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Interview mit Edin Hasanovic und Dennis Schanz So viel HipHop steckt in "Skylines"

Nura, Azad und Olexesh tauchen in "Skylines" auf und Produzent Bazzazian hat die Beats beigesteuert – wie die Serie entstanden ist, erzählen Serienschöpfer Dennis Schanz und Hauptdarsteller Edin Hasanovic im Interview.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 25.09.2019 | Archiv

Nura nimmt einen Song auf in einer Szene aus der Netflix-Serie "Skylines". | Bild: Netflix//Nik Konietzny

Die neue deutsche Netflix-Serie "Skylines" klingt erstmal, als hätte sie ein Algorithmus auf die Zielgruppe "Rap Fans" zugeschnitten: Ein junger Produzent unterschreibt bei einem erfolgreichen Rap-Label in Frankfurt und rutscht mitten rein in die kriminellen Machenschaften vom drogendealenden Bruder des Labelchefs, während sein eigener Vater, ein Immobilienbanker, ins Visier der Polizei gerät. Rap, Drogen und Finanzwelt? Das kann ja nur danebengehen. Denkste! "Skylines" ist in vielen Momenten sehr viel besser als die meisten Serien, die sich an der verheißungsvollen HipHop-Welt bedienen. PULS Serienpodcasterin Vanessa Schneider hat mit Serienschöpfer Dennis Schanz und Hauptdarsteller Edin Hasanovic gesprochen.

PULS: Gerade die Tonstudio-Szenen, die wir so sehen, wie Jinn und die Rapper arbeiten, wirken auf mich sehr glaubwürdig. Wie sah deine Recherche aus?

Dennis Schanz: Als klar war, dass wir in Frankfurt drehen werden, habe ich die ersten Kontakte zu Leuten aus der Frankfurter Rapszene gesucht. Der erste war ein Manager, "Syn" Lukaschyk, der die ganzen Rapper um Haftbefehl herum managt und auch ein eigenes Label hat, 385Idéa. Das ist das Label von Nimo und Olexesh. Die zweite wichtige Connection war zu dem Producer Bazzazian, der auch Producer für die ganzen Haftbefehl Sachen ist, für mich einer der besten deutschen HipHop-Producer. Mir war da schon klar, dass ich jemanden brauche, der sozusagen die musikalische Stimme für den Protagonisten Jinn ist. Und mir war gleich wichtig, dass es gute Leute sind und Leute mit denen ich einen langen Weg gehen kann, die Tore öffnen, die mir auch mit ihrem Netzwerk bereitstehen.

In den beiden Fällen hat das super geklappt. Ich bin dann halt auch öfter in Frankfurt gewesen, hab den Leuten von 385Idéal und Azzlacks über die Schulter geschaut. Hab halt geguckt, wie ist die Atmosphäre im Studio, wenn die Jungs aufnehmen, wenn sie nicht aufnehmen, wenn sie einfach nur rumhängen, wenn andere Dinge gemacht werden und war halt einfach mit den Leuten unterwegs, um so ein Gefühl dafür zu bekommen. Eigentlich das Gefühl aufzufrischen, was ich aus meiner Jugend in ähnlicher Form schon kannte, aber diesmal natürlich auf einem anderen Level und eben in Frankfurt.

Wie hast du das Vertrauen dieser Leute gewonnen, waren die nicht erstmal sehr skeptisch?

Azzi Memo im Tonstudio in einer Szene aus der Netflix-Serie "Skylines"

Dennis Schanz: Wenn man ausstrahlt, dass man es ernst meint, wenn man ausstrahlt, dass man ein Gefühl dafür hat, für eine gewisse Szene – dann fallen die Zweifel weg. Da war ganz wichtig, Leute wie eben Syn oder Bazzazian schon überzeugt zu haben. Weil wenn man die ersten respektierten Personen in einer Szene, in einer Subkultur, überzeugt bekommt, dann sagen gleich alle anderen: "Wie, ihr habt Bazzazian an Bord? Ah, alles klar, Ich bin dabei!" So ging es eigentlich die ganze Zeit. Ich bin auch im Nachhinein noch komplett überzeugt davon, dass es gut ist, immer oben anzufangen, also da gleich zu den Leuten zu gehen, mit denen man unbedingt arbeiten will, weil danach fallen die Dominosteine. Danach öffnen sich die Türen.

Das erklärt auch, wieso es so wahnsinnig viele krasse Gastauftritte gibt: Zu sehen sind Miss Platnum, Nura, Abdi und Celo, Azad, Azzi Memo, Nimo, Olexesh und MC Bogy… Ich habe mich schon gefragt, wie ihr das gemacht habt - aber dann haben die sich ja quasi von selbst eingeladen?

Dennis Schanz: Ja ne, ganz so war das nicht. Beispielsweise haben wir uns schon mit Azad in seinem Lieblingseinkaufszentrum in der Nordweststadt getroffen und ihm dann erzählt, was wir vorhaben. Und dann geht es natürlich ganz oft auch aus der HipHop-Perspektive darum: "Ja, was wisst ihr denn und wie ernst meint ihr das und was wollt ihr denn wirklich erzählen?"

Ihr habt einen Cast gefunden, der zum Teil sehr musikalisch ist. Einige Darsteller*innen können singen, so wie Carol Schuler ("Zilan"). Murathan Muslu ("Kalifa") hat früher selbst mal gerappt...

