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Alpine Orte der Kraft Säule im Himmel

Es gibt Berge, die man "Götterberge" nennen könnte. Dazu gehört zum Beispiel der Kailash in Tibet, der Olymp in Griechenland oder der Fujijama in Japan. Diese Götterberge gibt es auch bei uns, einer von ihnen ist der 2.047 Meter hohe Säuling.

Stand: 19.06.2018

Am hohen Säuling | Bild: BR, Georg Bayerle

Diese Berge stehen wie ein Solitär in der Landschaft, so als ob alle sichtbaren und unsichtbaren Strukturen in diesem Punkt kulminieren. Viele Menschen sind es gar nicht mehr gewohnt, Berge auf diese Art zu betrachten. Diese Götterberge gibt es auch bei uns, einer von ihnen ist der 2.047 Meter hohe Säuling, ein "alpiner Ort der Kraft".

Massive Kalkwände

Pyramidenförmig ragt der Säuling als westlicher Eckpfeiler der Ammergauer Alpen empor. Von Norden her gesehen fallen seine breiten Felsschultern und die felsige Gipfelkuppe mit der darunter liegenden grünen Gamswiese ins Auge.

Landmarke im Königswinkel

Im historisches Bergwerk.

Schon den Römern hat der Säuling auf dem Weg von Augsburg zum Fernpass als Landmarke gedient. Hier, im Ostallgäuer Königswinkel, erfolgt geologisch gesehen zu Füßen des Säuling der abrupte Übergang vom Voralpenland ins Hochgebirge. Wer bei guter Sicht von der Zugspitze aus zum Säuling blickt, den erinnert der Berg fast an einen über der Landschaft aufragenden Vulkan, der vor allem am Abend das Licht einfängt und dunkelrot glüht.

Erzhaltiges Gestein.

Von Füssen aus gesehen steht im Winter am späten Nachmittag die Sonne hinter dem Säuling, so dass sich bei feuchter Luft die Silhouette des Gipfels in den Wolken abzeichnet. Brocken-Gespenst heißt dieses optische Phänomen – oder sind es doch Schatten der Hexen, die laut Sage seit jeher um den Gipfel tanzen?

Tiefblick aufs Märchenschloss.

Rund 1.000 Meter über Schloss Neuschwanstein liegt der legendäre Hexentanzplatz auf dem Säuling, plateau-artig aufgespannt auf dem Massiv des Berges, hoch erhoben über dem Lechtal und dem Ostallgäu, gleich einem riesigen natürlichen Altar zwischen Himmel und Erde. "Seiling", der alte Name des Berges erinnert an die Himmelssäulen, an einen Berg, der die Wolken durchstößt, an einen heiligen Berg einer andersgläubigen Vorzeit.

Die Hexabödele unterm Gipfel.

Weit und breit gibt es kaum einen anderen Gipfel, der mit so vielen Geschichten aufgeladen ist. Auch dem heiligen Magnus muss der Säuling wie der Berg Sinai des Allgäus erschienen sein. Der Legende nach geht der Erzabbau im Füssener Land auf den großen mittelalterlichen Kulturbringer und dessen Besuch auf dem Säuling um das Jahr 750 zurück. Am Älpeleskopf unterhalb des Säuling gibt es noch die alten Stolleneingänge.

Am Gipfel.

Auch Königin Marie, die bergbegeisterte Preußenprinzessin, hat mit ihren beiden Söhnen Ludwig und Otto den Säuling von der Bleckenau aus über die Nordseite bestiegen. König Ludwig II. hatte stets eine ganz besondere Beziehung zu diesem markanten Berg, der seine Felsschultern wie einen Schutzmantel um das Märchenschloss legt.

Blick auf die "Tannheimer Dolomiten".

Nach dem Tod des Königs ließ der Postmeister von Reutte in Tirol am Todestag von Ludwig immer eine schwarze Fahne auf der Tiroler Seite des Säulinggipfels flattern – zum Ärger der bayerischen Antimonarchisten.


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