Bayern 1


6

Heimlich-Handgriff Erste Hilfe bei Verschlucken

Ihr Kind isst Trauben. Plötzlich schnappt es nach Luft, kann nicht mehr sprechen und wird blau im Gesicht. Was tun? Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Heimlich-Griff richtig durchführen und was Sie gegen Ersticken tun können.

Stand: 09.10.2018

Junge isst Trauben | Bild: mauritius-images

Laut statistischem Bundesamt gehört Ersticken zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Kindern unter 15 Jahren. 2015 starben in Deutschland 29 Kinder, weil sie erstickt sind.

Wenn Lebensmittel oder andere Dinge in die Atemwege geraten spricht man von einer Aspiration. Besonders gefährlich für Kinder sind kleine Weintrauben, Erdnüsse, Bonbons oder Cherrytomaten. Da die Atemwege bei Kindern kleiner und enger sind als bei Erwachsenen ist die Wahrscheinlichkeiter eines Aspiration größer. Zusätzlich ist bei kleinen Kindern unter fünf Jahren der Schluckmechanismus noch nicht vollständig entwickelt ist, kann es sein, dass kleine runde Nahrungsmittel in die Luftröhre rutschen und dort stecken bleiben.

"Die glatte, weiche Oberfläche einer Weintraube zum Beispiel kann die Luftröhre gut abdichten", erklärt Dr. med. Ludwig Schmid, Kindernotarzt aus München. Dadurch sind die Atemwege vollständig blockiert und das Kind bekommt überhaupt keine Luft mehr. Doch was sollten Sie tun, wenn Ihr Kind nach Luft ringt, nicht atmen und nicht sprechen kann, aber bei Bewusstsein ist?

Was tun bei Ersticken?

Wenn ein Gegenstand oder ein Lebensmittel die Atemwege blockiert, dann sollten Sie möglichst schnell reagieren, denn dann zählt jede Sekunde.

Viele Eltern haben den Impuls den betroffenen Kind einen Finger in den Hals zu stecken, in der Hoffnung, dass das Kind erbricht. Leider hilft diese Maßnahme überhaupt nicht, da in diesem Fall ja die Luftröhre verstopft ist, nicht die Speiseröhre.

"Animieren Sie Ihr Kind zum effektiven Husten, denn Husten ist das beste Mittel gegen eine Aspiration."

Dr. med. Ludwig Schmid, Kindernotarzt aus München

Sollte Ihr Kind nur würgen und nicht mehr Husten können, dann versuchen Sie es mit fünf kräftigen Schlägen auf den Rücken, wie das bayerische Rote Kreuz im Kreisverband München empfiehlt:

Beugen Sie die betroffene Person leicht nach vorne und zielen Sie mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter. Kleine Kinder legen Sie am besten auf Ihren Schoß mit dem Kopf nach unten. Die Schläge sollten eher von unten nach oben ausgeführt werden, damit sich die Verstopfung im Hals lösen kann. Sollte sich der Zustand nach fünf Schlägen nicht verbessern, dann versuchen Sie es mit dem Heimlich Griff.

Heimlich Griff

Das Heimlich-Manöver oder Oberbauchkompression wird umgangssprachlich auch Heimlich-Handgriff genannt. Der Heimlich Griff kann sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kinder durchgeführt werden.

  1. Stellen Sie sich hinter die betroffenen Person.
  2. Beugen Sie den Oberkörper der Person nach vorne.
  3. Umfassen Sie den Betroffenen mit beiden Armen von hinten. Legen Sie dabei die Faust einer Hand in den oberen Bauchbereich unterhalb des Brustbeins und umfassen Sie sie mit der anderen Hand.
  4. Drücken Sie bis zu fünfmal zu. Die Bewegung sollte ruckartig und kräftig nach innen und oben erfolgen.

Wenn die betroffene Person trotz Schlag auf den Rücken und Heimlich-Griff immer noch keine Luft bekommt, verliert sie jetzt häufig das Bewusst sein und ist nicht mehr ansprechbar. In diesem Fall sollten sie umgehend einen Notruf absetzen und die Schritte wiederholen, während Sie auf den Notarzt warten.

In vielen Fällen ist der Heimlich Griff erfolgreich. Doch auch wenn der Gegenstand entfernt wurde, sollte Sie später zusammen mit dem Kind zum Arzt gehen. Dieser sollte überprüfen, ob noch Lebensmittelreste in der Lunge sind oder ob durch das Heimlich-Manöver Verletzungen im Bauchraum entstanden sind.

Obwohl immer die Gefahr besteht sich zu verschlucken, müssen Ihre Kinder nicht auf Weintrauben oder Wienerle verzichten. Einfach kleinschneiden. Dann können auch kleine Kinder Trauben problemlos essen.

Erfahren Sie mehr über Erste Hilfe Grundlagen, von Herzdruckmassage, stabile Seitenlage und Druckverband. Und übrigens: So retten Sie Schlaganfallpatienten.


6