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Service Gesundheit Angina richtig behandeln

Wer schon mal Angina hatte, weiß, wie schmerzhaft diese sein kann. Hervorgerufen wird die eitrige Entzündung der Mandeln durch Bakterien. Wird die Heilung verschleppt, kann eine Angina chronisch werden. HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow erklärt Behandlungsmethoden.

Stand: 20.12.2016

Angina richtig behandeln  | Bild: BR

Angina

Ursachen und Symptome

Die "klassische" eitrige Angina, wie sie die meisten Betroffenen kennen, wird durch Bakterien verursacht. Vornehmlich die Streptokokken (der Streptokokken-Gruppe A) machen eitrige, fieberhafte, sehr schmerzhafte Mandelentzündungen mit starkem Krankheitsgefühl.

Ansteckungsgefahr

Eine Mandelentzündung ist ansteckend und wird über die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen, z .B. durch Nießen oder Küssen. Meist bricht bis zu vier Tage nach der Ansteckung die Mandelentzündung aus. Stress und ein geschwächtes Immunsystem begünstigen eine Ansteckung, da man dem Erreger nur wenig entgegensetzen kann.

Warum manche Menschen öfter daran erkranken

  • Die Gruppe A umfasst ca. 70 unterschiedliche Typen der Streptokokken. In Bayern gehen ca. 25-30 dieser Untertypen um. Das Immunsystem merkt sich nach der Infektion nur einen, aktuell krankmachenden Untertyp und entwickelt nur gegen diesen eine Immunität. Daher sind öfter Mandelentzündungen gleicher Art und gleichen Ausmaßes möglich.
  • Zudem gibt es eine genetische Veranlagung, auf Infektionen mit diesen Bakterien besonders schnell und heftig zu reagieren. Somit erkranken bestimmte Menschen öfter, manche weniger.

Behandlung

  • Dank moderner Behandlungsmethoden sind bakterielle Mandelentzündungen (Angina) oder der früher gefürchtete Scharlach gut zu therapieren. Bei eitrigen, bakteriellen Mandelentzündungen ist die Therapie mit einem Antibiotikum hilfreich. Der Patient wird schneller gesund und Komplikationen durch Streuung der Bakterien im Körper (Nieren- und Herzerkrankungen oder Abszesse des Halses) können vermieden werden. Damit hat sich die Notwendigkeit zur operativen Therapie in den vergangenen 10-20 Jahren verringert.

Hausmittel

Als Hausmittel empfiehlt sich der Einsatz von Salbeitee oder Spülungen mit Tormentill- und Myrrhentinktur, gegebenenfalls in Kombination mit einem Schmerzmittel wie Ibuprofen.

Mandeloperation

  • Wann eine Mandeloperation notwendig ist
  • Die Notwendigkeit zur Mandeloperation wird in den letzten Jahren immer kritischer gesehen. Bei mindestens 3-4 schweren Mandelentzündungen pro Jahr, aufgetreten über einen Zeitraum von 3 Jahren, sprechen die Mediziner von einer chronischen Mandelentzündung.
  • Geraten wird zur Mandeloperation, wenn in 12 Monaten sieben ärztlich diagnostizierte und antibiotisch behandelte Mandelentzündungen auftraten. Grund dafür sind die Veränderungen in den Mandeln durch diese Entzündungen. Die Mandeln vernarben und es entstehen Narbenfelder mit schlechter Durchblutung und Immunabwehr. In diesen nisten sich Krankheitskeime ein und streuen immer wieder in den Körper aus.
  • Mandelentzündungen mit aufgetretenen Komplikationen wie Mandel- und Halsabszesse  oder Mitbeteiligung von Gelenken und Organen wie Herz und Niere, ebenso Tumore, stellen eine Indikation zur Mandeloperation dar.
  • Ein weiterer Grund zur Operation ist die krankmachende Vergrößerung der Gaumenmandeln und der Rachenmandeln (Polypen), vor allem bei Kindern.
  • Die Operation
  • In den meisten Fällen wird die Rachenmandel ambulant operiert und stellt mit der schnellen Verbesserung der Nasenatmung und der deutlichen Reduzierung von Mittelohrentzündungen einen effektiven und komplikationsarmen Eingriff dar.
  • Die Operation der Gaumenmandeln ist weiterhin ein stationärer Eingriff mit Liegedauer von 4-7 Tagen.
  • Neue Methoden
  • Neue Operationsmethoden, wie die Laserchirurgie oder Radiofrequenzchirurgie der Gaumenmandeln, können den postoperativen Schmerz und die Verweildauer im Krankenhaus reduzieren - sind allerdings nur bei Operationen aufgrund der Vergrößerung der Gaumenmandeln geprüft.
  • Sogenannte Ultraschall-Skalpelle oder neue lokal anwendbare Blutstiller sollen die Gefahr der Nachblutung nach einer Operation senken. Sie müssen allerdings noch ihre Wirksamkeit beweisen.

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