U-Boot-Thriller-Serie "Vigil" bei Arte Tiefgang unter Hochspannung

Internationale Spionage, Friedensaktivisten und ein Mord an Bord eines Atom-U-Bootes: Die hochspannende Thriller-Serie "Vigil – Tod auf hoher See" mit "Game of Thrones"-Star Rose Leslie ist die erfolgreichste BBC-Serie des vergangenen Jahres. Jetzt bei Arte zu sehen, ob es sich lohnt, lesen Sie hier.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 06.01.2022 13:21 Uhr | Archiv

An Bord der HMS Vigil verhört DCI Amy Silva ein Besatzungsmitglied in einer Szene aus der BBC-Thriller-Serie "Vigil". | Bild: World Productions

Schon die ersten fünf Minuten von "Vigil - Tod auf hoher See" sind nervenaufreibend: Wie von Geisterhand wird ein Fischtrawler vor der Küste Schottlands in die Tiefe gezogen – es hat sich offenbar mit dem Schleppnetz verfangen. Was die Fischer nicht wissen – aber auch sonst niemand: Unter der Meeresoberfläche versteckt zieht eine Meile weiter ein britisches Atom-U-Boot seine Runden. Dort streitet die Besatzung, ob sie auftauchen und helfen, oder den Vorfall und ihre Position geheimhalten soll. Das U-Boot bleibt unten, das Schicksal der Fischer ist besiegelt, der Trawler versinkt und kurze Zeit später ist auch an Bord des U-Boots einer der Matrosen tot.

Weil er in britischen Gewässern gestorben ist, untersucht nun – der Form halber – Detective Chief Inspector Amy Silva (Suranne Jones aus "Doctor Foster") für die schottische Polizei den Todesfall. Mit einem Hubschrauber fliegt Silva für ihren dreitägigen Routine Einsatz zur HMS Vigil, während ihre Partnerin Kirsten Longacre an Land ermittelt. Amy Silva geht nicht ganz unbelastet an Bord des U-Bootes. Wie in vielen aktuellen Krimis üblich, so muss auch diese Ermittlerin ein dramatisches Trauma verarbeiten. Silva hat Panikattacken im engen Raum und unter Wasser und ist ebenso verschlossen, wie die Crew des U-Bootes, die auf ihre Ermittlungen erwartbar feindselig reagiert. Das ist aber auch das einzig vorhersehbare in dieser ansonsten hochspannenden und sehr komplexen Thriller-Serie.

Spannungsgeladen - bis auf das Beziehungsdrama

Die bedrückende, klaustrophobische Stimmung an Bord kontrastiert mit der hemdsärmeligen Verbrecherjagd der gewitzten und lockeren Kirsten Longacre an Land – und das funktioniert besonders gut, solange nicht das Privatleben der beiden Ermittlerinnen thematisiert wird: Longacre und Silva waren bis vor kurzem auch privat verpartnert.

Detective Kirsten Longacre (Rose Leslie) ermittelt im Camp der Friedensaktivisten und verhört die Freundin des toten Matrosen.

Mit Amy Silva eine sonst sehr seltene bisexuelle Protagonistin zu zeigen, ist lobenswert. Doch leider tut sich die Serie schwer, das private Beziehungsdrama auf demselben Niveau zu erzählen wie den Politthriller – und es ansprechend in die Handlung einzuweben. Wie Fremdkörper wirken die honigfarbenen Flashbacks zu schönen, wie traumatischen Erinnerungen von DCI Amy Silva. Sie sollen die Beziehung zu der jüngeren, aufstrebenden Polizistin Kirsten Longacre greifbarer machen.

Flashbacks lähmen die Story

Statt Charaktere und Plot voran zu treiben, lenken diese Flashbacks von der komplizierten Handlung ab: Der Fall ist nach den drei geplanten Einsatztagen längst nicht abgeschlossen – Silva vermutet Mord an Bord des U-Bootes und an Land verdichtet sich der Verdacht bald bis in Regierungskreise. Doch die beiden Ermittlerinnen kratzen nur an der Oberfläche eines größeren politischen Skandals und mit jeder Folge wird ihr Fall undurchsichtiger: Internationale, hochbrisante Spionage, Friedensaktivisten, Nato-Verwicklungen, und einige Lügen – "Vigil" ist so komplex, dass volle Konzentration geboten ist: Von Beginn an zählt jedes Detail.

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Vigil | Trailer - BBC | Bild: BBC (via YouTube)

Vigil | Trailer - BBC

Wikipedia-Einträge über Atom-U-Boote sollte man tunlichst später lesen, oder die Serie dafür kurz pausieren. Dabei ist es sehr ratsam ein paar Fakten parat zu haben: Die HMS Vigil ist eines der britischen "Trident" U-Boote, atombetrieben und mit Atomraketen ausgerüstet. Neben Großbritannien haben noch fünf weitere Länder Atom-U-Boote, die die Küsten und Weltmeere patrouillieren: USA, Russland, China, Frankreich und Indien.

Umstritten ist das gerade in Großbritannien seit einigen Jahren – denn das U-Boot-Programm zur Abwehr eventueller Angriffe kostet jährlich 40 Milliarden Pfund und die alten Schiffe müssen bis 2030 dringend ersetzt werden. Eine kostspielige Angelegenheit, die viele Wähler und Wählerinnen seit dem Ende des Kalten Kriegs als überflüssig empfinden. Dieses Hintergrundwissen hilft, die Konstellation der vielen internationalen Akteuere und den überraschenden Ausgang der Serie besser zu verstehen.

Trotz der komplizierten Handlung fesselt "Vigil" zumindest an Bord des U-Bootes bis zur letzten Minute und überzeugt mit einer haarsträubenden und beklemmenden Thrillerhandlung viele Meter unter dem Meeresspiegel. Sehenswert für Fans der britischen Hit-Serien "Bodyguard" und "Broadchurch", dessen Regisseur James Strong auch hier wieder am Werk ist.

"Vigil – Tod auf hoher See" mit Connor Swindells (Adam aus "Sex Education") in einer Rolle als Marine Leutnant und Rose Leslie (Ygritte aus "Game of Thrones") als Polizistin Kirsten Longacre ist bis zum 18.02.2022 in der Arte Mediathek abrufbar.

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