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Der Kofler zwischen den Wänden im Ahrntal Besuch auf einem ungewöhnlichen Bergbauernhof

Bis 1999 führte nur ein schmaler Steig zu einem der entlegensten Bergbauernhöfe in Südtirol. Zu Fuß musste man die letzten eineinhalb Kilometer von Ahornau bei Sand in Taufers zum „Kofler zwischen den Wänden“ zurücklegen. Für die Einkäufe gab es eine Lastenseilbahn. Erst seit 18 Jahren führt eine Straße zum Hof hinauf.

Von: Andreas Pehl

Stand: 16.08.2018

Der Kofler zwischen den Wänden im Tauferer Ahrntal  | Bild: BR; Andreas Pehl

Christina und Karl Hecher bewirtschaften den Hof, der wegen seiner extremen Lage viele Besitzerwechsel erlebt hat, inzwischen schon in der dritten Generation.

Steil fällt das Gelände ab mit einer Neigung von bis zu 60 Grad

Die Arbeit im steilen Gelände ist mühsam, die Witterungsbedingungen sind hart. Gras kann hier nur zweimal pro Jahr gemäht werden, unten im Tal können es bis zu vier Heuernten sein. Zudem ist die Fläche begrenzt. Teilweise 60° Hangneigung haben die Almwiesen, die früher als Acker zur Selbstversorgung dienten. Auch wenn die Kartoffeln auf dem Acker noch liegenblieben, wie sich Christina erinnert, die Bälle rollten beim Spielen immer wieder in den Abgrund und waren auf nimmer Wiedersehen verschwunden. Bevor im Jahr 2000 eine Straße in den Berg geschlagen wurde, musste die Familie Hecher alles zu Fuß oder mit der kleinen Lastenseitbahn zum Hof transportieren. Jeder Besucher musste diese Strapazen auf sich nehmen, jeder Arztbesuch war beschwerlich.

Die Hofschänke ist ein wichtiges Standbein der Familie und hat inzwischen einen sehr guten Ruf auch bei den Einheimischen

Einer der Söhne wird den Betrieb weiterführen, dank einer inzwischen gut eingeführten Hofschänke und dem klugen Einsatz hofeigener Produkte wie Graukäse und Butter, dazu Eier, Milch, Beerensaft aus dem Garten, Berghonig, Speck und Würste vom eigenen Schwein, Rindfleisch vom steilgeländetauglichen Tiroler Grauvieh. Das schätzen auch die Einheimischen, die hier gern zur Einkehr vorbeikommen.

Der Alte Hof wurde erst kürzlich im alten Stil teilweise neu gebaut

Die Straße, der Neubau der Hofschänke in den 1980er Jahren, dem die kleine Kapelle weichen musste, der teilweise Abriss und Neubau des alten Hofes mit nun vier Ferienwohnungen - all das sind gravierende Veränderungen, die den Bestand der Hofstelle weiter sichern. Niemand mag mehr wie Christine anderthalb Stunden Fußmarsch bergab zur Disco in Kauf nehmen, und so bleiben nur noch die Erinnerungen wach an die Zeit, als man den Kofler zwischen den Wänden nur mühsam zu Fuß erreichen konnte. Erinnerungen in Bildern und in Erzählungen, zum Beispiel in Aldo Gorfers Dokumentation „Die Erben der Einsamkeit“ aus dem Jahr 1973. Eindrücklich ist hier beschrieben und fotografisch dokumentiert wie der Pfarrer damals zu Fuß einen Versehgang zum Hof auf schmalem Steig zwischen den Wänden absolvieren musste und dabei ins Fluchen kam ...

Heute gibt es vom Hof aus viele Wandermöglichkeiten, Kinder dürfen im Stall mithelfen, auf dem hauseigenen Haflinger ausreiten oder Kaninchen und Katzen streicheln. Wer lieber den blanken Felsen in der Hand hat, der kann sich im Klettergarten versuchen, der an die 30 Routen zwischen dem IV. und VI. Grad zu bieten hat. Ein schöner Weg führt von Winkel bei Sand aus an den majestätischen Reinbachfällen vorbei hinauf zum Kofler. Mehr Informationen gibt es unter www.kofler-zd-waenden.com

Karte: Der Kofler

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Karte: Der Kofler


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