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Richard Kolb Intendant für sechs Monate

Richard Kolb war von April bis Oktober 1933 Intendant der Bayerischen Rundfunk GmbH. Er galt als wichtiger Hörspieltheoretiker und wurde von Joseph Goebbels im Münchner Funkhaus persönlich eingeführt. Bereits ein halbes Jahr später erfolgte seine Abberufung.

Von: Historisches Archiv, Sabine Rittner

Stand: 09.01.2024

Richard Kolb (1891-1945), 1933 | Bild: BR, Historisches Archiv

Kindheit, Jugend und Studium

Richard Kolb wurde am 29. Juni 1891 in Bamberg geboren. Er absolvierte das humanistische Gymnasium und trat 1912 als Fahnenjunker beim 6. Bayerischen Feldartillerie-Regiment ein. Von 1913 bis 1914 besuchte er die Kriegsschule in München und wurde 1914 zum Leutnant befördert. Kolb war als Artillerie-Offizier Teilnehmer am Ersten Weltkrieg. 1919 schied er aus dem aktiven Dienst aus und studierte Chemie. Nach Ausrufung der Räterepublik in München im gleichen Jahr floh er aus der Stadt und stellte in Landsberg am Lech eine Artillerie-Abteilung beim Freikorps von Weckbecker auf und beteiligte sich an der Niederschlagung der Räterepublik in München. Kolb gehörte danach für kurze Zeit der Stadtkommandantur München an. Im Anschluss arbeitete er als Volontär bei den Süddeutschen Agrikulturwerken in München.

Bereits 1923 trat Richard Kolb der NSDAP bei, gab seinen Beruf auf, wurde erster Offizier in der neugegründeten Obersten SA-Führung und nahm 1923 an Hitlers Marsch auf die Feldherrnhalle teil. Wie viele andere Teilnehmer kam er kurzzeitig in Untersuchungshaft.

Arbeit beim Rundfunk

Von 1924 bis 1932 arbeitete er bei der Bayerischen Radiozeitung und wurde 1930 Hauptschriftleiter. Er verfasst dort Aufsätze unter dem Titel "Horoskop des Hörspiels", mit denen er sich einen Namen als wichtiger Hörspieltheoretiker seine Zeit machte.

Erster Betriebsappell des neuen Intendanten Richard Kolb im Großen Sendesaal (mehr bitte klicken)

1932 wurde Richard Kolb Sendeleiter der Funkstunde in Berlin und 1933 Intendant. Am 30. Januar 1933 organisierte er die Rundfunkreportage von den Fackelzügen zur Machtergreifung Adolf Hitlers. Wenige Monate später, am 19. April 1933, wechselte er als Intendant zur Bayerischen Rundfunk GmbH - wie der Sender von 1931 bis 1934 hieß - nach München.   

Sein Verständnis als Intendant und seine Vorstellung vom Programm beschreibt er im April 1933 in der Bayerischen Radiozeitung: 

"Wir haben den Mut, offen zu bekennen, daß wir dem Rundfunk eine ganz bestimmte Tendenz geben wollen. Nämlich die Tendenz: Deutschland. Deutsche Art, deutscher Geist, deutsches Gemeinschaftsgefühl, deutsche Kunst und deutscher Glaube, das sollen die Fundamente des Rundfunks sein."

Richard Kolb, Intendant (April bis Oktober 1933)

Bereits am 1. Oktober 1933 schied er beim Rundfunk in München wieder aus. Grund war unter anderem die angebliche Zugehörigkeit zum oppositionellen Strasser-Flügel der Partei, und seine Ansichten auf Brechung des Staatsmonopols beim Rundfunk, die im Gegensatz zur geplanten Gleichschaltung standen. Zum Verhängnis wurde ihm auch der Vorwurf, er hätte Kardinal Faulhaber zugesagt, die katholischen Belange bei der Leitung des Münchner Senders besonders zu berücksichtigen. Inwieweit die Anschuldigungen - hauptsächlich vorgebracht von Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky - den Tatsachen entsprachen, ist unklar. Offiziell wurde die Kündigung am 29. September 1933 begründet mit § 2, 4 und 6 der zweiten Verordnung der Durchführung des Gesetzes für die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 4. Mai 1933.

Vom Intendanten zum Major

Nach eigener Aussage lebte er 1934 und 1935 mit seiner Ehefrau in Berchtesgaden und betrieb "wehrwissenschaftliche Studien". 1937 erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Jena, obwohl ihm ein Hochschulabschluss fehlte. 1938 übernahm er eine Professur für Wehrgeschichte und Wehrphilosophie an der Universität Jena. Inzwischen war Kolb zum SS-Hauptsturmführer aufgestiegen.

1939 meldete sich Richard Kolb als Offizier zur Wehrmacht. 1941 wurde er als Kommandeur der Leichten Flag-Abteilung 91 im Dienstgrad eines Majors der Reserve ausgezeichnet. Nach der deutschen Niederlage nahm sich Kolb am 16. September 1945 in Bad Reichenhall das Leben.


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