Bayern 1 - Experten-Tipps


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Grillkohle Test Welche Grillkohle ist in Ordnung?

Fast 90 Prozent der Deutschen haben Spaß am Grillen. Doch statt heimischer landet oft Holzkohle aus Übersee auf den Grill. Wer mit gutem Gewissen grillen will, muss beim Kauf einiges beachten.

Stand: 09.07.2018

Illustration: Der Umweltkommissar und die Biene beim Grillen | Bild: BR

Der erste Eindruck

Gut, die Sommer in Deutschland sind vielleicht kürzer als anderswo, dafür grillen wir aber umso länger und ausgiebiger. Für 15 Prozent der Deutschen ist Grillen sogar ein Ganzjahres-Vergnügen – sie stehen selbst bei Frost am Rost. Fast 90 Prozent haben Spaß am Grillen.

Mittlerweile gibt es sogar Solargrills, allerdings sind die bei bedecktem Himmel nur bedingt einsatzbereit. Und auch wenn Gas- und Elektrogrills in den letzten Jahren verstärkt angeboten und genutzt werden, fast zwei Drittel der Bundesbürger nehmen immer noch Holzkohle zum Grillen.

Weit über 200.000 Tonnen Grillkohle und –briketts verglühen hierzulande jährlich, aber nur ein Bruchteil stammt tatsächlich aus Deutschland oder aus Europa. Vielmehr schütten wir Holzkohle aus Übersee bei uns in den Grill.

Gut, streng genommen setzt das Verbrennen von Kohle sowieso jede Menge Kohlendioxid frei und der Elektrogrill wäre eigentlich die umweltfreundlichere Variante, aber: Wie wir grillen ist für die Umwelt letztlich nicht so wichtig, vielmehr ist das Grillgut entscheidend, besagt eine Ökobilanz-Studie des TÜV Rheinland. Fast 95 Prozent der anfallenden klimarelevanten Emissionen werden durch die Steaks, die Würstel oder Spareribs verursacht! (Quelle: Umweltbundesamt). Damit auch das, was unter dem Fleisch glüht passt, schaue wir uns den Fall mal genauer an.

Woher kommt die Kohle für den Grill?

Holzkohle aus deutscher Produktion ist mittlerweile selten. Darüber können auch die deutschen Adressen auf den Säcken nicht hinwegtäuschen. Bei uns wird Holzkohle nämlich höchstens noch abgefüllt. Die Firma ProFagus ist mittlerweile einer der ganz wenigen, die noch industriell Holzkohle in Deutschland produziert. In Bodenfelde (bei Göttingen wird seit weit über hundert Jahren Buchenholz verkohlt. Das Verfahren ist umweltfreundlich und auch wenn der Preis deutlich über importierter Holzkohle liegt, schneidet die Firma in Grillkohle-Test regelmäßig am besten ab; auch weil diese Holzkohle länger die Hitze speichert und nachglüht.

"Gute Grillkohle besteht aus hartem Laubholz ohne weitere Zusätze, zum Beispiel Buchenholz. Die Buche hat ein sehr festes Holz und damit einen hohen Heizwert. Es brennt relativ lang, erzeugt dabei viel Wärme und lässt sich auch relativ gut zu Grillkohle verarbeiten. Durch die Trocknungsprozesse hat man ein gutes Verhältnis von Volumen zu Gewicht."

