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Frühlingswanderung im Pfaffenwinkel Von der Acheleschwaig ins Naturschutzgebiet Ammerleite

Grüne Wiesen und zarte Blüten, aber noch schneebedeckte Berge – im Alpenvorland lässt es sich jetzt herrlich wandern, zum Beispiel im Naturschutzgebiet Ammerleite im Pfaffenwinkel. Eine gut dreistündige Rund-Wanderung führt vom Hofgut Acheleschwaig bei Saulgrub nach Bad Bayersoien und an der Ammer retour.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 07.05.2021 | Archiv

Von der Acheleschwaig ins Naturschutzgebiet Ammerleite | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Vom Hofgut Acheleschwaig geht es über Wiesen und Felder und durch lichten Wald nach Bad Bayersoien, flankiert von den weißen Blütenteppichen der Buschwindröschen und den pastellgelben Polstern der Schlüsselblumen. Frühlingsfeeling für alle Sinne: Sonne auf der Haut, die Farben der Blüten, der harzige Duft der Nadelbäume im Wald und die feuchte Frische von Bach und Moos. Dennoch stellt sich die Frage, ob es schon Frühling ist oder doch noch Frühjahr? Die Antwort ist einfach: Solange noch in den Bergen Schnee liegt und der Wind die Kälte hinab ins Tal trägt, ist es noch Frühjahr im Alpenvorland. auch wenn es tagsüber ordentlich warm wird.

Am Hörnle ist der Schnee schon fast weggeschmolzen

Am idyllischen kleinen Böhmerweiher sitzt eine Familie im Gras, spielt Karten und beobachtet Kröten, Frösche und Schmetterlinge. Auch die ersten Hummeln brummen über die Wiesen. Vom Böhmerweiher führt der Wanderweg „W 5“ weiter über wellige Höhen nach Bad Bayersoien, vorbei am Bergkiefernmoor in Richtung Ammer und auf dem Ammerrundweg wieder zurück zur Acheleschwaig. Immer im Blick sind: Hörnle, Pürschling, Hohe Blaik und Klammspitze.

Tassilo Fischer ist der Besitzer des Hofguts Acheleschwaig. Er hat das denkmalgeschützte Anwesen 2006 gekauft und nach einem Vierteljahrhundert Leerstand aufwändig saniert. Entstanden ist ein Schmuckstück, in dem sich der Gast sofort wohl fühlt.

Endlich wieder draußen ...

Hofgut und Wirtshaus Acheleschwaig liegen direkt am südlichen Beginn des Naturschutzgebiets Ammerleite, das sich auf beiden Seiten der Ammer erstreckt. Das 76 Hektar große Naturwaldreservat mit Quellrinnen und Schluchtwäldern wurde erst 2016 ausgewiesen. Unterhalb der Acheleschwaig befindet sich das Kammerl, das älteste Wasserkraftwerk für die Bahnstrom-Erzeugung, das 1901 erbaut wurde. Auch die Scheibum und die Schleierfälle direkt an der Ammer sind lohnenswerte Wanderziele, zu dieser Jahreszeit aber noch sehr schattig und feucht.

Die Hofkapelle

Der Name Acheleschwaig, schon 1480 erstmals erwähnt, kommt auch von den steil abfallenden, rutschgefährdeten Hängen und den drei Bächen – Achen – die hier zur Ammer hinabfließen. Eine Schwaige bezeichnet einen Viehhof. Seit dem späten Mittelalter war das Gut Acheleschwaig im Besitz des Klosters Ettal und dessen größter Klosterbesitz, der bis zu 40 Tagelöhnern Arbeit bot. Nach der Säkularisation wurde die Landwirtschaft weiterbetrieben und dazu eine Militärpferdezucht eingerichtet. Später war das Hofgut auch ein Nebenbetrieb des Gestüts Schwaiganger, bis es dann brachlag und erst vor gut einem Jahrzehnt renoviert wurde.

Das historische Wirtshaus Acheleschwaig ist derzeit pandemie-bedingt noch geschlossen, aber der Hofladen hat Freitag und Samstag jeweils von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen:

Die Wanderung von der Acheleschwaig zur Scheibum führt auch am Historisches Bahn-Wasserkraftwerk Kammerl vorbei, an dem derzeit umfangreiche Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden. Schon 1904 wurde hier Strom erzeugt, um den regelmäßigen Zugverkehr auf der Eisenbahnstrecke Murnau-Oberammergau zu ermöglichen. Dieses Bahnstrom-System wurde über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt und in ganz Mitteleuropa und Skandinavien kopiert. https://www.historisches-bahnwasserkraftwerk-kammerl.de

Karte: Hofgut Acheleschwaig

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Karte: Hofgut Acheleschwaig


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