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Öden-Alpen, Silberdisteln und ein Fliegen-Gipfel Auf die Krinnenspitze im Tannheimer Tal

Die Krinnenspitze im Tannheimer Tal ist zwar „nur“ 2002 Meter hoch, aber ein exponierter, da ziemlich freistehender und somit höchst aussichtsreicher Berg. Der schrofige Gipfelgrat verläuft ziemlich genau von Ost nach West, die Nordseite der Krinnenspitze ist von feuchten felsigen Rinnen geprägt, die Südseite von besonnten Bergwiesenhängen. Auf halber Höhe kann man die Krinnenspitze auf gut markierten Wegen umrunden, doch den Gipfel dabei auszulassen, wäre äußerst schade.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 19.09.2020

Einen Mund-Nasen-Schutz hat mittlerweile wohl jeder im Rucksack. Am Gipfel der Krinnenspitze leistet die Maske nicht nur in Sachen Corona ganz besondere Dienste denn Myriaden von kleinen Fliegen umschwirren das Gipfelkreuz. Wer nicht gleich die Fleischbeilage der Brotzeit verschlucken möchte, ist gut beraten, kurz vor dem Gipfel die Maske aufzusetzen. So lässt sich dann der famose 360-Grad-Blick genießen:

Gaichtspitze, Zugspitze, Thaneller und Weißenbach im Lechtal

Vom Einstein und Aggenstein über die Tannheimer Dolomiten mit Rote Flüh, Gimpel, Kellespitze und Gehrenspitze schweift der Blick weiter über die Gaichtspitze hinweg zur Zugspitze und bis zu den Ötztaler und Pitztaler Gletschern. Im Süden ragen am Horizont die Lechtaler Alpen auf, im Westen bannen Lailachspitze, Litnisschrofen und der Hochvogel den Blick. Kein Wunder also, das nicht nur ein Ehepaar aus Kaufbeuren, sondern auch eine frischgebackene Familie aus Wien mit ihremrhem zehn Monate alten und friedlich in der Kraxe schlafenden Mädchen zu den Wiederholungstätern in Sachen Krinnenspitze zählt.

Qual der Wegwahl

Bester Ausgangspunkt für die Tour ist der Seeparkplatz in Haldensee. Von hier geht es hoch zur Krinnenalpe und weiter über den Gamsbocksteig nordostseitig auf den 2002 Meter hohen Gipfel, auf dem übrigens keine die Fliegen anziehenden Hinterlassenschaften von Gämsen zu sehen sind. Fliegen-Gipfel statt Fliegen-Pilz - vielleicht liegt’s ja an einer speziellen Thermik, die sich an den wiesenglatten Südabhängen der Krinnenspitze bildet und rund um das ebenfalls wärme abstrahlende Gipfelkreuz zu einer Art Kamineffekt führt. Die Gämsen jedenfalls sind auf etwas Anderes wild – auf die Sbirken, die eine Stufe tiefer wachsen.

Die Nesselwanger Edenalpe

Zu Füßen der Krinnenspitze liegt der Gaichtpass, der das Tannheimer Tal mit dem Tiroler Lechtal verbindet und einst eine wichtige Verbindung für die Salzsäumer war. Weil wir beim durchaus schweißtreibenden Aufstieg über gut 900 Höhenmeter zur Krinnenspitze viel Salz verloren haben, lockt nun die Einkehr. Südwestseitig geht es hinab zur 1670 Meter hoch gelegenen Nesselwängler Edenalpe. Wirt Martin Thurner tischt deftige Tiroler Hausmannskost auf. Während die nicht weit entfernte Ödenalpe zu Grän gehört, liegt seine Edenalpe auf Nesselwängler Gebiet. Vorrang vor den Wanderern hat das Jung- und Milchvieh. An diesem Wochenende aber geht der Alpsommer fürs Vieh zu Ende. Am 22. September ist der kalendarische Herbstbeginn und das ist schon an den Abhängen der Krinnenspitze zu sehen: Silberdisteln glänzen wie kleine Sonnen im Gras und verkünden als zuletzt blühenden Pflanzen am Berg das Ende des Sommers. Mit dem Abstieg von der Edenalpe zum Haldensee endet auch unsere feine Tour auf die Krinnenspitze.

Noch ein kleiner Tipp für konditionsschwache bzw. etwas „faule“ Wanderer: Wer sich in Nesselwängle mit dem Doppelsessellift zur Krinnenalpe hochschaukeln lässt, der spart gut 500 Höhenmeter Aufstieg bzw. Abstieg. Die erste Bergfahrt ist um 9.15 Uhr die letzte Talfahrt um 15.45 Uhr.

Karte: Die Krinnenspitze im Tannheimer Tal

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Krinnenspitze im Tannheimer Tal


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