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"Vom Bordell ins Jurastudium" Filmemacher Max Kronawitter ausgezeichnet

Ein halbes Jahr lang hat Max Kronawitter Sandra begleitet, eine sensible Frau, die das Leben im Bordell zu einer streitbaren Aktivistin gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel gemacht hat. Nun wurde seine Reportage "Vom Bordell ins Jurastudium. Sandras Kampf gegen Menschenhandel" mit dem Journalistenpreis der Diakonie ausgezeichnet.

Von: Andrea Kammhuber, Redakteurin Religion und Orientierung

Stand: 03.08.2022 | Archiv

Max Kronawitter auf dem Deck des Theaterschiffes in Stuttgart | Bild: Heike Kunze

Mit einem Fest auf dem Theaterschiff in Stuttgart hat die Diakonie Baden-Württemberg am 21. Juli zum 20. Mal ihren mit 3.000 Euro dotierten Journalistenpreis verliehen. Für die Kategorie Fernsehen wurde Max Kronawitter für seinen Film über die Ex-Prostituierte Sandra Norak ausgezeichnet.

Der Film portraitiert eine junge Frau, die als Schülerin über das Internet in die Fänge eines Zuhälters geraten ist. Als ihr klar wird, dass sie einem "Loverboy" aufgesessen ist, ist es zu spät. Ihr Zuhälter kontrolliert sie, nimmt ihr das Geld ab. Schambehaftet kappt sie alle Verbindungen zur Welt außerhalb des Milieus.

Erst als nach mehreren Jahren ihr Körper rebelliert und ihr Zuhälter das Interesse an ihr verliert, gelingt ihr der Ausstieg. Sie jobbt, holt ihr Abitur nach und beginnt ein Jurastudium mit einem klaren Ziel: Sie will ihren Zuhälter vor Gericht bringen. Mühsam versucht sie das Drachen-Tattoo, das er ihr auf den Rücken hat brennen lassen, um sie als sein Eigentum zu markieren, wieder loszuwerden.

Kämpferin auf gesellschaftlicher und politischer Ebene

"Der Film ist sehr nah an der Protagonistin. Er beschreibt nachvollziehbar den Leidensweg und den Weg zurück in die eigene Selbstbestimmtheit", so die Begründung der Jury.

Die Preisträger und Preisträgerinnen eingerahmt von Oberkirchenrätin Dr. Annette Noller und Oberkirchenrat Urs Keller

"Uns ist wichtig, dass die Gesellschaft auch das Schwache und Verletzliche, die Wirkung ehrenamtlichen Engagements und die Arbeit sozialer Organisationen wahrnimmt." Die Jury des Diakonie Journalistenpreis Baden-Württemberg setzt sich zusammen aus Journalistinnen und Journalisten, Medienwissenschaftlern sowie Vertreterinnen aus Kirche und Diakonie.

Heute informiert Sandra Norak über die Hintergründe von Prostitution. In Schulen und Verbänden erzählt sie ihre Geschichte und beantwortet Fragen zum Rotlicht-Milieu. Sie kämpft auf gesellschaftlicher und politischer Ebene gegen Menschenhandel. Ihr Name ist ein Pseudonym. Sandra lebt an einem anonymen Ort. Die Zuhälter halten von ihrem Engagement freilich nichts.

"Max Kronawitter hat einmal mehr sein großes Gespür für Themen bewiesen und die Geschichte über Sandra Nowak so erzählt, dass sie einem nahegeht – ohne jede Form von Voyeurismus, mit großem Respekt für die Protagonistin. Gratulation an den Autor und die betreuende Redakteurin, Andrea Kammhuber!"

Ellen Trapp, Leiterin Programmbereich Kultur

Der Film wurde am 8. März 2022 in der Reihe "Echtes Leben" im Ersten gesendet. Dort ist er auch in der Mediathek zu finden:

Er wird aus aktuellem Anlass am 14. September 2022 um 19 Uhr in STATIONEN im BR Fernsehen wiederholt.


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