Franken - Buchtipps


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Birke Grießhammer Die Opfer der Hexenverfolgung in Franken

Vom 15. bis ins 18. Jahrhundert wurden auch in Franken Männer und vor allem Frauen der Hexerei bezichtigt. Viele verbrannten auf dem Scheiterhaufen. Birke Grießhammer hat das Schicksal der Opfer in einem Buch zusammengefasst.

Von: Susanne Roßbach

Stand: 20.11.2013

Buchcover "Die Opfer der Hexenverfolgung in Franken" von Birke Grießhammer | Bild: Sutton Verlag

Birke Grießhammer liefert eine eindrucksvolle Zusammenfassung der Geschehnisse in Franken. Auf 128 Seiten schildert die Historikerin knapp den Ablauf eines Hexereiverfahrens von der Anschuldigung, der sogenannten Besagung, über die Folter bis zur Hinrichtung. Sie erläutert den Verlauf der Verfolgungen in Franken vom 15. bis ins 18. Jahrhundert. Als letztes Opfer des grausamen Treibens wurde 1749 die Nonne Maria Renata Singer in Würzburg hingerichtet. Der größte Teil des Buches befasst sich mit Einzelschicksalen. Birke Grießhammer erzählt unter anderem vom Leben und Leiden der schwarzen Els aus Nürnberg, der Hebamme Margareta Seibold aus Weißenburg und von Lena Pantzer aus Kronach:

"In Kronach hat damals die Pantzerin einen Zauber dargestellt, den sie gemacht hat, um den Dieb ihrer Zwetschgen ausfindig zu machen. So eine Aussage hab ich mal genauer dargestellt, damit man sich vorstellen kann, welch oft harmlose Zaubereien – in dem Fall war es ein Stöckchen, das sie in den Rauch gehängt hat – zu solchen Besagungen geführt haben. Angeklagt hat sie dann die Frau des Diebes aus wahrscheinlich Neid und Eifersucht."

Birke Grießhammer

Info und Bewertung

Wertung: 3 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Das Buch von Birke Grießhammer mit dem Titel "Angeklagt – Gemartert – Verbrannt. Die Opfer der Hexenverfolgung in Franken" ist im Sutton Verlag erschienen. Es hat 128 Seiten und enthält zahlreiche Zeichnungen und Fotos. Der Preis beträgt 16,95 Euro. ISBN 978-3-95400-188-0

Die beschriebenen Schicksale stehen exemplarisch für die vielen Frauen, die der Hexerei bezichtigt und getötet wurden. Die Verdächtigungen waren sehr unterschiedlich: Manche wurden des Liebeszaubers angeklagt, andere waren angeblich mit dem Teufel im Bunde. Eine Hebamme wurde beschuldigt, ein Neugeborenes mit einer tödlichen Salbe beschmiert zu haben. Ein Geschwisterpaar wurde hingerichtet, weil die Mutter sie miteinander im Bett erwischt hatte. Das letzte Nürnberger Opfer war erst zehn Jahre alt.

"Es waren halt viel mehr Frauen, vor allem im 16. Jahrhundert. Erst im 17. Jahrhundert, jedenfalls in Franken ist das so der Fall, kommen mehrere Männer dazu. Dann vor allem in den größeren Städten, in den Orten wie Bamberg. Dort waren es dann allerdings bis zu 25 Prozent Männer, einflussreiche Männer und wohlhabende Männer, von denen man sehr wohl ausgehen kann, dass sie aus politischen Gründen entfernt werden sollten."

Birke Grießhammer

Seit 26 Jahren forscht die Autorin über die Verfolgung angeblicher Hexen in Franken und sie betont immer wieder, dass dieses Thema zu wenig untersucht sei. Dem widerspricht der Historiker Dr. Günter Dippold. Er ist Heimatpfleger des Bezirkes Oberfranken und hat sich selber auch mit dem Thema beschäftigt.

"Das gehört in der Geschichte der frühen Neuzeit zu den bestuntersuchten Themen, zumindest in bestimmten Zeiten. Es beginnt in den 1830er Jahren mit einer Veröffentlichung des Bamberger Appellationsgerichtspräsidenten Maximilian Graf Lamberg, setzt sich fort über bis heute sehr lesenswerte Untersuchungen aus den 1880er-Jahren vom Bibliothekar Friedrich Leitschuh und dem katholischen Publizisten Pius Wittmann. Dann war allerdings zugegebenermaßen eine große Lücke. Seit den 1980er-Jahren aber ist es wirklich fast ein Modethema geworden und auch in Bamberg gibt es dazu wirklich qualitätvolle Untersuchungen. Wer behauptet, das sei ein nicht genügend beleuchtetes Thema, der tut denen Unrecht, die sich dieses Gegenstandes in den letzten Jahrzenten angenommen haben."

Günter Dippold

Und das waren nicht nur Wissenschaftler unter sich. Auch für die breite Öffentlichkeit gibt und gab es zahlreiche Möglichkeiten, sich über die Massenmorde an Unschuldigen zu informieren: Seit Jahren gibt es in Bamberg Stadtführungen zum Thema Hexenverfolgungen. Im vergangenen Jahr veranstaltete das Kulturreferat und das Stadtarchiv Bamberg Themenwochen über die "Hexenprozesse im Hochstift Bamberg" und in Zeil am Main wurde vor zwei Jahren das "Dokumentationszentrum Zeiler Hexenturm" eröffnet. Es ist bedauerlich, dass in dem Buch über die persönliche Entrüstung der Autorin die Frage nach den Ursachen zu kurz kommt. Wie kam es dazu, dass massenhaft Frauen – und auch Männer – wegen Nichtigkeiten auf dem Scheiterhaufen endeten. Da gehen die Erklärungen der Autorin nicht weit genug, meint Dr. Günter Dippold.

"Es haben Menschen eine Ideologie – ihren Kampf für eine gottgefällige Gesellschaft – über das menschliche Leben gestellt. Die haben Recht und Rechtsgrundsätze zum Teil auf Seite gewischt, haben Menschen physisch vernichtet, weil sie einer Ideologie zum Sieg verhelfen wollten. Und das gab es nicht nur im frühen 17. Jahrhundert, das gab es durch die Zeiten immer wieder. Ein Buch, das sich ums frühe 17. Jahrhundert dreht, muss diese Zeit aus ihr heraus erklären und kann nicht die heutige Empörung zur Grundlage machen."

Günter Dippold

Dennoch ist das Buch von Birke Grießhammer eine gute Einführung für den interessierten Laien.

"Es ist kostengünstig, es ist schwarz-weiß, es ist nicht so hochtrabend wissenschaftlich mit sehr viel Anmerkungen geschrieben, damit jeder und jede, die sich dafür interessiert dort auch Orte findet, an denen einzelne als Hexen besagt wurden und dann weiter in der Forschung dem Thema nachgehen kann."

Birke Grießhammer


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