BR Fernsehen - Kunst + Krempel


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Erinnerungsbild Doppeltes Leid

Mit diesem Bild in der Tradition französischer Herrscherportraits, datiert auf das Jahr 1709, wird einem Zwillingspaar gedacht, das im Kleinkindalter verstorben ist.

Stand: 14.05.2013 | Archiv

Die beiden Kleinen müssen aus adligem Hause stammen, denn ihr Doppelportrait ist in der Tradition französischer Herrscherportraits komponiert worden – ein so genanntes 'sprechendes Bild', bei dem jeder Gegenstand eine Bedeutung hat.

Die Morgenröte am Himmel erzählt dem Betrachter, dass das Zwillingspaar nur den frühen Morgen seines Lebens gesehen hat. Und das gold-rosafarbene Brokattuch umhüllt nicht nur die ansonsten unbekleideten Körper der beiden Kleinkinder, sondern verbindet das Paar auch im gemeinsamen Schicksal. Die geknickte doppelte Rose steht stellvertretend für die beiden: schon zu Beginn ihres Erblühens ist ihr Lebenszweig abgebrochen worden.

Dass die Geschwister höheren Standes gewesen sein müssen, darauf deutet das goldbroschierte Seidentuch hin, auf dem sie ruhen. Auch der Vorhang im Hintergrund ist den französischen Herrscherporträts des 17. Jahrhunderts entlehnt. Anstelle der dort üblichen Säule ist hier ein Stelengrabstein dargestellt, der an ihren frühen Tod erinnert.

Ein konstruiertes Pathos umgibt die beiden tragischen Gestalten. Ihre Ähnlichkeit legt nahe, dass es Zwillinge waren. Trotzdem tragen ihre Gesichter auch individuelle Züge. Sie wirken jung und gleichzeitig so alt – als hätte sich die Vorahnung eines frühen Todes in ihre Züge eingegraben.

Fakten:

  • Geschätzter Wert: 2.000 bis 3.500 Euro
  • Datierung: 1709
  • Sendung vom 18. Mai 2013

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