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Allgemeinmedizin Fieber - so senken Sie es richtig

Fieber kann zwar unangenehm sein, aber auch seinen Sinn haben. Die meisten greifen bei hoher Temperatur schnell zu fiebersenkenden Medikamenten. Doch was viele nicht wissen: Krankheiten dauern dann unter Umständen doppelt so lang. Allgemeinarzt Dr. Klaus Tiedemann klärt auf, wann und wie Sie Fieber am besten senken sollten.

Stand: 27.11.2023

Arzneimittel mit Kräutern. | Bild: BR/Lisa Hinder

Die normale Körpertemperatur liegt bei etwa 37 Grad. Oberhalb bestimmter Grenzwerte, die je nach Messmethode variieren, spricht man von Fieber: Bei der oralen Messung liegt der Grenzwert bei 37,8 Grad, bei der rektalen Messung bei 38,2 Grad.
Die Körpertemperatur schwankt übrigens im Laufe des Tages. Morgens ist sie am niedrigsten, abends am höchsten.

Das richtige Fieberthermometer

Im Handel stehen verschiedene Fieberthermometer zur Wahl:

  • Am empfehlenswertesten ist ein Digitalthermometer, da es die Temperatur am genauesten misst. Unter der Zunge oder der Achsel lässt sich die Temperatur gut messen, am sichersten ist jedoch die rektale Messung. Messungen im Ohr, an der Schläfe oder der Stirn sind dagegen nicht zuverlässig!
  • Vom beliebten Ohrthermometer ist abzuraten, da der Sensor das Trommelfell anvisieren muss. Aber welcher Laie weiß schon, dass das Trommelfell vom Ohr aus gesehen hinten oben liegt? Außerdem kann die Messung danebengehen, wenn Ohrschmalz oder Haare im Gehörgang sind.

Fieber hat auch seinen Sinn!

Da Fieber eine Abwehrreaktion des Körpers ist, muss es nicht zwangsläufig gesenkt werden. Oftmals ist es sogar ratsamer, das Fieber nicht zu unterdrücken, sondern es auszuhalten. Durch die Erhöhung der Temperatur werden Bakterien und Viren daran gehindert, sich weiter zu vermehren. Wer das Fieber unterdrückt, fühlt sich zwar fitter, ist es in Wirklichkeit aber nicht und überlastet sich eher.

Wann Sie Fieber behandeln sollten

Generell gilt: Junge und gesunde Menschen können mehr Fieber aushalten als schwache und chronisch kranke Personen. Eine Temperatur von 39,5 °C ist tagsüber in Ordnung, sofern engmaschige Kontrollen möglich sind, keine Grunderkrankungen bestehen und der Patient ausreichend trinkt.

Besondere Vorsicht ist im Fieberfall geboten bei:

  • Diabetikern: Der Zucker schießt bei Fieber gerne in die Höhe, die Patienten essen aber meist weniger als sonst. Wird dann das Insulin unverändert weitergespritzt, kann es lebensgefährlich werden, da man sich ins Unterzucker-Koma spritzen kann.
  • Epileptikern und Kindern mit Fieberkrämpfen in der Vorgeschichte: Diese Personen sollten das Fieber großzügig senken.

Therapie bei Fieber

Das Fieber unterliegt einer tageszeitlichen Periodik und erreicht sein Maximum zwischen 20 und 24 Uhr. Wollen Sie das Fieber senken, sollten Sie dies daher am besten abends tun. Sie schlafen dann besser und erholen sich auch besser.

Um das Fieber zu senken, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Wadenwickel:
Sie sind ein bewährtes Hausmittel zur Fiebersenkung, sollten aber tagsüber angewendet werden, da dies nachts zu aufwendig ist. Wadenwickel nutzen allerdings nur etwas, wenn die Beine warm sind. Bei kalten Beinen können Wickel die Temperatur nicht wirklich senken. Verwenden Sie bei Wadenwickel nur lauwarmes und kein kaltes Wasser.
(Bei welchen Beschwerden Sie Wickel sonst noch einsetzen können, lesen Sie hier.)

Fiebersenkende Medikamente:

  • Paracetamol ist frei verkäuflich, kann aber (vor allem bei Kindern) langfristig Nierenschäden verursachen.
  • Aspirin sollte wegen des gefährlichen Reye-Syndroms (Schädigung des Gehirns und der Leber) nicht bei Kindern und Jugendlichen angewendet werden. Außerdem kann die Magenschleimhaut Löcher bekommen.
  • Dr. Klaus Tiedemanns Tipp: Ibuprofen ist momentan das Beste; es wird in Abhängigkeit von Alter bzw. Körpergewicht dosiert und kann schon bei Säuglingen angewendet werden.
  • Novaminsulfon senkt das Fieber, wo andere Arzneien versagen, und kann als Rettungsanker dienen, wenn alles andere nicht geholfen hat. Novaminsulfon gibt es in Tropfenform, lässt sich somit genau dosieren und wirkt ziemlich schnell.

All diese Medikamente dämpfen gleichzeitig die Kopf- und Gliederschmerzen.

Wichtig: Trinken Sie viel!

Fieberpatienten sollten unbedingt viel trinken, da pro Grad Fieber der Flüssigkeitsverlust um 0,5 Liter ansteigt.

Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten

Bei Fieber, das länger als drei Tage andauert oder über 40 Grad steigt, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn hinter dem Fieber könnte eine Lungenentzündung stecken, die behandelt werden muss.
Mit kleinen Kindern sollten Sie bereits zum Arzt gehen, wenn das Fieber länger als einen Tag anhält.

Viel Erfolg mit den Tipps wünschen Dr. Klaus Tiedemann und "Wir in Bayern"!


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