lassen." In aufrüttelnder Sprache prangerten sie die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes an. Nach der Rückkehr von Hans Scholl und Alexander Schmorell von einem Einsatz an der Ostfront im November 1942 schlossen sich Sophie Scholl, Willi Graf (1918-1943), Christoph Probst (1919-1943) und Professor Kurt Huber (1893-1943) aktiv der Widerstandsgruppe an. Die Erlebnisse an der Ostfront, die Massenermordungen und das Elend des Warschauer Ghettos hatten sie in ihrer Tätigkeit noch bestärkt. Es folgten zwei weitere Flugblätter, die in einem größeren Umfang verbreitet wurden. Anlass für das sechste Flugblatt war die deutsche Niederlage in der Schlacht von Stalingrad. Die Gruppe rief zum Kampf gegen die NSDAP auf.

Verhaftung und Hinrichtung

Am 18. Februar 1943 verteilten Hans und Sophie Scholl die letzten Kopien des sechsten Flugblattes im Hauptgebäude der Münchner Universität. Bei dieser waghalsigen Aktion wurden sie von einem der Hausmeister ertappt und der Gestapo übergeben. Hans Scholl trug einen handschriftlichen Entwurf des siebten Flugblatts von Christoph Probst bei sich. Einen Tag später verhaftete die Gestapo Christoph Probst in Innsbruck. Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst wurden am 22. Februar 1943 vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler "wegen landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt und noch am selben Tage hingerichtet. Während des Prozesses hinterließen die Angeklagten durch ihre Ruhe und ihre Tapferkeit tiefen Eindruck. Im April 1943 verurteilte der Volksgerichtshof drei weitere Mitglieder der Weißen Rose zum Tode: Alexander Schmorell, Willi Graf und Professor Kurt Huber.


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