Franken - Buchtipps


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Roland Spranger Tiefenscharf

Der Hofer Autor Roland Spranger hat sich in der Krimi-Szene längst einen Namen gemacht. Sein neuester Roman "Tiefenscharf" überzeugt Kritiker und Publikum deutschlandweit. Er hat es auf die Bestenliste von Deutschlandfunk und FAZ geschafft.

Von: Annerose Zuber

Stand: 15.05.2018 | Archiv

"Tiefenscharf" von Roland Spranger | Bild: BR-Studio Franken/Vera Held

Wenn man nach 286 Seiten schier atemlosen Lesens den Thriller "Tiefenscharf" am Ende zuklappt, muss man erst mal tief Luftholen: Wie viele Tote waren es? Das weiß Autor Roland Spranger auch nicht so genau.

"Da müsste ich erst mal nachzählen. Aber es ist tatsächlich so, dass ich da ziemlich gnadenlos war bei dem Buch. Bei der letzten Überarbeitung weiß ich, dass es dann drei Tote mehr gab. Ein bisschen unbarmherzig wollte ich bei diesem Thema durchaus sein."

Roland Spranger, Autor

Unbarmherzig. Und zwar nicht nur bei den zehn Toten. Kalt auch die Beziehungen – zum Beispiel zwischen Drogendealer Max und seiner Freundin Kira:

"Sie umarmt ihn und drückt ihren Kopf gegen seinen Bauch. Er fährt ihr durchs Haar, dann zieht er die Pistole aus dem Hosenbund und drückt sie gegen ihren Kopf. 'Wie fühlst Du Dich jetzt?', fragt Max. 'Lebendig.' Kira fasst unter den Schreibtisch. Sofort findet sie den Griff des Kampfmessers, das sie auf der Unterseite der Holzplatte festgeklebt hat. Die Klebstreifen fauchen, dann geben sie den Widerstand auf. 'Und wie fühlst Du dich?', fragt Kira, während sie die Klinge gegen ihren Lebenspartner drückt. Max schaut an sich herunter. 'Gut, dass du Linkshänderin bist. Besser die Leber als die Bauchschlagader auf der anderen Seite.'"

Auszug aus 'Tiefenscharf'

Max markiert den kaltschnäuzigen Dealer, wechselt vom kleinen Zigarettenschmuggel ins Wahnsinns-Geschäft mit Crystal Meth. Ein Thema seit Jahren in der bayerisch-tschechischen Grenzregion.

"Ich kenn persönlich tatsächlich Menschen, die große Probleme bekommen haben, auch ihren Beruf deshalb nicht mehr ausüben können. Ich hab hier mit einer Drogenberaterin gesprochen. Die kennt zum Beispiel auch Leute, die das Zeug schon zwölf Jahre nehmen und gerade deshalb ihren Job noch gut ausüben können, weil sie sich halt jeden Tag zuknallen."

Roland Spranger, Autor

Und dann ist da noch Sascha, der Gegenspieler zu Max. Ein Videojournalist, der beruflich und privat unter Druck steht und immer erst mal ein Bier braucht. Harte oder angebliche weiche Drogen – dem Autor geht es um weit mehr. 

"Den Rauschbegriff habe ich da durchaus auch weiter gefasst. Verbunden damit ist ja auch immer eine gewisse Sehnsucht. Kira, die so eine Leidenschaft hat, auf der einen Seite sich vorstellt, sie wird mal eine große Manga-Künstlerin. Dann aber auch so pyroman unterwegs ist. Die berauschen sich auch alle an sich selbst. Es gibt auch eine Videobloggerin, die von Erfolg berauscht ist. Die so die Idee hat: Ich brauch mehr Klicks."

Roland Spranger, Autor

Schneller, immer schneller dreht sich das Leben. Sei es im Videoblog zum wasserfesten Make-up oder bei der Suche nach dem besten Drogenversteck mitten im Supermarkt. Schonungslos, hart gibt Spranger Einblicke in die Gefühlswelt seiner Figuren.

"Wenn ich morgens aufstehe, klatscht mir die Wut wie ein Schlagstock gegen die Stirn. Verzweifelte Grundstimmung gegen depressive Welt: null zu eins. Die Wut schüttelt mich. Sie flimmert über meine Zähne. Die Adern schwellen auf der Stirn. Der Hass steigt. Unsere Herzen brennen wie Autos. Ich will meine Wut nicht verlieren."

Auszug aus 'Tiefenscharf'

"Tiefenscharf" spielt zwar an der bayerisch-tschechischen Grenze, mit durchaus realen Ereignissen aus oberfränkischen Polizeiberichten, mit detaillierten Beschreibungen von trostlosen Straßenzügen, leerstehenden Hotels, die zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert und mit Hakenkreuzen beschmiert werden – aber Spranger vermischt sie bewusst  zu einem fiktiven Ort. Denn die Geschichte kann überall spielen in Hof, in Aschaffenburg, in Köln oder sonst wo.

"Heimat kann einem ganz schön in die Fresse hauen."

Auszug aus 'Tiefenscharf'

Das ist einer der vielen kurzen Sätze, die einem in diesem Buch um die Augen fliegen. Mit Sprangers Thriller begründet der Polar-Verlag aus Hamburg  eine neue deutsche Reihe im Stil der Noir-Krimis französischer, angelsächsischer Autoren. Durchaus ein Ritterschlag für den 55-jährigen Schriftsteller aus Hof. Aber auch ein Wagnis.  

"Weil es doch viele Kritiker gab, die ein bisschen skeptisch waren: Geht denn das überhaupt? Deutscher Krimi in der Provinz? Und da geht's dann um Semmelknödel essen. Es wird halt eher eine spaßige Angelegenheit. Aber kein dunkler Krimi."

Roland Spranger, Autor

Info und Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Roland Spranger: "Tiefenscharf", Februar 2018, Polar-Verlag, 286 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-945133-59-0

Doch hier ist es keine Silbe lang spaßig. "Tiefenscharf" wird als eine der Entdeckungen des Buch-Frühlings gelobt. Schafft es unter anderem unter die zehn besten auf die Krimi-Liste von Deutschlandfunk und FAZ. Die erste Auflage ist bereits verkauft und die zweite Auflage geht auch schnell über die Ladentische.

"Ich kann natürlich nicht von meinen Einnahmen als Autor leben. Bin auch froh, dass ich noch die Sicherheit eines Brotjobs habe. Ich arbeite ja bei der Lebenshilfe und organisiere ambulante Betreuung für geistig behinderte Menschen. Macht mir auch noch Spaß die Arbeit."

Roland Spranger, Autor

Und nach den 30 Stunden pro Woche als Sozialpädagoge kümmert sich der dreifache Familienvater dann nochmal so 30 Stunden um seine zum Teil mehrfach ausgezeichneten Theaterstücke und Krimis. Und bei  "Tiefenscharf" mit seinen vielen Musik-Anspielungen hofft man noch auf ein Hörbuch.


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