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Allgemeinmedizin Häufige Fehler bei der Medikamenten-Einnahme

Viele Patienten nehmen es mit der Einnahme von Medikamenten nicht so genau oder wenden die Arzneimittel aus Unwissenheit falsch an. Das kann fatale Folgen für die Gesundheit haben, schlimmstenfalls sogar zum Tod führen. Allgemeinarzt Dr. Klaus Tiedemann klärt über die häufigsten Anwendungsfehler auf.

Stand: 20.05.2021 | Archiv

Zu welcher Tageszeit wirkt die Medizin am besten? Vor oder nach dem Essen? Gibt es Wechselwirkungen – womöglich gar mit Lebensmitteln? Schon bei der Einnahme von Medikamenten gibt es viel zu beachten, was allerdings häufig nicht berücksichtigt wird. Allgemeinarzt Dr. Klaus Tiedemann hat aus seiner Praxiserfahrung einige Einnahme- bzw. Anwendungsfehler für Sie zusammengestellt und zeigt auf, wie diese zu vermeiden sind.

Einnahme-Tageszeit: morgens, mittags oder abends

Halten Sie sich unbedingt an die empfohlene Tageszeit, denn einige Medikamente wirken zu bestimmten Tageszeiten besser oder haben weniger Nebenwirkungen. Das liegt daran, dass unser Körper und unsere Stoffwechselfunktionen tageszeitlichen Schwankungen unterliegen. Zudem treten einige Symptome zu bestimmten Tageszeiten auf, denen mit der zeitnahen Einnahme gegengesteuert werden kann.

Beispiele:

  • Kortison-Präparate: Der Körper verträgt eine Kortison-Therapie besser, wenn die Kortison-Gabe von außen dem natürlichen Rhythmus angepasst wird. Kortison-Präparate sollten daher morgens eingenommen werden, da zu dieser Tageszeit die körpereigene Kortison-Produktion am aktivsten ist.
  • Statine gegen erhöhten Cholesterinspiegel: Statine sollten am Abend genommen werden, da unser Körper Cholesterin hauptsächlich nachts produziert.
  • Antirheumatika: Morgens sind die Symptome bei Rheumapatienten in der Regel am stärksten ausgeprägt. Abends eingenommene Medikamente wirken den morgendlichen Beschwerden, beispielsweise Morgensteifigkeit, entgegen.
  • Säureblocker gegen Sodbrennen: Die Betroffenen leiden vor allem nachts unter dem aufsteigenden Magensaft, denn im Liegen kann die Magensäure leichter zurückfließen als in aufrechter Position. Es macht daher Sinn, Säureblocker, die die Säure im Magen binden, vor dem Schlafengehen einzunehmen.

Achtung:

Frei verkäufliche Säureblocker (beispielsweise Talcid, Maalox) binden übrigens nicht nur die Magensäure, sondern auch die Wirkstoffe anderer, gleichzeitig eingenommener Medikamente und machen diese wirkungslos.

Einnahme-Zeitpunkt: vor, mit oder nach der Mahlzeit

  • Vor dem Essen: Auf leeren Magen wirken Medikamente schneller. Einige Medikamente können auch nur wenn der Magen leer ist, zum Darm gelangen, wo sie ihre Wirkung entfalten sollen. Vor dem Essen bedeutet, dass Sie das Medikament eine Stunde bis 30 Minuten vor dem Essen einnehmen sollen, damit es optimal wirkt. Nehmen Sie das Medikament direkt vor dem Essen ein, hat es keine Zeit, die Wirkung zu entfalten. Der Abstand zur Mahlzeit ist beispielsweise bei Schilddrüsenmedikamenten wichtig, da die Medikamente sonst nur teilweise vom Körper aufgenommen werden. Am besten nehmen Sie Schilddrüsenmedikamente direkt nach dem Aufstehen.
  • Mit dem Essen: Einige Medikamente greifen die Magenschleimhaut an. Diese sollten während des Essens eingenommen werden, damit der gleichzeitig aufgenommene Speisebrei die Schleimhaut schützt. Sie können das Medikament entweder zwischen zwei Bissen oder bis etwa zehn Minuten nach Abschluss der Mahlzeit nehmen.
  • Nach dem Essen: Nach dem Essen bedeutet, dass der Abstand zur vorangegangenen Mahlzeit etwa 30 Minuten betragen sollte, damit die Wirkung nicht durch bestimmte Lebensmittel gestört wird.

Einnahmehäufigkeit: ein-, zwei- oder dreimal täglich

Sollen Sie ein Medikament einmal täglich nehmen, ist es wichtig, dass Sie dieses in etwa zur gleichen Tageszeit einnehmen.
Bei der zweimal täglichen Einnahme sollten ungefähr 12 Stunden zwischen der Einnahme liegen, bei dreimal täglich sechs bis acht Stunden.

Vorsicht bei entzündungshemmenden Gelen

Entzündungshemmende Gele (beispielsweise Voltaren oder Diclo Gel) enthalten Alkohol, der durch die beim Verdunsten entstehende Kälte schmerzlindernd wirken soll. Tragen Sie alkoholhaltiges Gel auf und verbinden die Stelle sofort mit einem Verband, schädigt der Alkohol die Haut. Lassen Sie Gele besser 10-15 Minuten abdunsten, bevor Sie die Stelle verbinden.

Augentropfen richtig anwenden

Viele Patienten wissen nicht, dass Augentropfen über den Tränenkanal in den Rachen abfließen können und so an Wirkung einbüßen. Damit die Tropfen in den Augen bleiben, sollten Sie die Tränenkanäle nach der Anwendung für ca. 1-2 Minuten verschließen. Drücken Sie dazu mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand oder den Zeigefingern von beiden Händen an den Seiten der Nasenwurzel auf die Augen.

Insulin-Pens richtig anwenden

Insulin-Pens tropfen ziemlich lange nach. Diabetiker, die die Nadel nach wenigen Sekunden wieder herausziehen, bekommen nicht die eingestellte Dosis ab.

Vorsicht bei der Einnahme von Alendronsäure

Patientinnen, die nach den Wechseljahren an Osteoporose leiden, nehmen oft einmal wöchentlich Alendronsäure ein. Was viele nicht beachten: Nach der Einnahme dieser Tablette darf man sich für 45 Minuten nicht hinlegen. Die Tablette muss nämlich in den Magen gelangen, sonst kann sie die Speiseröhrenschleimhaut extrem schädigen.

Bleiben Sie gesund! Ihr Dr. Klaus Tiedemann und "Wir in Bayern"


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