Respekt - Respekt

Staatsangehörigkeit

RESPEKT Staatsangehörigkeit

Stand: 25.11.2020

  • Die deutsche Staatsbürgerschaft umfasst Rechte und Pflichten.
  • Zu den Rechten zählt zum Beispiel, dass die Staatsbürger*innen Anspruch auf konsularischen Schutz im Ausland haben. Und: Sie dürfen an demokratischen Wahlen in ihrem Land teilnehmen.
  • Zu den Pflichten zählt dagegen: Steuern zahlen.
  • Wer nicht "deutsch" aussieht, hat immer wieder mit Alltagsrassismus zu kämpfen.

Besuch in einem Münchner Jugendzentrum: Die Jugendlichen sind alle in Deutschland geboren, hier aufgewachsen, gehen hier zur Schule oder machen bereits eine Berufsausbildung. Aber als "Deutsche" fühlen sie sich nicht – zumindest nicht uneingeschränkt. Der Grund: Sie alle spüren täglich, dass "die Deutschen" sie nicht wirklich als "Deutsche" akzeptieren, sei es wegen ihres vermeintlich fremden Namens, wegen ihres Aussehens, wegen ihres Wohnorts oder wegen ihrer Familienangehörigen. Und das, obwohl einige von ihnen einen deutschen Pass haben. Woran liegt das?

"Wenn man mich so anschaut, niemals denkt man, dass ich Deutscher bin."

Jafar Alis Eltern stammen aus Äthiopien, er hat einen deutschen Pass

Staatszugehörigkeit auf dem Papier ...

Es gibt zwei Wege zur Staatsbürgerschaft: Einmal die Abstammung: Ein Kind bekommt automatisch die Staatsangehörigkeit der Eltern, egal wo sie leben und wo das Kind geboren ist. Oder: das Geburtsort-Prinzip, wie in den USA: Jeder Mensch, der auf US-amerikanischem Boden geboren ist, erhält mit der Geburt die amerikanische Staatsangehörigkeit. Nach deutschem Recht sollen weitere Staatsangehörigkeiten neben der deutschen vermieden werden. Trotzdem gibt es auch hier die sogenannte "doppelte Staatsbürgerschaft". In Deutschland leben etwa 2 Millionen Doppelstaatler, darunter sehr viele junge Menschen.

... und erlebtes Zugehörigkeitsgefühl

Die deutsche Staatszugehörigkeit erkennt man nicht auf den ersten Blick. Deshalb sagen Nachkommen von Migrant*innen, dass sie immer wieder behandelt werden wie "Ausländer": Menschen, die nicht dazugehören. Von Lehrer*innen, Unbekannten auf der Straße, von Polizist*innen. Gerade Menschen mit dunklerer Hautfarbe haben oft unter Vorurteilen zu leiden. Da der Mensch als soziales Wesen Zugehörigkeit dringend braucht, um sich wohl zu fühlen, können diese regelmäßigen Abweisungen richtiggehend mürbe machen. Deshalb überlegen einige, wieder zurückzugehen in ihre vermeintliche "Heimat". Doch auch dort wären sie vermutlich nicht "wie alle anderen". Schließlich sind sie ja in Deutschland aufgewachsen. Dieses Gefühl der Zerrissenheit oder Heimatlosigkeit begleitet Deutsche mit Wurzeln im Ausland mitunter über mehrere Generationen.

"Es sind ganz viele kleine Sachen. Wieso werde ich am Hauptbahnhof in der Bahnhofshalle an die Wand gedrückt, Handschuhe werden angezogen und ich werde ausgezogen? Ich musste meinen Gürtel, meine Schuhe, meine Socken ausziehen, mitten im Hauptbahnhof. Ob ich Drogen dabei habe. Wieso? Und wieso habe ich noch nie einen Deutschen gesehen, oder irgendjemand, der europäisch aussah, der blond war, dem das passiert ist? Wieso habe ich so was nie gehört? Wieso höre ich so was immer nur von meinen Leuten?"

Muaz Kezkec, Berufsschullehrer

Deutsche mit Wurzeln im Ausland

  • In Deutschland leben 11 Millionen Menschen mit ausländischem Pass, rund drei Viertel davon sind Europäer (Stand 2019).
  • Die größten Gruppen hier: Pol*innen, Rumän*innen, Italiener*innen
  • 1,5 Millionen Türk*innen bilden die größte nicht-europäische Gruppe
  • Die wichtigsten Gründe für die Zuwanderung: Flucht vor Kriegen, Hunger, Verfolgung und in der Vergangenheit: Anwerbung als Gastarbeiter*innen

Offenheit und Neugier - oder Angst

Was ist "deutsch"? Wie kann es sein, dass in Deutschland Menschen immer noch benachteiligt und schief angeschaut werden, nur weil sie nicht ins Schema "blond und blauäugig" passen? - Wie in vielen anderen Bereichen auch, entstehen viele Vorurteile hier aus einer Angst vor dem Fremden. Die letztlich eng verbunden ist mit dem Wunsch, dazuzugehören. Anders aussehende Menschen mit einer uns unbekannten Kultur und Sprache konfrontieren uns mit der Tatsache, dass auch wir eine Minderheit sind: als Bürger*in eines Landes oder Mitglied einer Glaubensgemeinschaft. Denn es gibt auf der Welt immer mehr Gruppen, die uns NICHT vertraut sind, als solche, die wir kennen. Also haben wir die Wahl: Dem Unbekannten offen und neugierig entgegentreten - oder permanent in Angst und Ablehnung leben. Was in erster Linie uns selbst schadet.

"Im Grunde genommen habe ich mich recht integriert, das stimmt, und ich wohne und ich lebe auch schon ziemlich lange in Deutschland. Und ich glaube, nur innerlich fühle ich mich, habe ich dieses russische Herz, und das macht dann schon einen ganz kleinen Unterschied. Aber ich bin glücklich, in Deutschland zu sein. Ich will einfach dazugehören."

Nick Lesch

Autorin: Monika von Aufschnaiter

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