Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Entstehung einer Sucht Wann spricht man von Sucht?

Zur Frage, was genau eine Sucht ist, gibt es verschiedene Alltags-, aber auch wissenschaftliche Definitionen. Eine gute Beschreibung ginge so: Von Sucht kann man dann sprechen, wenn jemand sein gesamtes Leben auf den Konsum einer bestimmten Substanz oder auf eine bestimmte Verhaltensweise ausrichtet und dadurch erhebliche körperliche, psychische und soziale Schäden davonträgt.

Von: Holger Kiesel

Stand: 29.03.2017

Die Kernspinthomographie zeigt ein Hirnschnittbild, auf dem Nervenzellenaktivitäten, die zum Beispiel beim Glücksspiel aktiv sind, gelb gekennzeichnet wurden.  | Bild: picture-alliance/dpa

Vieles, was wir etwa mit der Nahrung zu uns nehmen, löst ein Wohlbefinden aus. Trotzdem würde wohl kaum jemand behaupten, er sei z.B. von Käsesemmeln oder Pfefferminztee abhängig. Denn nur Stoffe, die gezielt unser Befinden beeinflussen, indem sie mit großer Wirkung am Belohnungssystem in unserem Gehirn andocken, können eine Sucht auslösen. Sie erzeugen in uns den Wunsch nach mehr und immer noch mehr davon.

Wenn der Wunsch zur Sucht wird

Der Wunsch und später der Drang, der wie ein Zwang wirkt, eine suchterzeugende Substanz immer wieder zu sich zu nehmen, wird zum Problem, wenn man die Kontrolle darüber verliert. Ob und wie schnell das geschieht, hängt vor allem davon ab, wie leicht eine Substanz verfügbar ist, welches Suchtpotenzial sie hat und wie gut man sein Leben sonst im Griff hat.

"Bei vielen Menschen kommt es gar nicht zu einer Abhängigkeit, nachdem sie ein Suchtmittel zum ersten Mal ausprobiert haben, weil sie vor lauter prallem Leben gar nicht dazu kommen, es dauernd nochmal zu versuchen. Trotzdem ist es natürlich gut, von gefährlichen Substanzen ganz die Finger zu lassen."

Prof. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbad Fachklinik Furth im Wald

Vorstufen einer Sucht

Nicht jeder überdurchschnittliche Konsum einer suchterzeugenden Substanz ist schon eine Krankheit. Beispiel Alkohol: Hier spricht man ab einer täglichen Menge von mehr als 20 Gramm bei Frauen bzw. 30 Gramm bei Männern erstmal vom 'riskanten Konsum'. Ab diesem Wert ist das Risiko einer Schädigung erhöht. Die nächste Stufe ist der 'schädliche Gebrauch'. Hier trinken die Betroffenen z.B. bereits so viel Alkohol, dass in der Folge eine negative Konsequenz eintritt (z.B. Verlust des Führerscheins, erhöhte Leberwerte). Erst danach beginnt die Sucht. Wer in der Phase des schädlichen Konsums bereits Maßnahmen ergreift, kann das Abgleiten in die Sucht vermeiden.

Suchterzeugende Substanzen

Zu den wichtigsten suchterzeugenden Substanzen gehören das Nikotin im Tabak (etwa vier Millionen Abhängige in Deutschland), der Alkohol (circa zwei Millionen Süchtige) und Medikamente (um die 1,5 Millionen Betroffene). Andere Suchtmittel wie Cannabis (vermutlich 300.000 Abhängige) oder Heroin, Ecstasy und Crystal Meth liegen von den Zahlen her deutlich darunter.


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