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Obsoleszenz Kurze Lebensdauer von Elektrogeräten: Gibt es "geplante Obsoleszenz"?

Werden Elektrogeräte wirklich so gebaut, dass sie nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen? Was ist dran an dieser sogenannten "geplanten Obsoleszenz"?

Von: Alexander Dallmus

Stand: 18.01.2022 | Archiv

Mechaniker vor Wasch- und Spülmaschine | Bild: mauritius-images / Montage: BR

Geplante Obsoleszenz Glühbirne

Seit vielen Jahren und Jahrzehnten hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Industrie ganz bewusst so genannte Sollbruchstellen einbaut - in der Fachsprache "geplante Obsoleszenz" genannt - um die Lebensdauer ihrer Produkte auf absehbare Zeit zu begrenzen. Tatsächlich formierte sich Mitte der 1920er Jahre das "Phoebuskartell", zu dem die damals weltweit führenden Glühlampenherstellern gehörten. Sie tauschten Informationen über Patente und technische Entwicklungen aus, mit dem Ziel, den Weltmarkt unter sich aufzuteilen. Mehr noch: Es gab eine Absprache, um die Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden zu begrenzen. Um das zu gewährleisten, wurde damals ein enormer technischer Aufwand betrieben.

Alte Handys spenden - NaBu sammelt Handys

Egal, ob kaputt oder einfach abgelegt, ein ausgedientes Handy hat jeder zu Hause. Warum es nicht spenden: Die Handy-Sammelaktion des Naturschutzbund Deutschland (NaBu) ist in zweierlei Hinsicht nützlich. Zum einen werden kaputte oder abgelegte Handys, Smartphones oder Tablets ausgeschlachtet oder sogar fit für den Wiederverkauf gemacht, zum anderen fließt der Erlös der Sammlung – 2021 waren es immerhin 100.000 Euro – direkt in einen Insektenfond zum Schutz von Hummel & Co. 

Mit zwei Partnern aus der Wirtschaft (Telefónica Deutschland und dem IT-Recyclingunternehmen AFB) wird auch versucht, zumindest einen kleinen Teil der Alt-Geräte wiederaufzubereiten und in den Wiederverkauf zu bringen. "Unser Partner AfB guckt sich jedes einzelne Gerät mal kurz an. Lohnt sich eine Wiederaufbereitung? Dann wird es noch mal gereinigt, aufbereitet und geht in den Wiederverkauf", erklärt Sabine Lemke, die beim NaBu die Sammelaktion koordiniert. Die Akkus des Elektroschrotts gehen an die Stiftung Altbatterien wertvolle Metalle werden dann in der belgischen Schmelzhütte JuMiKo herausgeholt. Rohstoffe wie Gold, Silber, Palladium oder Platin. 

Derzeit gibt es 670 Sammelstellen in Deutschland mit spezielle Sammelboxen des NaBu. Über die Postleitzahlensuche, finden Sie sicher auch eine in Ihrer Nähe. Oder Sie nutzen Ihren Friseursalon, das Kosmetikstudio o.ä. selbst als Sammelstelle. Entsprechende Boxen sowie Infomaterial stellt der Naturschutzbund kostenlos zur Verfügung und auch die Retoure der vollen Box kostet nicht. Der Erlös aus der Sammlung, sagt Sabine Lemke vom NaBu, geht dann direkt in einen Insektenschutzfond: "Da können unsere Gruppen Projekte einreichen, die sie vor Ort umsetzen möchten. Wir haben über 2000 Gruppen in ganz Deutschland.  Und die können eben, wenn sie Blühwiesen anlegen möchten oder auch mal einen Traktor brauchen, um was Größeres zu machen, ihre Projekte einreichen. Und das geschieht eben auch mit dem Geld aus der Handysammlung." Hier gibt es weitere Infos dazu: NaBu Handy Sammelaktion.

Was gegen geplante Obsoleszenz spricht

Geplante Sollbruchstellen würden hohen Aufwand der Hersteller bedeuten.

