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Michael Stiegler Eine Reporter-Legende aus Oberbayern

Michael Stiegler begleitete für den BR ein halbes Leben die Eröffnung des Oktoberfestes und wurde als "Wiesnreporter" weltberühmt. Er war aber auch ein Journalist, der in tausenden von Beiträgen und Sendungen über alles und jeden aus Bayern und der Welt berichtete.

Author: Historisches Archiv, Sabine Rittner

Published at: 21-12-2023

Michael Stiegler (1932-2002) beim „Bürgerforum“, 1988 | Bild: BR, Historisches Archiv, Sessner

Michael Stiegler kam am 7. April 1932 in München zur Welt. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Sein Ziel war es allerdings immer Journalist zu werden.

Der Hörfunkjournalist

Italienhilfe des Bayerischen Rundfunks nach der Überschwemmung in der Po-Ebene, 1966 | Foto: BR, Historisches Archiv, Lindinger

1959 begann Michael Stiegler beim Bayerischen Rundfunk.

Kurt Seeberger, der damalige Leiter des Zeitfunks, hatte seine Begabung erkannt und gab ihm auch ohne journalistische Ausbildung eine Chance beim Hörfunk. Im Januar 1959 war die erste Reportage von Michael Stiegler zu hören.

Es folgten Tausende von Sendungen, vom Minutenbeitrag bis zum Stundenfeature. Unvergessen war seine Reportage vom Olympia-Anschlag 1972, als er vom gescheiterten Versuch die Geiseln zu befreien berichtete.

1976 wechselte er in eine feste Anstellung als Redakteur und übernahm 1979 die Leitung der Redaktion Oberbayern. Auch hier blieb er seinem Credo treu, "Möglichst viel live im Hörfunk".
Im Fernsehen nutzte er ab 1978 seine Fähigkeit, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und moderierte 135 Ausgaben des "Bürgerforums" im Bayerischen Fernsehen.

Stiegler gab sein Wissen mit Leidenschaft auch an junge Kolleg*innen weiter. Unter anderem war er als Dozent an der Universität Eichstätt im Diplom-Studiengang Journalistik tätig oder gab Workshops bei den Volontariatsrskursen im BR oder für die interne Weiterbildung.

Der Wies’n-Reporter

Michael Stiegler und Oberbürgermeister Georg Kronawitter beim Anstich auf dem Oktoberfest, 1980er | Foto: BR, Sessner

Ab 1964 begleitet er 38 Jahre lang den Anstich vom Münchner Oktoberfest und wurde durch seine Live-Reportagen einem Millionenpublikum bekannt. Die Oberbürgermeister kamen und gingen, der "Stiegler" blieb.

Am 30. April 1997 ging Stiegler nach 40 Jahren beim Bayerischen Rundfunk zwar in den Ruhestand, der "Moderator neben dem Oberbürgermeister am Bierfaß“ blieb er aber noch bis 2002. Mit 70 Jahren war dann ein gutes Alter um aufzuhören, sagte er bei seinem Abschied im Schottenhammelzelt. Dass es endgültig sein letztes Oktoberfest sein sollte, ahnte niemand.

Die malende Rundfunklegende

Vernissage der Ausstellung „Sommerbilder“ mit Michael Stiegler, Karin Stoiber und Albert Scharf, 1993 | Foto: BR, Historisches Archiv, Sessner

In den 1980er Jahren entdeckte er eine weitere Leidenschaft. Der Mann der Worte begann zu malen.

Er liebte die Landschaftsmalerei und schuf hunderte Aquarelle, die er in Büchern und Ausstellungen präsentierte. Wie auch als Journalist bereiste er ganz Bayern und malte "Sommerbilder" aus den verschiedenen Regierungsbezirken.

Am 10. Januar 2003 starb Michael Stiegler überraschend in München im Alter von 70 Jahren.


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