Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Therapie und Entzug Hausarzt und Suchtberatungsstellen

Wenn der Entschluss gefallen ist, die Sucht aktiv anzugehen, ist der Hausarzt ein sehr guter Ansprechpartner. Er kann die Behandlung einleiten und begleiten. Ein ganz wichtiger Partner sind auch die Suchtberatungsstellen.

Von: Holger Kiesel

Stand: 30.03.2017

Schild mit der symbolischen Botschaft: "Alkoholverbot" | Bild: picture-alliance/dpa

Solche Einrichtungen gibt es in ganz Bayern. Dort kann man sich informieren und beraten lassen, übrigens auch als Angehöriger eines Betroffenen, der sich noch nicht helfen lassen will. In vielen Fällen können die Beratungsstellen auch gleich die Entwöhnungstherapie übernehmen. Für kompliziertere Fälle, z.B. bei Begleiterkrankungen oder erheblichen Teilhabestörungen, gibt es stationäre Angebote. Für die Nachsorge sind dann wieder die Suchtberatungsstellen zuständig.

Was passiert bei Entzug?

Die meisten Suchtmittel rufen beim Absetzen Entzugserscheinungen hervor. Das Gehirn hat sich nämlich an die regelmäßige Zufuhr gewöhnt, und jetzt gerät vieles durcheinander. Besonders stark reagiert das Gehirn bei Tabletten- und Alkoholentzug. Hier reichen die Symptome im Einzelfall bis hin zu epileptischen Krampfanfällen oder zum Delir.

Begleiteter oder kalter Entzug

Viele Suchtpatienten berichten, dass sie schon einen oder mehrere 'kalte Entzüge' ohne professionelle Unterstützung durchgestanden haben. Dabei riskieren sie allerdings ihre Gesundheit. Deshalb sollte der Entzug (‚Entgiftung‘) unter ärztlicher Begleitung durchgeführt werden. Am sichersten geht das stationär, hier hat man dann auch rund um die Uhr Ansprechpartner, bekommt umfassende medizinische Unterstützung und soziale Begleitung.

Medikamentöse Behandlung bei Entzug

Während des Entzugs werden den Betroffenen in der Regel bereits prophylaktisch Medikamente verabreicht, um die Entzugserscheinungen zu mildern und das Risiko von Komplikationen zu minimieren.

Wie lange dauert der Entzug?

Je nach Substanz ist die Dauer eines Entzugs unterschiedlich. Allerdings hat man bei den meisten Substanzen nach etwa einer Woche das Schlimmste überstanden. Bei den Benzodiazepinen (Beruhigungs- oder Schlafmittel) kann sich das aber über einige Wochen hinziehen.

Nach dem Entzug

Manche Menschen mit Vorstufen oder leichteren Formen von Abhängigkeit begreifen einen Aufenthalt in der Akutklinik als ‚Warnschuss‘. Sie gehen nach dem Entzug wieder nach Hause, holen sich Unterstützung vor Ort und können auf ihr Suchtmittel verzichten. Andere überschätzen sich, erleiden einen Rückfall und landen schnell wieder im Krankenhaus. Wiederholt sich dieses Hin und Her immer wieder, spricht man vom 'Drehtür-Effekt'.

Nach der Entgiftung folgt die Entwöhnung

Bei schwerer Erkrankten folgt auf die Phase der akuten Entgiftung eine Entwöhnung. Hierbei handelt es sich um eine ambulante oder stationäre Reha-Maßnahme. Die stationäre Entwöhnungs-Behandlung beinhaltet Informationsveranstaltungen, Gruppen- und Einzelpsychotherapie, Sport- und Ergotherapie und vieles mehr. Wichtig ist dabei das Eingehen auf jede individuelle Störung der Teilhabe am Leben. So kann es hier beispielsweise einmal um die Klärung einer Beziehungssituation gehen, ein anderes Mal um die Unterstützung bei Problemen am Arbeitsplatz.


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