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Antisemitische Attacke: "Kippa des Anstoßes" kommt ins Museum | BR24

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"Kippa des Anstoßes"

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    Antisemitische Attacke: "Kippa des Anstoßes" kommt ins Museum

    "Rapid Response": Das Jüdische Museum Berlin will künftig schneller auf die Zeitgeschichte reagieren. In einer Vitrine im Foyer wird die Kopfbedeckung ausgestellt, die einem Juden zum Verhängnis wurde. Er war am 17. April überfallen worden.

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    Sie will mehr "Gegenwart wagen" im Jüdischen Museum Berlin: Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch setzte ihre Pläne jetzt konkret um. Zeitnah wird ein Objekt ausgestellt, das gerade erst "Zeitgeschichte" geschrieben hat. Am 25. April war ein junger Israeli in Berlin von einem arabischen Flüchtling attackiert worden, weil er an seiner Kippa erkennbar war. In einer Vitrine im Foyer wird die Kopfbedeckung jetzt gezeigt. Zur Begründung sagte die Kuratorin:

    Museen sind diskursive Räume. Wir müssen künftig schneller auf aktuelle Ereignisse, die die Gesellschaft bewegen, reagieren können. Mit der Methode des Rapid Response wollen wir unsere Besucher einladen, in den Dialog zu treten. - Léontine Meijer-van Mensch

    "Viel stärker Richtung Gegenwart"

    Auch Gegenstände, die in der nachfolgenden Solidaritäts-Demonstration "Berlin trägt Kippa" am 25. April eine Rolle spielten, sollen umgehend ausgestellt werden. Bereits bei ihrem Amtsantritt im März 2017 hatte die Ausstellungsmacherin angekündigt, entschieden die Gegenwart ins Visier zu nehmen – für ein Museum durchaus ein ungewöhnlicher Vorsatz.

    Das ist eine Lücke, die das Museum natürlich jetzt schon versucht zu schließen. Aber ich denke frei nach Jürgen Habermas, dass wir eine Art avantgardistischen Spürsinn für Relevanz entwickeln müssen. Demografisch hat sich die jüdische Gemeinschaft in den vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt, sie ist sehr heterogen, und ein Museum kann und sollte das thematisieren. Darauf freue ich mich sehr. Wenn Sie nach meinen programmatischen Schwerpunkten fragen, würde ich viel stärker in Richtung Gegenwart gehen wollen, als es bisher schon der Fall ist.. - Léontine Meijer-van Mensch in der "Jüdischen Allgemeinen" 

    Smartphone dokumentierte Zwischenfall

    Außerdem können Besucher am Ausgang des Museums ihre Antworten zum Thema Intoleranz in Notizbüchern hinterlassen. Das Museum will die Reaktionen in Sozialen Netzwerken begleiten. Der auf einem Smartphone-Video dokumentierte antisemitische Vorfall im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg hatte Mitte April bundesweit Entsetzen ausgelöst. Auf der 45 Sekunden langen Filmsequenz war zu sehen, wie der arabischstämmige Täter immer wieder mit einen Gürtel auf das Opfer einschlägt und dabei unter anderem „Yahudi!“ (arabisch für Jude) ruft. Gegen den 19-jährigen mutmaßlichen Angreifer Knaan S. hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung vor dem Jugendschöffengericht Tiergarten erhoben. Die Ironie daran: Der Israeli Adam A. ist überhaupt kein Jude. Er hatte sich die Kippa lediglich aufgesetzt, um zu prüfen, „wie sicher“ Passanten damit in Berlin unterwegs sein können.