Respekt - Respekt

Political Correctness

RESPEKT Political Correctness

Stand: 01.08.2019

  • Political Correctness steht für die Verwendung einer Sprache, die niemanden diskriminiert.
  • Politisch korrekt ist zum Beispiel, durch geschlechtsneutrale Sprache (beispielsweise mit dem Gendersternchen) alle Geschlechter gleich zu behandeln.
  • Auch ethnische Gruppen und Minderheiten profitieren davon, wenn Bezeichnungen neutral sind statt abwertend.
  • Als Argument gegen politisch korrekte Sprache wird häufig angeführt, dass sie umständlich ist oder dass der diskriminierende Begriff ja nicht so gemeint gewesen sei.

Wer Schokoküsse heute noch N-Küsse nennt, outet sich als sprachlich unsensibel und rassistisch: Denn die Verwendung des N-Wortes für Schwarzafrikaner*innen gilt heutzutage auch laut Duden als abwertend, ebenso wie die Bezeichnung "Zigeuner" (korrekt: Sinti und Roma) oder "Eskimo" (korrekt: Inuit). Genauso wichtig für Gleichberechtigung ist die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter: Bei Stellenausschreibungen steht heute neben der Bezeichnung der Stelle deshalb ein m/w/d - männlich/weiblich/divers.
Die RESPEKT-Reportage stellt die Frage, was für und gegen solche Differenzierungen spricht und zeigt, welch massive Auswirkungen diskriminierende Sprache haben kann.

Politische Korrektheit - ab 1980 in den USA

Der Begriff "Political Correctness" oder deutsch "Politische Korrektheit" taucht in den 1980er-Jahren in den USA auf: Kalifornische Studierende forderten, dass "nicht nur Lehrbücher toter, weißer, europäischer Männer verwendet werden sollten, sondern auch zeitgenössische Werke und die von weiblichen Autoren". Die Bewegung fand auch Unterstützer*innen außerhalb der Universitäten.

"Worte können mehr verletzen als Ohrfeigen"

Auch bei Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen sollen feinfühligere Begriffe wie "Menschen mit Behinderung" oder "Förderschüler*innen" dafür sorgen, dass sich Menschen nicht gekränkt oder beleidigt fühlen. Grundsätzlich gilt: Von Diskriminierung Betroffene reagieren sehr viel sensibler darauf, wie sie bezeichnet werden als andere. Im Zweifelsfall also am besten vorab googeln, wie die korrekte Bezeichnung lautet oder nachfragen.

"Wenn ich jemanden beleidige, verbal, haben die Leute oft das Gefühl: Der hat dem ja nichts getan. Der hat ja nur was gesagt. Aber die Verletzung ist genauso real wie eine echte. Du nimmst teilweise sogar psychische Verletzungen, die durch Sprache entstehen, viel länger mit als eine Ohrfeige."

Filmzitat: David Mayonga alias Roger Rekless. Musiker, Produzent, Moderator und Autor des Buchs 'Ein Neger darf nicht neben mir sitzen'.

Schluss mit "Weib" und "Fräulein"!

Vorständin und Gendersternchen

  • Gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich in der Sprache wider: Wörter wie "Weib" (früher absolut üblich) oder "Fräulein" passen nicht mehr in ein modernes Frauenbild.
  • Viele Wörter, die es lange Zeit nur in männlicher Form gab, haben inzwischen eine weibliche Form: Die "Vorständin" steht beispielsweise seit 2013 im Duden.
  • Heutige Schreibweisen zur Berücksichtigung der Geschlechter: Gendersternchen (z. B. Bürger*innen) oder Gendergap (z. B. Bürger_innen).
  • Bei Stellenanzeigen ist inzwischen "männlich/weiblich/divers" Standard.

Zahlen und Fakten: Quellen

Geschlechtsneutrale Sprache

Um Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern auch in der Sprache herzustellen, wird heute gendergerechte Sprache verwendet. Es wird also nicht das generische Maskulinum benutzt, zum Beispiel "Bürger", sondern "Bürgerinnen und Bürger". Oder in der Schreibweise das Gendersternchen, also "Bürger*innen" oder der Gendergap, "Bürger_innen". In diesen Schreibweisen wird auch ein drittes Geschlecht respektiert.

Die geschlechtergerechte Schreibung befindet sich noch in der Erprobungsphase. Es gilt nach wie vor, ein Gleichgewicht zu finden zwischen gendergerechter Sprache und Lesbarkeit bzw. Verständlichkeit. Aus diesen Gründen gibt der Rat für deutsche Rechtschreibung zwar einen Überblick über die derzeit verwendeten Schreibweisen heraus, spricht sich aber nicht für vorzeitige Festlegungen aus.

Witze über Randgruppen sind auch Gewalttaten

Parteien wie die rechtspopulistische AfD und ihre Anhänger*innen nutzen gezielt diskriminierende Sprache, um Feindbilder aufzubauen. Auch außerhalb der Politik findet der inszenierte Tabubruch ein breites Publikum. Der Comedian Chris Tall etwa lebt von Witzen über Randgruppen, Deutschrapper wie Bushido oder Kollegah ziehen gern mal über Frauen her. Für billige Lacher andere Menschen beleidigen, egal ob sie nun anwesend sind oder nicht? Was sagt das über mich aus, wenn ich solche Witze erzähle oder drüber lache? Wie viel Respekt verdiene ich selbst, wenn ich mich so verhalte? Nicht mitzulachen oder zu sagen, was verkehrt dran ist, erfordert Zivilcourage.

Wenn ich Witze über mich selbst mache, ist das Selbstironie. Hier habe ich auch selbst in der Hand, was ich sage und was nicht. Über andere so zu sprechen, kann die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreiten.

Was spricht gegen diskriminierende Witze? Ganz einfach: Worte haben Macht und beeinflussen unsere Realität und Wahrnehmung. Diese Macht bewusst und mit Respekt einzusetzen, sorgt für ein angenehmeres Miteinander, und jeder kann selbst etwas dazu beitragen.

"Political Correctness ist für mich kein eingrenzender Rahmen wie ein Regelgefängnis, sondern es ist eher ein Leitmotiv, an dem sich die Leute orientieren sollten, sprachlich. Wie ich mich ausdrücken kann, ohne dass ich Menschen verletze. Und das ist was Gutes."

Filmzitat: David Mayonga alias Roger Rekless. Musiker, Produzent, Moderator und Autor des Buchs 'Ein Neger darf nicht neben mir sitzen'.

Autorinnen: Monika von Aufschnaiter, Claudia Sarrazin

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