Dieser Aufwand wäre heutzutage noch höher und würde noch mehr Geld verschlingen als damals. Die meisten Elektronik- und Haushaltsgerätefirmen produzieren schließlich weltweit, an ganz unterschiedlichen Standorten. Die Produktion ist darauf ausgerichtet, enorm effizient zu arbeiten und das geht nur, wenn die gesamte Produktion standardisiert ist. Rein rechtlich betrachtet ist es außerdem zwar so, dass es im europäischen Raum eine harmonisierte Gewährleistungsfrist gibt, aber über den Binnenmarkt hinaus wird es rechtlich vage und sehr speziell. Das würde - um juristische Folgen und Ansprüche der Kunden abzufedern - bedeuten, dass für jedes Land eine eigene Sollbruchstelle verbaut werden müsste. Selbstredend, was das an Mehraufwand und Kosten für den Hersteller verursacht.

Geplante Obsoleszenz - doch nur ein Mythos?

Kaum nachzuweisen: Geplante Obsoleszenz

Der geplante und produktübergreifende Verschleiß seitens der Industrie ist nur schwer bis gar nicht nachzuweisen. Was auch an der aufwändigen Untersuchungsanordnung liegt, die solche Nachweise mit sich bringen. Um den Verschleiß einer Waschmaschine in zehn Jahren zu simulieren, muss sie bei der Stiftung Warentest ganze neun Monate im Dauereinsatz sein. Das verdeutlicht vielleicht den immensen Aufwand, der betrieben werden muss, um eine gültige Aussage über die Langlebigkeit einer Maschine zu treffen. Die problematische Beweisführung ist aber zugleich auch der Grund dafür, dass sich der Mythos der vorsätzlichen Obsoleszenz so hartnäckig hält. Selbst eine großangelegte Studie des Umweltbundesamtes (UBA), die 2016 ebenfalls keine Belege für "geplante Obsoleszenz" fand, hat daran nicht viel geändert.

Tipp am Rande - wenn Ihre Waschmaschine auch gelegentlich komisch riecht: Das hilft gegen lästigen Geruch aus der Waschmaschine

Nutzungsdauer der Geräte hat sich verringert

Die Untersuchung im Auftrag des UBA konnte keine gezielt kurze Produktlebensdauer durch eingebaute Mängel nachweisen. In Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut Freiburg und der Uni Bonn sind dafür Basisdaten gesammelt und zusammengeführt worden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten dafür Ergebnisse der Jahre 2004 bis 2012 auswerten und analysieren. Es ging darum, Belege für die Nutzungs- und vor allem die Lebensdauer von ausgewählten elektronischen Geräte zu finden und anschließend auch die Ursache für den Ausfall der Geräte.

Zahlt sich ein höherer Preis für mehr Qualität aus?

Raus kam: Wir nutzen eine Waschmaschine, einen Kühlschrank oder einen Fernseher nicht mehr so lange, wie es noch unsere Eltern oder Großeltern getan haben. Gerade bei den Haushaltsgroßgeräten (Wäschetrockner, Waschmaschinen etc.) liegt die so genannte "Erst-Nutzungsdauer" im oben genannten Zeitraum immerhin noch bei 13 Jahren im Schnitt. Auffällig ist nur, dass der Anteil der Geräte, die schon in den ersten fünf Jahren kaputtgehen, stärker angestiegen ist (von 3,5% auf 8,3% der untersuchten Geräte). Wie sich bei der "Stiftung Warentest" auch gezeigt hat, bewähren sich gerade Produkte, die in der Anschaffung teurer sind, was ihre Langlebigkeit angeht. Anders gesagt: Qualität, die etwas mehr kostet, zahlt sich auf lange Sicht schon aus!

Enormer Kostendruck in der Lieferkette

Gerade im internationalen Wettbewerb gibt es einen enormen Kostendruck, der - entlang der Lieferkette - brutal weitergegeben wird. Die Kostenvorgaben sind extrem und einzelne Bauteile arbeiten zugleich am Limit. Bei Billigprodukten wird das einkalkuliert, aber die extreme Wettbewerbssituation macht da auch vor großen Unternehmen und Markenprodukten nicht halt. An einzelnen Produkten ist oftmals eine Vielzahl von Zulieferern beteiligt, was eine mögliche Fehlersuche nicht gerade erleichtert.

