Religion


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Lebensläufe David Morgenstern - erster jüdischer Abgeordneter

David Morgenstern: Der 1814 bei Erlangen geborene Jurist war der erste jüdische Abgeordnete im bayerischen Landtag.

Stand: 14.02.2016 | Archiv

David Morgenstern | Bild: Abbildung aus: Manfred Treml (Hg.), Geschichte und Kultur der Juden in Bayern

Bei der Demokratisierung Deutschlands war Frankfurt 1849 ein Meilenstein: Nach der Märzrevolution von 1848 tagte dort in der Paulskirche die Nationalversammlung, die erste frei gewählte Volksvertretung Deutschlands - bevor preußische Waffengewalt das Projekt Demokratie für lange Zeit erstmal wieder auf Eis legte. Dennoch erfasste das Land damals eine Aufbruchstimmung, die Entwicklungen zuließ, die vorher kaum denkbar schienen. Im Königreich Bayern zum Beispiel notierte man 1849 das Novum, dass mit David Morgenstern erstmals ein jüdischer Abgeordneter im bayerischen Landtag saß.

Eidesformel musste angepasst werden

Als der 35-jährige Morgenstern am 5. Februar den Eid als Parlamentarier seinen Wahlkreises Nürnberg schwor, war ein weiteres Novum nötig: Man änderte die Formel dahingehend, dass ein nicht-christlicher Kandidat den Zusatzschwur auf "sein heiliges Evangelium" weglassen konnte.

Vorkämpfer der Judenemanzipation

Lebenslauf

David Morgenstern kam am 7. März 1814 in Büchenbach zur Welt. Er war einer von rund 70 Juden der 630-Einwohner-Gemeinde bei Erlangen. In Fürth wurde er zum Kaufmann ausgebildet, danach studierte er Jura in Erlangen und Würzburg. Den Doktor bestand er 1846 mit maxima cum laude. Danach zog er nach Fürth um, um seine politische Tätigkeit aufzunehmen. Bereits 1848 kandidierte er zum ersten Mal für den bayerischen Landtag, zwischen 1849 und 1855 gehörte er ihm als Abgeordneter an. Danach wechselte er als Justiziar in eine Nürnberger Bank, bevor er drei Jahre später wieder nach Fürth zurückzog, um Teilhaber der Folienfabrik seines Bruders zu werden. 1861 übernahm er das Unternehmen ganz. Am 2. November 1882 starb Morgenstern im Alter von 69 Jahren. Er hinterließ eine Frau und 13 Kinder.

Wahlrecht für Juden

Als Parlamentarier focht Morgenstern für die Rechte der Juden, auch für deren Wahlrecht - lange vor der formalen Gleichstellung der Juden 1871. Aber Morgenstern beschränkte sich nicht auf das Engagement für seine Glaubensbrüder. So setzte er sich zum Beispiel auch für eine verbesserte Lage der Volksschullehrer oder für den Bau einer Eisenbahn von Nürnberg nach Regensburg ein. Aufsehen erregend war sein Auftritt 1855, als er gegen die Abschaffung des 1849 eingeführten allgemeinen Wahlrechts wetterte. Seine Rede hatte Erfolg: ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde abgelehnt. 1855 gab er seine parlamentarische Laufbahn auf. Als Politiker konnte man damals nicht unbedingt eine vielköpfige Familie ernähren. Daher wechselte er als Justiziar in ein Nürnberger Bankhaus.

Berufsverbot für radikalen Demokraten

Morgenstern war als "Achtundvierziger" ein unbequemer Politiker für die Obrigkeit. Schon als Student der Rechtswissenschaft war er Mitglied einer Burschenschaft - im Gegensatz zu heute war man damals damit in der Regel links. Morgenstern trat als Demokrat so radikal auf, dass ihm die bayerische Regierung die Zulassung als selbständiger Rechtsanwalt verwehrte.

August Bebel (1840-1913), Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie

1849 gründete er den radikal-demokratischen "Fürther Volksverein", dem vor allem das politisch interessierte Bildungsbürgertum beitrat. Schon 1850 wurde der Polit-Club verboten, 1865 konnte ihn Morgenstern aber wiederbeleben. 1863 gehörte er zu den Mitbegründern der liberalen Fortschrittspartei in Bayern.

In den späten 1860er-Jahren begab sich Morgenstern in das Umfeld der beginnenden deutschen Sozialdemokratie. 1869 nahm er am "Allgemeinen Deutschen sozial-demokratischen Arbeiterkongreß" in Eisenach teil. Dort begegnete er auch August Bebel und Wilhelm Liebknecht, die im selben Jahr die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei" SDAP gründeten, die Vorläuferin der heutigen SPD.


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