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Allgemeinmedizin Schutzimpfungen für Kinder

Viele Kinder in Deutschland haben keinen ausreichenden Impfschutz. Das liegt nicht zuletzt an den vielen Mythen und Halbwahrheiten, die zum Thema Impfen kursieren. Allgemeinarzt Dr. Klaus Tiedemann gibt Antworten auf strittige, unklare Fragen und erklärt, gegen welche Krankheiten Kinder geimpft werden sollten.

Stand: 17.10.2019 | Archiv

Schutzimpfungen für Kinder | Bild: picture-alliance/dpa

Sinn von Schutzimpfungen

Gegen viele Krankheiten ist man immun, wenn man sie einmal durchgemacht hat. Dennoch ist es besser, sich gegen bestimmte Krankheiten impfen zu lassen, da diese einen sehr schweren Verlauf nehmen und mitunter auch zum Tod führen können. Auch eine vermeintlich harmlose Kinderkrankheit wie z. B. Masern, kann schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen, z. B. Mittelohr-, Lungen- oder Gehirnentzündung (unter Umständen mit bleibenden Schäden). Fünf bis zehn Jahre nach der Maserninfektion kann zudem eine Gehirnentzündung (SSPE) auftreten, die in der Regel tödlich ist. Mumps kann beispielsweise bei jungen Männern zu einer Hodenentzündung und in deren Folge zu Unfruchtbarkeit führen.

Viele glauben, dass Kinder heutzutage nicht mehr gegen bestimmte Krankheiten, wie z. B. Kinderlähmung (Polio) oder Diphtherie geimpft werden müssen, weil diese überhaupt nicht mehr auftreten. Es stimmt zwar, dass hierzulande mittlerweile viele Krankheiten so gut wie ausgerottet sind. Das liegt daran, dass in der Vergangenheit sehr Viele gegen diese Krankheiten geimpft wurden. Sinkt die Durchimpfungsrate, werden sich diese Krankheiten allerdings auch in Deutschland wieder ausbreiten, zumal sie in anderen Ländern noch nicht ausgerottet sind und z. B. durch Urlaubsreisende wieder eingeschleppt werden können.

Einen hundertprozentigen Schutz bieten zwar auch Impfungen nicht. Es besteht immer ein geringes Risiko, trotz Impfung an einer bestimmten Krankheit zu erkranken. Aber: Falls die Krankheit trotz Schutzimpfung ausbricht, verläuft sie in der Regel wesentlich harmloser als ohne.  

Impfungen dienen auch nicht nur dem Schutz des Einzelnen, der geimpft wurde, sondern schützen auch diejenigen ohne Impfschutz, z. B. frisch geborene Säuglinge, da Geimpfte Krankheiten nicht übertragen.

Empfohlene Schutzimpfungen für Kinder

  • Polio (Kinderlähmung)
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Diphtherie (Halsbräune)
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Masern
  • Mumps (Ziegenpeter)
  • Rotaviren (Viren, die starken Durchfall verursachen)
  • Hepatitis B (virusbedingte Leberentzündung)
  • Röteln
  • Windpocken (Varizellen)
  • Pneumokokken (Bakterien, die Lungen- und Gehirnhautentzündung auslösen können)
  • Meningokokken C (Bakterien, die Gehirnhautentzündung verursachen können)
  • Für Kinder zwischen 9 und 17 Jahren: HPV (humane Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können)

Nebenwirkungen von Impfungen

Impfstoffe sind Medikamente und können daher Nebenwirkungen haben. Typische Impfnebenwirkungen sind z. B. Schwellungen, Brennen oder Rötungen an der Einstichstelle, leichtes Fieber oder grippeähnliche Symptome.

Vor der Zulassung wird der Impfstoff in Deutschland jedoch sehr genau auf seine Wirksamkeit, Verträglichkeit und möglichen Nebenwirkungen überprüft. Dann werden Nutzen sowie Risiko abgewogen. Impfungen werden empfohlen, wenn das Risiko eines schweren, evtl. sogar tödlichen Verlaufs der Krankheit höher ist, als das Risiko eines eventuellen Impfschadens.

Kombi-Impfungen

Das Gerücht, dass Kombi-Impfungen das Immunsystem überlasten, hält sich hartnäckig. Das ist nicht so, da die Impfstoffe heutzutage hoch gereinigt sind und sehr wenig Antigene enthalten. Deshalb ist es auch besser, sich erneut impfen zu lassen, wenn Sie z. B. Ihren Impfpass verloren haben und nicht wissen, ob Sie eine Auffrischung benötigen. Sollten die Abstände dann doch "zu kurz" sein, brauchen Sie keine Angst vor einer "Überimpfung" zu haben. Schlimmstenfalls können die Nebenwirkungen (Rötung oder Schwellung der Einstichstelle oder leichte grippeähnliche Symptome) stärker ausgeprägt sein.

Gesundheitsgefährdende Chemikalien in Impfstoffen

Manche Impfstoffe enthalten tatsächlich Chemikalien wie z. B. Quecksilber, allerdings in einer sehr geringen Dosierung, weit unter den zugelassenen Grenzwerten und sind daher gesundheitlich unbedenklich.


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