Respekt - Respekt

Gendergerechtigkeit

RESPEKT Gendergerechtigkeit

Stand: 23.09.2020 14:57 Uhr

  • Gender ist das soziale Geschlecht - im Gegensatz zum biologischen Geschlecht.
  • Auch wenn einige Unterschiede zwischen den Geschlechtern angeboren sind, viele andere Eigenschaften werden durch die Gesellschaft oder die Erziehung antrainiert.
  • Menschen werden oft schon als kleine Kinder in bestimmte Rollenklischees gedrängt: durch das Umfeld, Medien, Kita, Schule, Spielsachen, Klamotten usw.
  • Das Problem an Klischees und Gender-Schubladen: Sie verhindern, dass Menschen sich und ihre Talente frei entfalten.

Das soziale Geschlecht ist noch vielfältiger als das biologische Geschlecht und lässt sich nicht in nur zwei Kategorien einteilen. Beim Thema Gender machen die "Schubladen" Mann und Frau nur wenig bzw. gar  keinen Sinn. Und trotzdem wird unser Alltag von dieser Zweiteilung sehr stark bestimmt. Das soziale Geschlecht, die Eigenschaften, die uns zugeschrieben werden aufgrund unserer biologischen Geschlechtszugehörigkeit, können wir nicht selbst bestimmen. Warum sind Jungen Abenteurer und Mädchen Prinzessinnen? Warum Männer Draufgänger und Frauen Verführerinnen? Die Zuschreibung von Eigenschaften aufgrund unseres biologischen Geschlechts ist so sehr im Alltag, in der Konsum- und Sportwelt verwurzelt, dass die meisten Menschen gar nicht merken, dass das soziale Geschlecht nichts Natürliches ist, sondern kulturell bestimmt wird.

Zwei Schubladen - von klein auf

Es beginnt schon vor der Geburt: Für Mädchen gibt es rosa Bettwäsche, für Jungs blaue. Dabei war historisch gesehen Rosa eine Farbe für Könige, verwandt mit dem Purpurrot, das an das Blut in der Schlacht erinnerte. Blau dagegen war früher den Mädchen zugeordnet. Das zeigt, wie willkürlich die Kategorisierung ist. Und doch führt sie in unseren modernen Zeiten dazu, dass Jungs oder Männer sich oft nicht trauen, Rosa zu tragen - geschweige denn Röcke. In der Kita geht es dann oft weiter: Da wird von Mädchen nicht selten erwartet, dass sie malen, sich verkleiden oder in der Puppenküche spielen - und Jungs werden lieber in der Bauecke gesehen. Das ist auch eine Einschränkung für alle Geschlechter, denn neben männlich und weiblich gibt es noch weitere soziale Geschlechter: Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann fühlen, Menschen, die sich mal weiblich, mal männlich kleiden wollen ...

"Menschen kommen auf die Welt und von überall oder zumindest von der Gesellschaft wird schon ein gewisser Druck aufgebaut, wie sich Menschen zu entwickeln haben, welche Vorlieben sie zu haben oder welche Identität sie sozusagen annehmen müssen, das beginnt schon mit der Geburt."

Betiel Berhe, Antidiskriminierungs-Expertin

Spielzeug für Jungs, Spielzeug für Mädchen

Nicht nur Spielzeugläden - auch viele Webseiten der Spielzeughersteller und -händler sind oft so eingeteilt: hier für Jungs, dort für Mädchen. Für Jungs gibt's Bausteine, Autos, Kräne und Kampfanzüge - für Mädchen viel Rosa, Einhörner, Tüll, Puppen und Haushaltsgeräte im Kleinformat. Wer teilt das eigentlich so ein? Was wird dadurch alles verhindert an freier Entfaltung? All die Jungs, die gerne in der Puppenküche spielen wollen oder sich als Prinzessin verkleiden, laufen Gefahr, schräg angeschaut zu werden. Als ob mit ihnen etwas nicht stimmen würde. Bei Mädchen umgekehrt das Gleiche. Und später geht es weiter: Männer sollen stark sein, Frauen anschmiegsam.