Dennis Schanz: Genau, bei dem musste ich so ein bisschen die lang zurückliegenden Talente wieder hervorkitzeln. Und der hat natürlich auch ein bisschen damit gestrugglet, weil er einen großen Anspruch an sich selbst hat und weil er auch merkt, dass sich das Rap-Game und die Skills, die man braucht, verändert haben. Und das war für ihn, glaube ich, nicht so einfach, dass er plötzlich Musik machen musste mit Leuten, die heute um einiges erfolgreicher sind, als er es damals noch war. Trotzdem habe ich immer auch versucht ihn zu pushen, aber er spielt ja auch bei uns einen Oldschooler, der schon seit 20 Jahren dabei ist. Und deswegen war das vollkommen in Ordnung, wenn seine Rap-Skills jetzt nicht die allergeschliffensten sind. Es geht, glaube ich, mehr um Aura, ums Auftreten und die Performance. Alle Raps wurden auch von aktiven Rappern geschrieben. Azzi Memo hat beispielsweise die ganzen "Kalifa"-Texte geschrieben. Das heißt, fast alles, was Kalifa rappt, ist weder aus meiner Feder, noch aus Murathan Muslus Feder, das hat alles Azzi Memo geschrieben – mit Anleitung, wo es story-technisch hingehen soll. Wir haben auch da immer versucht Synergien zu schaffen, damit das Ganze einfach so authentisch wie möglich ist.

Jinn (Edin Hasanovic) feiert seinen Vertrag mit Labelchef Kalifa (Murathan Muslu) bei Skyline Records.

Für Edin Hasanovic ist die Rolle in "Skylines" die erste tragende Hauptrolle in einer internationalen Serie. Edin ist zwar kein expliziter Rap-Fan, sein Taktgefühl hat er aber als Tänzer immer wieder bewiesen. Wie er sich auf die Rolle als Producer und DJ Jinn vorbereitet hat, hat er uns im Interview erzählt.



PULS: Die Serie startet ja in so einer Battle Rap Veranstaltung, ähnlich wie "Rap am Mittwoch". Hast du selbst mal solche Events besucht?

Edin Hasanovic: Ja, ich war genau da. Ich war bei "Rap am Mittwoch" und hab mir ganz viele Videos bei Youtube angeguckt. Ich war persönlich auch total fasziniert davon, wenn es etwas gibt, was ich nicht kann. Da gibt es natürlich vieles, aber unter anderem auch, dass ich nicht schnell spontan reimen kann. Das hat mir den größten Respekt abgezollt. Wie schnell die sind, wie melodisch und rhythmisch sie trotzdem zu einem Thema rappen können. Das fand ich schon total krass. Ich muss ja diese "Machine" beherrschen können, da habe ich einen Coach an die Seite gestellt bekommen, um den technischen Aspekt dahinter zu verstehen. Das war irgendwie krass. Ich habe tagelang nur Rap gehört, um einmal richtig einzutauchen – und mir natürlich Dokus angeguckt und so.

Ich hab ich mich schon gefragt, ob du ein Praktikum in einem Studio absolviert hast, weil das schon echt super authentisch wirkt...

Edin Hasanovic: Ich war bei Nura, die ja auch mitspielt, im Studio, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Musik entsteht. Und ich war total fasziniert, dass es eine total entspannte und dadurch kreative Stimmung ist, die ich am liebsten mitnehmen würde für meinen Job. Da habe ich gemerkt: Es wird gearbeitet, aber man hat nicht das Gefühl, dass gearbeitet wird. Dadurch entsteht tolle kreative Arbeit. Das fand ich total bezeichnend.

Serienschöpfer Dennis Schanz hat mir erzählt, dass du ein Finger-Double hattest...

Edin Hasanovic: Ja genau, das war DJ Rafik, einer der größten in diesem Bereich. Wir hatten wirklich den besten Mentor für mich. Ich habe ihn auch immer wieder in den Pausen am Set an dieses Gerät (Anm. d. Redaktion: die Drum Machine) setzen lassen und einfach mal beobachtet. Gar nicht, wie das technisch geht, sondern was er dabei macht: Wie er guckt, ob er mit dem Kopf mitgeht, ob er mal kurz wegguckt oder nicht. Da hab ich mir ganz viel abgeschaut.

Du hast gerade schon angedeutet, dass die Rapper irgendwie anders arbeiten und entspannter sind. Es waren ja super viele Rapper an "Skylines" beteiligt – arbeiten die sonst auch irgendwie anders oder wie war der Umgangston am Set?

Edin Hasanovic: Tatsächlich habe ich gemerkt, dass mein Kopf irgendwie ganz anders eingeschaltet war, wenn ich mit den Rappern gedreht habe, als bei meinen Schauspielkollegen. Ich musste total bereit sein, auf Sachen zu reagieren, die nicht abgesprochen sind – weil sie einfach organisch improvisieren und raushauen, was ihnen so einfällt. Für uns Schauspieler war das natürlich ein Geschenk, weil wir mussten ja so tun, als wären wir die – und dann haben wir die noch am Set und können uns da ganz viel abgucken. Ich war fasziniert davon, wie schnell sie das ganze Team und die ganzen Kameras weg- und ausblenden und einfach total organisch und authentisch sein konnten. Ich finde, das sieht man ihnen beim Spielen auch in der Serie an. Ich habe größten Respekt vor denen, für die ist das ja eine komplett fremde Welt. Die Rapper haben es total ernst genommen, das war irgendwie total faszinierend für mich.

"Skylines” könnt ihr ab dem 27.09. komplett bei Netflix streamen.

Sendung: Plattenbau vom 26.09.2019 – ab 19.00 Uhr.