Michael Rudolph, Niedersächsische Landesforsten

Außerdem seit 2017 am Start: Das Start-Up „Nero“, mit dem Aaron Armah gemeinsam mit zwei Freunden, nachhaltige Grillkohle mit dem Siegel des Bio-Verbands Naturland auf den Markt bringt. Im Unterschied zu vielen anderen Anbietern, bezieht Nero das Holz nämlich nicht aus dem Ausland: „Unser Holz kommt aus dem Stadtwald Saarbrücken. Die liefern uns hochwertiges Buchen- und Eichenholz“, erklärt Amah, „aber ein Holz, das die Möbelindustrie nicht brauchen kann, weil es irgendwelche kleinen Fehlstellen hat oder vom Wachstum her ungeeignet ist.“ Das Holz aus Saarbrücken ist Naturland-zertifiziert und das bedeutet u.a., dass keine Pestizide verwendet werden dürfen und Kahlschlag verboten ist. Aaron Armah: „Da war uns auch wichtig, dass die sehr umweltfreundlich produziert wird. Und da sind wir in Frankreich fündig geworden. Saarländische Grenze – war Frankreich nicht so weit, was auch die Lieferwege betrifft. Dort haben wir einen Produzenten gefunden, der mit das modernste Werk in Europa hat: Die produzieren aus den überschüssigen Energien Ökostrom.“ Mit Nero-Grillkohle kann man also, zumindest aus Umweltsicht, nicht viel falsch machen.

Die Grillholzkohle in Deutschland kommt meistens aus Polen oder von noch weiter her, aus Südamerika oder Afrika. Polen liefert beispielsweise knapp ein Drittel unserer Grillkohle, es folgen Paraguay (32.000t) und mittlerweile Ukraine (23.000t),  Insgesamt wurden 2017, laut Statischem Bundesamt, etwa 215.000 Tonnen Grillkohle nach Deutschland eingeführt. Immerhin sechs Prozent mehr als noch 2016. Die Deutschen grillen mehr und öfter als noch vor zehn Jahren. Noch 2008 lag die Gesamtmenge importierter Holzkohle bei 158 000 Tonnen.

Tropenholz in Grillkohle gefunden

Kommt die Grillkohle aus Übersee, ist sie oft ein Nebenprodukt, das bei Rodung großer Waldflächen für Viehweiden oder den Soja-Anbau entsteht. Bei Grillkohle ist es für den Verbraucher unmöglich auch nur ansatzweise zu erkennen, ob es sich bei dem schwarzen Stückchen um Tropenholz handelt oder gar welche Baumart hierfür gefällt worden ist. 

Nigeria zählt beispielsweise weltweit zu den größten Exporteuren von Holzkohle. Einer der Hauptabnehmer ist Deutschland. Viele Menschen leben von der Produktion der Holzkohle aus Tropenwald, entlang des Niger-Deltas im Süden Nigerias. Hier leben auch die letzten Schimpansen Nigerias. Oder im Kongo: Auch dort wirft der Handel von Holzkohle gutes Geld für die dortigen Rebellen ab. Dafür wird der Regenwald abgeholzt.

Laut Umweltorganisation WWF, die 2017 eine Marktanalyse vorgenommen haben, ist die Ökobilanz in Sachen Holzkohle alarmierend. „Insgesamt wiesen 80 Prozent der getesteten Produkte Auffälligkeiten wie falsch deklarierte Holzarten auf“, sagt WWF. In 40 Prozent der Grillkohlen wurden sogar tropische Hölzer gefunden! Hier sind Verbraucher gezielt getäuscht worden, sagt Johannes Zahnen, Forstexperte beim WWF, hinsichtlich einer Grillkohle mit dem aufgedruckten Hinweis: „kein Tropenholz“: „Das Absurde war dann, dass das Labor wirklich ausschließlich Tropenholz in genau diesem Sack gefunden hat. Das ist schon ein starkes Stück, wie die Kunden hier massiv und auf bösartige Weise hinters Licht geführt werden. Der WWF bemängelt übrigens nicht nur Kohle vom Discounter, sondern auch die Produkte namhafter Hersteller, die entsprechend hochpreisiger sind.

Holzkohle-Siegel zur Orientierung

Leider fehlen – gerade bei billiger Grillkohle – oft Hinweise auf die genaue Herkunft des Holzes. Ein DIN-Prüfzeichen (DIN EN 1860-2) garantiert zumindest mal, dass in der Holzkohle kein Pech, Erdöl, Koks oder auch Kunststoffe enthalten sind.

