Bayern 2 - radioWissen


4

Glossar Humanismus

Stand: 07.10.2009 | Archiv

BegriffErklärung
ArroganzAnmaßung, Hochmut
DemokratieArt des politischen Lebens, bei der die Willensbildung der Gemeinschaft (oder des Staates) vom Willen des gesamten Volkes abgeleitet wird. Das heißt, dass das Volk seine Meinung durch ein mehrheitliches Votum äußern und damit auch mitentscheiden kann.
EthikBereich der Philosophie, der sich mit der Begründung der Sittlichkeit beschäftigt. Hauptgegenstand der Ethik sind die menschlichen Handlungen, die entweder von der Gesinnung oder der Wirkung ausgehen.
ExistentialismusBezeichnung dafür, dass sich der Mensch seiner Existenz bewusst ist und jene im Laufe seines Lebens durch freie Handlungen und Taten selbst gestalten sowie seine Persönlichkeit ausbilden kann. Dabei entwickelt der Mensch auch das, was seinem Leben Sinn und Gehalt gibt.
HumanismusWeltanschauung, die von der abendländischen Philosophie hergeleitet wird. Im Mittelpunkt stehen die Interessen, die Werte und die Würde des einzelnen Menschen. Dabei gelten Toleranz, Gewaltfreiheit und die Freiheit des Gewissens als wichtige humanistische Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens. Zentrale Frage des Humanismus ist aber, was der Mensch ist, was sein wahres Wesen ausmacht und wie der Mensch dem Menschen ein Mensch sein kann?
IgnoranzAls ignorant wird derjenige bezeichnet, der absichtlich oder unabsichtlich etwas nicht erkennt, etwas nicht wissen will oder nicht beachten möchte. Ignoranz somit eine gewollte oder ungewollte Unwissenheit.
MittelalterZeitabschnitt zwischen dem Altertum und der Neuzeit. Beginn ist Ende des vierten Jahrhunderts, das Ende 1492 (Entdeckung Amerikas) bzw. auch 1517 (Beginn der Reformation).
MoralGesamtheit der Normen, Werte und Grundsätze, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft reguliert. Unter den Begriff Moral fällt zudem das sittliche Empfinden oder Verhalten des Einzelnen oder einer Gruppe. Je nach Kultur ist jedoch das, was als gut oder böse gewertet ist, unterschiedlich.
OppositionGegensatz, Widerstand. Dieser Begriff wird sowohl für eine gegenteilige Meinung verwendet, als auch politisch für die Minderheit, die der Mehrheit gegenübersteht.
PhilosophieStreben des Menschen, sich selbst zu erkennen, das Wesen und die Zusammenhänge der Dinge sowie die gültigen Prinzipien und Inhalte ethischen Handelns. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Liebe zur Weisheit". Die Philosophie wird auch als Versuch der kritischen Selbstüberprüfung des Denkens bezeichnet.
RenaissanceDie Wiedergeburt des klassischen Altertums. Kulturgeschichtlich ist sie auch eine der großen Geistesbewegungen. Die Renaissance setzte im 14. Jahrhundert in Italien ein griff seit dem Ende des 15. Jahrhunderts auf alle europäischen Länder über. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Entdeckung der Welt und der Menschen sowie das Bewusstwerden der menschlichen Persönlichkeit.
RhetorikRedekunst, die durch Überzeugen einen Meinungswandel oder Handlungen auslöst
Toleranzdas Dulden oder Respektieren von Überzeugungen, Handlungen oder Praktiken

