Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Folgen der Sucht Körperliche Schäden durch Alkohol und Co.

Kommt die körpereigene Entgiftung wegen der getrunkenen Mengen nicht mehr nach, kommen Erkrankungen wie Leberentzündung, Herzmuskelschwäche, Bauchspeicheldrüsenentzündung (und in der Folge auch Diabetes, weil nicht mehr so viel Insulin produziert wird), Nervenstörungen oder Demenz hinzu.

Von: Holger Kiesel

Stand: 29.03.2017

Junge Frau gießt sich schlechten Gewissens Rotwein ein. Ihr Freund stellt sie zur Rede. | Bild: picture-alliance/dpa

Viele regelmäßige Konsumenten haben auch entsprechend schlechte Leberwerte. Aber längst nicht alle! Doch selbst wenn die Leberwerte normal sind, können andere Organe geschädigt sein. Es hängt an vielen genetischen und Lebensstileinflüssen, wo der Alkohol im Körper 'zuschlägt'.

Körperliche Folgen anderer Substanzen

Viele Inhaltsstoffe des Tabaks wirken schädlich auf die Blutgefäße und können Krebs verursachen. Manche Medikamente hinterlassen bleibende Spuren im Gehirn. Stimulanzien wie Kokain oder Partydrogen belasten das Herz-Kreislauf-System. Oft kommt es hier auch zu Ohnmachtsanfällen, da die Betroffenen vergessen, ausreichend Flüssigkeit zu trinken. Selbst das bezüglich Körperschäden als vergleichsweise harmlos geltende Cannabis kann die Lungenfunktion verschlechtern und einen plötzlichen Herztod auslösen.

Sucht geschieht oft heimlich

Zu einer Sucht gehört tatsächlich sehr oft die Heimlichkeit. Deshalb sind Angehörige oder Freunde manchmal ziemlich überrascht, wenn sie bei jemandem Anzeichen einer Sucht feststellen (etwa ungewöhnlich viele leere Flaschen im Keller). Danach wird aber leider nicht immer gleich offen über alles gesprochen, aus Angst vor Ärger oder Streit.

Hinweise auf eine Sucht

Anzeichen, die zum Beispiel für Angehörige auf eine Sucht hindeuten können, sind etwa sich häufende kleine Missgeschicke wie Stürze oder Verletzungen, Änderungen des Verhaltens oder ein zunehmender Rückzug des Betroffenen. Vielleicht sind die Personen dann auch erkennbar angetrunken oder haben eine ‚Fahne‘. Darauf angesprochen, werden sich Viele heftig gegen die Aussage wehren ‚Du hast ein Alkoholproblem‘. Dann wird eine Sucht im Laufe der Zeit zu einer großen Belastungsprobe für Beziehungen in vielen Bereichen.

Co-Abhängigkeit

Angehörige versuchen oft, den Betroffenen und ihr Familien-System zu schützen, indem sie dem Abhängigkeitskranken helfen, die Anzeichen seiner Sucht zu verbergen, wenn sie etwa für ihn Flaschen entsorgen oder ihn beim Arbeitgeber entschuldigen. Damit sollte aber keine Schuldzuweisung an die Angehörigen erfolgen.

Schuldgefühle bei den Angehörigen

Schuldgefühle haben Angehörige nämlich ganz oft ohnehin schon. Sie sollten vielmehr unterstützt werden. Vor ihnen liegt ein Weg, der eine eigene Entwicklung voraussetzt. So können Angehörige z.B. lernen, keine Kontrollfunktion mehr zu übernehmen. Das wird zunehmend die Aufgabe der Suchtpatienten selbst, wenn sie sich ihrer Krankheit stellen.

Was können Angehörige tun?

Wer Anzeichen einer Sucht bei einem Angehörigen wahrnimmt, sollte das in einem ruhigen, passenden Moment ansprechen. Dann kann man die Beobachtungen in einer möglichst klaren ‚Ich-Botschaft‘ formulieren‘. Statt 'Du trinkst zu viel‘ wäre das dann alternativ ‚Ich mache mir Sorgen um Dich und unsere Beziehung‘. Hilfreich ist dabei das 'Prinzip der zwei Hände'. Mit der einen Hand wird eine klare Grenze gezogen: 'Das mache ich nicht mehr mit!', die andere Hand bietet gleichzeitig Hilfe an ‚Ich begleite Dich zur Beratungsstelle‘.

Soziale Folgen der Sucht

Sucht beeinträchtigt das tägliche Leben der Betroffenen in vielfältiger Form: Es gehen Beziehungen oder Freundschaften daran kaputt, Betroffene verlieren ihren Job oder brechen die Schule ab oder die Kosten für den Konsum führen in die Verschuldung. Deshalb gehört es bei Abhängigkeiten auch zur Therapie, die Betroffenen wieder in ein möglichst geordnetes soziales Umfeld zurückzuführen.


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