Darüber gibt es das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) auf Holz, welches uns anzeigen soll, dass für die Produktion der Holzkohle kein Tropenwald abgeholzt worden ist, sowie dass das verwendete Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Das heißt: Der Wald muss so bewirtschaftet werden, dass Tiere und Pflanzen, Wasserressourcen, Böden und empfindliche Ökosysteme unversehrt bleiben. Mittlerweile gibt es mehr zertifizierte Holzkohle/-Briketts mit dem FSC-Siegel und entsprechende Produkte finden Sie in vielen Baumärkten, Supermärkten oder auch Tankstellen. Wie sich in der Vergangenheit bei verschiedenen Stichproben gezeigt hat, gibt das Siegel allerdings leider keine völlige Garantie, dass sich keine Holzkohle aus Tropenholz im Sacke befindet (ÖKO-Test 2009). Aber immerhin besser als gar nicht zertifiziert.  Meint auch der World Wildlife Fund (WWF), Forstexperte Johannes Zahnen: „Ein FSC-Zertifikat, damit hat man einfach, was die Waldbewirtschaftung angeht, eine gute Wahl getroffen.“

Gretchenfrage: Grill-Kohle oder Grill-Briketts

Für traditionelle Grillkohle wird das Holz getrocknet, bis der Restwassergehalt weit unter 20 Prozent liegt. Dieses Holz wird dann in speziellen Öfen bis auf 550 Grad Celsius erhitzt, der Sauerstoff wird dabei komplett entzogen. Bei diesem Verfahren ist die Verkohlungstemperatur etwa 200 Grad höher als bei anderen  Meiler- und Köhlerverfahren. Säuren und Teere können dabei  direkt verbrannt oder weiter aufbereitet werden. Aus 10 Tonnen Buchenholz entstehen fast 3 ½  Tonnen Grill-Holzkohle und knapp 6 Tonnen Nebenprodukte (Säuren, Teere).

Holzkohlebriketts werden aus Holzkohlenstaub gepresst und (meist mit Stärke) gebunden. Neben den Holzkohlebriketts werden mittlerweile auch verstärkt Braunkohlebriketts angeboten. Meist als „Grill-Briketts“. Das merken die Griller meistens erst dann, wenn statt der weißen Asche plötzlich braune Asche im Grill liegt.  Briketts lassen sich nicht so leicht entzünden (vor allem wenn sie schon mal aus waren), dafür glühen sie länger nach.

Grüne Alternativen zur Kohle

Eine echte Alternative zur herkömmlichen Grillkohle sind fair gehandelt Briketts aus Kokos. Diese werden aus dem Abfall der Schalen und Stärke gewonnen. Unter Profigrillern gelten die Kokos-Briketts als leicht entzündbar, sie glühen und durch und sind in der Dauer beständig. Im Preis liegen sie natürlich weit über den herkömmlichen  Kohlebriketts.

Ebenfalls möglich und mittlerweile sogar von der EU patentiert: Grillbriketts aus Olivenkernen. Auch diese werden aus Abfällen der griechischen Ölproduktion hergestellt und in Deutschland vertrieben.

Fazit

Wer in Deutschland Holzkohle für den Grill kauft und sicher sein will, kein verkohltes Tropenholz im Sack zu haben, muss schon genau auf die Verpackung schauen. Dadurch dass Holzkohle aus Übersee hier abgefüllt wird, steht oft eine deutsche Adresse drauf.

Ein FSC-Siegel auf der Verpackung ist gut. Ein DIN-Prüfzeichen, welches belegt, dass keine schädlichen Stoffe drin sind, auch. Nicht jeder ist bereit doppelt so viel für deutsche Holzkohle aus Buchenholz zu berappen, wenn er es günstiger als Billigangebot, wenn auch mit zweifelhafter Herkunft, haben kann. Allerdings rechnet sich der höhere Preis in anderer Hinsicht. Qualitativ hochwertige Grillkohle glüht wesentlich länger nach, d.h. es muss nicht so viel nachgeschüttet werden, wenn der Grillabend mal wieder länger wird. Und ein gutes Umweltgefühl haben Sie damit auch beim Bruzzeln.


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