Festverbaute Akkus: Böse Absicht oder was?

Geht der Akku in die Knie, landet das Handy schnell auf dem Müll.

Ein allgemeiner Trend, der bei Elektrogeräten für viel Schrott sorgt, lässt sich gerade bei modernen Smartphones ganz gut belegen. Eine der größten Schwachstellen des Mobiltelefons ist der Akku. Sinkt hier die Leistung rapide ab, wächst der Frust beim Nutzer und zugleich der Wunsch nach einem besseren und leistungsfähigeren Gerät. Oftmals schwächelt eigentlich nur der Akku, während der Rest des Smartphones noch ohne Einschränkungen läuft. Früher haben sich Batterien oder Akkus selbstständig - auch ohne große Technikkenntnisse - austauschen lassen. Die meisten Gehäuse können aber heutzutage ohne Fachkenntnisse oder Spezialwerkzeuge gar nicht mehr geöffnet werden. Der Batteriewechsel geht nur noch im Fachgeschäft, was den Austausch aufwändiger und auch teurer macht. Natürlich liegt das auch an den Anforderungen, wie zum Beispiel, dass das Gerät möglichst wasserdicht sein soll. Aber indem immer mehr Mikroelektronik in immer kleinere Geräte "gestopft wird", nimmt auch die Anfälligkeit der Produkte zu.

Können Hersteller zu mehr Langlebigkeit verpflichtet werden?

Bereits seit langem wird darüber diskutiert, wie Hersteller künftig verpflichtet werden könnten, die durchschnittliche Lebensdauer und Reparierbarkeit von Konsumprodukten auch auszuweisen. Entsprechende Anträge und Gesetzesvorlagen hat es bereits gegeben. Passiert ist bislang nichts. Ein Gesetz, das diese Kennzeichnung vorsieht, ist in Frankreich bereits in Kraft getreten. Ob das wirklich viel gebracht hat, ist ebenfalls umstritten. Hierzulande fehlt Verbrauchern oft die Orientierung, was die Langlebigkeit von Produkten angeht. 

Warum "funktionale Obsoleszenz" uns viel schlimmer trifft

Je intelligenter die Geräte, desto kürzer die Lebensdauer.

Gerade im IT-Bereich gibt es nämlich Beispiele, wie Hersteller die Verbraucher am langen Arm verhungern lassen können. "Funktionale Obsoleszenz" wird die Möglichkeit genannt, zum Beispiel indem einfach keine Updates mehr zur Verfügung gestellt werden. Damit laufen Geräte langsamer, verschiedene Funktionen können nicht mehr genutzt werden und die Möglichkeit mit der Familie oder Freunden zu kommunizieren, ist teilweise eingeschränkt. Das kann dermaßen nerven, dass man am Ende doch ein neues Gerät kauft, auch wenn es das alte eigentlich noch tut. Das Problem dürfte sich mit der zunehmenden Digitalisierung noch verschärfen, sagt auch Lorenz Hilty, Professor am Institut für Informatik (IfI) der Universität Zürich, wo er die Forschungsgruppe Informatik und Nachhaltigkeit leitet:

"Der so genannte intelligente Kühlschrank, der einen Touchscreen hat, der WiFi-fähig ist, eine Kamera hat - all diese Komponenten halten keine 15 Jahre, weil generell IT-Komponenten keine 15 Jahre halten. Aber ein Kühlschrank würde durchschnittlich 15 Jahre halten. Dadurch, dass wir die Geräte zu Teilnehmern des Internets der Dinge machen und digitale Komponenten einbauen, verkürzen wir - ohne groß darüber nachzudenken - auch deren Lebensdauer."