Männerdomäne Fußball

Im Fußball ist es besonders schwierig für Menschen, die in keine Gender-Schublade passen: Da wird schon früh aufgeteilt in Männer und Frauen - aber was ist mit dem Rest? Der Fußballverein Streetboys in München ist queer und lädt Menschen ein, die sich eben nicht in Schubladen wohlfühlen. Denn in einer regulären Mannschaft haben es Schwule ganz schön schwer, sagt Christoph aus eigener Erfahrung. Jonathan Nelles ist transsexuell. Er hat früher in einer Frauenmannschaft gespielt. Zwar ist es für ihn nun bei den "Streetboys" kein Problem in der Mannschafts-Dusche, wenn er "da unten nix hängen hat" - aber insgesamt geht es in der Männerliga härter zu, nicht nur in Bezug auf Ellbogeneinsätze im Spiel, sondern auch in Bezug auf Klischees und überholte Rollenbilder.

"Wo ich noch bei den Frauen gespielt habe, da war das ganz normal, die sind am Spielfeldrand knutschend gestanden, da hat keiner was gesagt. Und das merkt man halt jetzt: Sobald sich zwei Männer küssen, ist halt gleich so ein Getuschel."

Jonathan Nelles, transsexuell, spielt beim queeren Fußballverein Streetboys in München

Geschlechter: unterschiedliche Stärken beim Sport?

  • Frauen haben in den letzten Jahrzehnten aufgeholt: Sie kommen heute dicht dran an die sportlichen Leistungen der Männer, ob im Profi- oder im Amateursport.
  • Die sportliche Leistungsfähigkeit hängt nicht nur von körperlichen Faktoren ab - auch Geschlechterklischees und die Erziehung spielen eine Rolle.
  • Bis zur Pubertät liegen Mädchen und Jungen kräftemäßig ziemlich gleichauf. Dann setzen hormonelle Veränderungen ein, und die sorgen für Unterschiede bei Kraft und Kondition.
  • Männer sind im Durchschnitt besser bei Kraft und Ausdauer, Frauen bei der Beweglichkeit.

Zahlen und Fakten: Quellen

Sportliche Leistungen von Männern und Frauen

Höherer Anteil der Muskelmasse beim Mann

Weitere Faktoren für sportliche Leistung (außer Geschlecht)

Breites gemeinsames Leistungsspektrum Jungen und Mädchen
Sebastian Hoven: Geschlechtergerechtigkeit im koedukativen Sportunterricht. Eine empirische Analyse zur Genderkompetenz von Sportlehrkräften in der gymnasialen Sekundarstufe I, Dissertation am Institut für Soziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln 2017, PDF S. 37

Schulsport/Geschlechterklischees und Geschlechtergerechtigkeit

Männlich, weiblich, divers

Trage, was dir Freude macht ...

... und mache die Welt dadurch ein wenig bunter. Unisex-Mode-Designer*innen wollen dazu einen Beitrag leisten. Sie sehen nicht ein, warum beinahe jeder Laden und jedes Shopping-Portal im Internet streng in Damen und Herren eingeteilt ist. Mode soll ausdrücken und unterstreichen, wie du "drauf" bist. Sie ist einerseits eine "oberflächliche Kunst", andererseits aber gerade deshalb umso wichtiger: Wir beurteilen Menschen ja leider oft nach dem ersten visuellen Eindruck. Und wenn du "Uniform" trägst, wirst du zu Unrecht als "uninteressant" abgehakt. Denn jeder ist einzigartig und - egal welches Geschlecht - diese Einzigartigkeit bewusst zu leben, ist im Grunde der Sinn eines jeden Lebens.

"Es gibt ja kein Naturgesetz, dass ein Mann nicht Rosa tragen darf. Es ist halt einfach nicht so schicklich in unserer heutigen Zeit. Und man wird dann ausgelacht, was sehr traurig ist. (...) Es ist für Frauen mittlerweile einfacher. Frauen können, glaube ich, alles anziehen. Was dürfen Männer anziehen?"

Jessica Dettinger, Unisex-Moden-Designerin

Autorin: Monika von Aufschnaiter

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