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Qumran-Rollen werden mit Hilfe von DNA entschlüsselt | BR24

© picture alliance/Photo12

Die Qumran-Rollen wurden zwischen 1947 und 1956 in elf Felshöhlen am Toten Meer gefunden. Forscher kommen ihrem Rätsel mit DNA-Analysen näher.

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    Qumran-Rollen werden mit Hilfe von DNA entschlüsselt

    Seit über 70 Jahren versuchen Forscher winzig kleine Fragmente der berühmten Qumran-Rollen vom Toten Meer zusammenzusetzen. Mittels Erbgutanalyse der Tierhäute kommen sie dem ein Stück näher.

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    1947 fand ein Hirte in einer Höhle am Toten Meer erste Fragmente der Schriftrollen. In den folgenden Jahren wurden es immer mehr - in elf Höhlen. Insgesamt sprechen Experten von 25.000 einzelnen, teils nur daumennagelgroßen Fragmenten, die auf etwa 850 Schriftrollen aus dem antiken Judentum zurückzuführen sind. Sie wurden nach der nahegelegenen Ruinenstätte Qumran im Westjordanland benannt, die von 800 vor Christus bis 68 nach Christus zeitweise besiedelt war.

    Wichtigste Entdeckung des 20. Jahrhunderts

    Die Entdeckung der berühmten Schriftrollen gilt als eine der wichtigsten im 20. Jahrhundert, sie sind die ältesten handschriftlichen Bibel-Texte. Das Problem ist, sie alle passend zusammenzusetzen. Bisher passierte das in mühseliger Handarbeit, die hauptsächlich nach Äußerlichkeiten vorging. Viele Texte wurden auf Tierhäuten geschrieben. Archäologen haben sie wie ein Puzzle nach optischen Gemeinsamkeiten versucht zusammenzusetzen.

    Neue DNA-Analyse

    Eine neue Erbgutanalyse der Tierhäute könnte die Forschung extrem voranbringen, wie die Wissenschaftler um den israelischen Professor Oded Rechawi im Fachblatt “Cell” schreiben. Dabei haben sie die DNA der Tierhäute miteinander verglichen. Ihre Annahme: Wenn mehrere Tierhäute vom gleichen Tier stammen, müssten die biblischen Texte auf ihnen auch zusammengehören. Das hilft ihnen, die Fragmente in Zusammenhang und Reihenfolge zu bringen.

    Das Puzzle zusammenbringen

    In einem Fall wurde zwei Schriftstücke, bei denen man bisher davon ausging, dass sie zusammengehörten, einer Haut von einem Schaf und einer Kuh zugeordnet. Noam Mizrahi von der Universität Tel Aviv schlussfolgert, dass die aus der Kuhhaut gefertigten Fragmente an einem anderen Ort entstanden sein müssen, da Kuhzucht in der Nähe des Fundorts der Schriftstücke nicht möglich war.

    Fragmente von gleichen Schafen

    Des Weiteren entdeckten die Forscher, dass die meisten Schriftstücke auf Schafshaut geschrieben wurden - das war bisher nicht bekannt. Stammen einzelne der 2.000 Jahre alten Fragmente vom gleichen Schaf, gehören sie wahrscheinlich zusammen. Ebenfalls gehen die Forscher davon aus, dass Rollen aus eng miteinander verwandten Schafen auch zusammengehören.

    Weitere Erbgutanalysen in Zukunft

    Die DNA-Analyse bringt die Forschung einen guten Schritt voran, um die Puzzlearbeit in Teilen zu beschleunigen. Noch sind aber nicht alle Rollen untersucht worden. Emanuel Tov, emeritierter Professor für Bibelwissenschaften an der Hebräischen Universität in Jerusalem, weist darauf hin, dass die DNA-Untersuchung zwar keine Nachteile bringe, “aber diese Studie noch auf viele weitere Proben und letztlich auf eine große Datenbank ausgeweitet werden muss.”