Lorenz Hilty, Professor am Institut für Informatik (IfI) der Universität Zürich

Daran können Verbraucher sich orientieren

Seit einiger Zeit bieten einige Händler und Hersteller deshalb auch Zusatzgarantien an, und zwar über die gesetzlichen Gewährleistungsrechte hinaus. Die Länge dieser Garantiedauer - die entweder für das Gesamtgerät oder auch einzelne Komponenten gilt - bietet zumindest eine Orientierungshilfe. Da diese Garantieverlängerungen aber immer mit zusätzlichen Kosten verbunden sind, lohnt es sich unbedingt, die Garantiebedingungen nochmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Ein gutes Zeichen: Ersatzteile lange vorrätig

Übrigens: Ein funktionierender Service ist oft wesentlicher Bestandteil eines Unternehmens. Auch was die Kosten angeht. So orientiert sich die Bevorratung von Ersatzteilen auch immer an der kalkulierten Lebensdauer für ein Produkt. Wie die Stiftung Warentest bereits festgestellt hat:

"Ersatzteile (sind; Anm. d.R.) oft erfreulich lange zu bekommen. Wir prüften das für Waschmaschinen, Kaffeeautomaten, Staubsauger und Geschirrspüler, die wir vor etwa zehn Jahren getestet haben. Die meisten Anbieter konnten sämtliche Teile liefern, die nach unseren Recherchen oft kaputtgehen."

Stiftung Warentest

Pilotprojekt in Thüringen: Zuschuss für Reparatur

Einen Testlauf, um mehr Bürger dazu zu bringen, ihre kaputten Elektrogeräte zum Reparieren zu bringen, hat das Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz, zusammen mit der Verbraucherzentrale Thüringen gestartet. Seit Mitte Juni kann ein Zuschuss für die Reparatur von defekten Elektrogeräten beantragt werden. Die Hälfte der Rechnung wird beglichen, bis maximal 100 Euro. Damit sollen vor allem Kleingeräte davor bewahrt werden, als Elektroschrott auf dem Wertstoffhof zu landen, weil sich hier eine Reparatur – außerhalb der Garantieleistungen – für die Verbraucher meist nicht lohnt.

So funktioniert’s: Der unterschiebene Antrag wird mit der Rechnung und dem Zahlungsnachweis per Post an die Verbraucherzentrale Thüringen geschickt. Die Antragsformulare kann man online hochladen. Geht der Antrag durch, überweist die Verbraucherzentrale den Bonus in Höhe von 50 Prozent des Rechnungsbetrages direkt zurück. Das gilt für alle Reparaturen, die rückwirkend zum 15. April 2021 erfolgt sind. Einziger Haken: Für das bundesweit erste Pilotprojekt stehen bislang nur 150.000 Euro zur Verfügung. Knapp die Hälfte ist offenbar durch die große Zahl von Anträgen schon weg. Bis Ende 2022, wie ursprünglich geplant, dürften die Fördermittel wohl nicht ausreichen.

Umfrage zur Entsorgung von Elektroschrott in Regensburg

CIRECON ist eine Marke der Jetsam Service Management GmbH mit Sitz in Regensburg und kümmert sich um Elektrogeräte im Bereich des Umweltmanagements. Im Zuge der Umfrage soll eine Kampagne für mehr Sensibilisierung beim Umgang mit Elektrogeräten erstellt werden und mögliche Entsorgungswege von Elektroabfall vorgestelltwerden, damit diese Geräte zukünftig nicht mehr im Hausmüll landen. Der Link zur Umfrage: https://fmyl.de/CIRECONSurvey_16DE

Weiterführende und hintergründige Links:

Die Lebensdauer von Produkten ist planbar - Artikel aus der Fachzeitschrift Ökologisches Wirtschaften

Obsoleszenz-Studie des Umweltbundesamtes

Der Verein Murks? Nein Danke setzt sich für eine Kreislaufwirtschaft ein.

Podcast "Besser leben. Der BAYERN 1 Nachhaltigkeitspodcast"

Alle Episoden zum Nachhören oder auch den Podcast im Abo gibt's jederzeit und kostenlos im BR-Podcast Center, bei iTunes, Spotify und der ARD Audiothek.
Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Der BAYERN 1 Nachhaltigkeitspodcast".

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