Personen

NameWerdegang
Cicero, Marcus Tullius (106–43 v. Chr.)römischer Staatsmann und Schriftsteller, berühmtester Redner Roms, erklärte den Römern die griechische Philosophie
Burckhardt, Carl Jacob (1891–1974)Schweizer Kulturphilosoph, Diplomat und Historiker. Als sein literarisches Hauptwerk gilt die von 1935 bis 1967 veröffentliche Richelieu-Biografie.
Freud, Sigmund (1856-1939)Österreichischer Nervenarzt und Tiefenpsychologe, Religionskritiker und Begründer der Psychoanalyse zum Heilen seelisch bedingter Störungen. Besonders untersuchte er das Unterbewusstsein und seine Beziehung zum Bewusstsein.
Fromm, Erich (1900–1980)Deutscher Sozialpsychologe, Psychoanalytiker und humanistischer Philosoph. Seiner Meinung nach hat der Mensch nicht nur körperliche, sondern auch seelische Grundbedürfnisse, die in seiner Existenz verwurzelt sind. Um seelisch gesund zu sein, würden für den Menschen universelle Kriterien gelten, die vom gesellschaftlichen System stark beeinflusst werden könnten.
Goethe, Johann Wolfgang von (1749 – 1832)Bedeutendster deutscher Dichter, zudem Dramatiker, Naturwissenschaftler und Staatsmann. Seine Werke umfassen Gedichte, Dramen, Prosa und naturwissenschaftliche Abhandlungen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Faust I. und II.", "Wilhelm Meisters Lehrjahre", "Die Leiden des jungen Werther" und "Götz von Berlichingen".
Heraklit von Ephesos (zwischen 540 und 535 – 483 und 475 v. Chr.)Griechischer Philosoph. Er lehrte, dass sich das Sein in einem dauernden Entstehen und Vergehen befindet.
Herder, Johann Gottfried (1744–1803)Deutscher Dichter, Theologe und Kulturphilosoph. Als Kritiker und Verkünder der sich ausbreitenden Humanität hat er die Entwicklung des deutschen Geistes entscheidend gefördert ("Briefe zur Beförderung der Humanität", 1793-1997).
Kästner, Erich (1899 - 1974)Deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Kabarettist. Kästner wurde bekannt durch seine zeitsatirischen, humoristischen und sarkastischen Gedichte und Geschichten ("Fabian", "Schule der Diktatoren") sowie durch seine sozialkritische Kinderliteratur ("Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen").
Kant, Immanuel (1724-1804)Deutscher Philosoph der Neuzeit und einer der bedeutendsten Denker im Zeitalter der Aufklärung. Er versuchte unter anderem die Frage der Begründung sittlichen Handelns zu beantworten. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass das allgemeingültige Erkennen von den Verstandesprinzipien und Anschauungsformen abhängig ist.
Marcuse, Ludwig (1894 – 1971)Deutscher Philosoph und Schriftsteller. Er schrieb auch Bücher über Heinrich Heine und Siegmund Freud.
Maritain, Jacques (1882 – 1973)französischer Philosoph und Lehrer an amerikanischen und kanadischen Universitäten. Maritain wirkte unter anderem am Text der UN-Menschenrechtscharta mit.
Mirandola, Giovanni Pico della (1463 – 1494)Italienischer Humanist und Philosoph der Renaissance. Er trat für die Würde des Menschen ein, die für ihn in der Bildung lag.
Montaigne, Michel de (1533 – 1592)Französischer Humanist, Philosoph und Politiker. Seine Essays gelten als das erste große Denkmal weltmännischer Laienphilosophie.
Musil, Robert (1880 – 1942)Österreichischer Schriftsteller und Theaterkritiker. Sein bekanntester Roman ist "Der Mann ohne Eigenschaften".
Pascal, Blaise (1623 – 1663)Französischer Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph. Er verband die christliche Frömmigkeit mit mathematischen und philosophischen Scharfsinn. Pascal baute auch die Wahrscheinlichkeitsrechnungen aus.
Pestalozzi, Johann Heinrich (1746 – 1827)Schweizer Pädagoge, Philosoph und Sozialreformer. Er errichtete Erziehungsanstalten für arme Kinder. Außerdem gilt er als geistiger Schöpfer der modernen Volksschule.
Petrarca, Francesco (1304 – 1374)Italienischer Dichter und Philologe. Er wird als der erste repräsentative italienische Humanist bezeichnet.
Platon (427 – 347 v. Chr.)Antiker griechischer Philosoph und Schüler von Sokrates. Platon gilt als einer der einflussreichsten Philosophen der Geschichte. Für ihn stand die Erkenntnis des Guten im Vordergrund.
Protagoras (490 – 411 v. Chr.)Griechischer Philosoph und Lehrer in Athen. Für Protagoras war "Der Mensch das Maß aller Dinge".
Sartre, Jean Paul (1905 – 1980)Französischer Schriftsteller und Philosoph, Vertreter des atheistischen Existenzialismus. Sartre vertrat die Ansicht, dass der Mensch das ist, wozu er sich mit seinem Tun macht.
Scheler, Max (1874 – 1928)Deutscher Philosoph und Soziologe. Er beschäftigte sich eingehend mit der Frage der Wert-Ethik und den Formen des Wissens.
Schiller, Friedrich (1759 – 1805)Deutscher Dichter, Philosoph und Historiker. Seine bekanntesten Werke sind "Die Räuber", "Das Lied von der Glocke", und "Wilhelm Tell". Schiller glaubte daran, dass der Mensch an einer idealen Wertewelt teilhaben kann.
Sokrates (469 – 399 v. Chr.)Für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph. Durch eindringliche Fragen versuchte er vermeintliches Wissen zu widerlegen und zum "Wissen des Nichtswissens" hinzuführen. Sokrates widmete in seinen Überlegungen vor allem dem sittlichem Handeln.

4