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Kurt Wilhelm Der Vielseitige

Kurt Wilhelm schrieb die Theaterfassung des Brandner Kaspar und war im BR für hunderte von Fernseh- und Hörfunkproduktionen verantwortlich. Er verfasste Romane, Essays und war Präsident der Münchner Turmschreiber.

Author: Sabine Rittner, Historisches Archiv

Published at: 6-3-2023

Kurt Wilhelm (1923-2009), Aufnahme von 1952 | Bild: BR / Lindinger

"Der Brandner Kaspar und das ewig Leben" ist das Kultstück in Bayern und eng mit dem Namen Kurt Wilhelm verbunden. Wilhelm schrieb die Theaterfassung nach der Erzählung seines Urgroßonkels Franz von Kobell und inszenierte es 1975 am Bayerischen Schauspielhaus, wo es über tausend Mal auf dem Programm stand. Am 24. Dezember 1975 war der "Brandner Kaspar" erstmals im Bayerischen Fernsehen zu sehen und auch dort ein Erfolg, was über zwanzig Wiederholungen zeigen.

Produktionen für jung und alt

Szene aus der Serie "Vater Seidl und sein Sohn" von 1976.

Bereits dieses eine Stück würde Kurt Wilhelm zu einem erfolgreichen Autor und Regisseur machen. Sein Name steht aber für mehr als 340 Produktionen im Fernsehen und knapp 230 Hörfunkproduktionen. Er schuf Sendereihen wie den "Fleckerlteppich", "Die Glückswelle" und die legendären "Brummlg’schichten" oder "Vater Seidl und sein Sohn", bearbeitete aber auch Kindersendungen für den Funk, wie 1947 "Die Abenteuer der Biene Maja" von Waldemar Bonsels. Ab den 1950er Jahren war Wilhelm einer der Fernsehpioniere und führte Regie in Operetten- und Opernfilmen.

Rundfunkgeschichte(n): Kurt Wilhelm erzählt über die "Brummlgschichten", die er erfunden hat.

Produzierte mit Karl Valentin

Kurt Wilhelm mit Sprecherinnen im Jahr 1948

Kurt Wilhelm kam am 8. März 1923 in München-Schwabing zur Welt. Er besuchte die Schule in München und Berlin, danach das Max-Reinhard-Seminar in Wien. Theatererfahrung sammelte er am Burgtheater, im Theater in der Josefstadt und ab 1943 in Stuttgart. Bereits als 22-jähriger kam er nach Kriegsende zu Radio München und arbeitete für das Hörspiel und Unterhaltungssendungen.

Mit Karl Valentin, dessen Humor vielen nach dem Krieg zu negativ war, produzierte er trotzdem einige Stücke und stand mit ihm vor dem Mikrofon. Später erinnert er sich: "Das mit dem Karl Valentin war, weil die Liesl Karlstadt zu der Zeit auf Tournee war". Sein Platz war bereits hinter dem Mikrofon und der Auftritt mit Valentin nur eine Episode.

Operninszenierungen für das Fernsehen

Als 1952 das Fernsehen in Bayern startete, wechselte Kurt Wilhelm hinter die Kamera. "Es gab natürlich keine Fernsehfachleute, niemand hatte Erfahrung. Wir haben das ja alles erst erfinden müssen."

Bei der ersten Sendung aus Bayern für das Deutsche Fernsehen, "Gärtnerin aus Liebe", ausgestrahlt am 6. November 1954, hatte Kurt Wilhelm die Redaktion (Regie führte Wilm ten Haaf). Ludwig Thomas "Erster Klasse" oder "Die Entführung aus dem Serail" entstanden unter der Regie von Kurt Wilhelm.

Marianne Koch und Kurt Wilhelm bei "Entführung aus dem Serail"

Bei Operninszenierungen für das Fernsehen entwickelte er seine eigene Methode, er überarbeitete die Dialoge und besetzte die Rollen doppelt. Es gab Sängerinnen und Sänger im Hintergrund, und zu sehen waren Schauspielerinnen und Schauspieler, die den Gesang glaubhaft darstellen mussten.

Es ging im Fernsehen nicht, wie Wilhelm feststellte, "dass der Tenor auf der Bühne um zehn Jahre älter ist, als der Bassist, der seinen Vater darstellte". Im ersten Singspiel, "Der Entführung aus dem Serail", stand dann Marianne Koch vor der Kamera und stellte die Constanze dar, die Musik kam vom Band.

Playback-Verfahren

Kurt Wilhelm 1957 bei den Proben zu "Don Giovanni"

Dieses Verfahren blieb nicht unkritisiert. Im Rundfunkrat wurde das Double bemängelt und eine "Technisierung der Oper" festgestellt. Ebenso stießen die Mehrkosten für eine zusätzliche "schauspielerische Besetzung" auf Unmut. Wilhelm blieb seinem Konzept treu und produzierte seine Opern weiter im Playback-Verfahren mit Schauspielerinnen und Schauspielern.

Es gab aber nicht nur den Hörfunk- und Fernsehmenschen, daneben machte sich Wilhelm auch als Autor einen Namen. Er schrieb über zwanzig Romane, Essays und eine vielbeachtete Biografie über Richard Strauss.

Kurt Wilhelm beendete seine Tätigkeit beim Bayerischen Rundfunk 1988, blieb aber im Münchner Kulturleben weiter aktiv. Bis 2000 war er Präsident der Autorengruppe Turmschreiber. Am 25. Dezember 2009 starb er in Straßlach.