Kultur - Kunst und Design


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Gerhard Richter Maler ohne Markenzeichen

Trotzdem man seine fotoähnlichen Bilder an Richters unscharfer Handschrift überall wieder erkennt, charakterisieren sie sein Schaffen nicht - sie werden nie zu einem Markenzeichen wie beispielsweise Warhols Siebdrucke.

Stand: 27.10.2011 | Archiv

Kölner Domfenster, 2007 | Bild: picture-alliance/dpa

Trotzdem man seine fotoähnlichen Bilder an Richters unscharfer Handschrift überall wieder erkennt, charakterisieren sie sein Schaffen nicht - sie werden nie zu einem Markenzeichen wie beispielsweise Warhols Siebdrucke.

1024 Farben, 1974

Schon früh, 1966, entstehen erste Farbtafeln: ein krasser Bruch in Richters Bildsprache. Zwar liegen ihnen noch Vorlagen zugrunde - die Farbmusterkarten aus dem Laden, wo Richter seine Malutensilien kauft - doch führen sie ihn bereits weg von den allzu gegenständlichen Fotobildern. Um sich noch weiter von ihnen zu distanzieren, malt Richter einfarbig. 1985 blickt er in einem Interview auf diese Zeit zurück: "Meine Bilder wurden immer unpersönlicher und allgemeiner, bis nichts mehr übrig blieb als monochromes Grau oder Farben nebeneinander." Richter spürte allerdings, dass ihn Werke wie "Grau" von 1975 künstlerisch ebenfalls nicht weiterbringen würden.

Überraschend bunt, überraschend Richter

Seit 1976 malt Richter abstrakte Bilder. Während seine Fotobilder grau in grau oder nur verhalten farbig waren, explodieren die Farben in den abstrakten Arbeiten. Doch auch hier geht es zunächst nicht ohne den sicheren Halt einer Vorlage, auch wenn Richter sich da ein wenig selbst austrickst. Er fertigt kleinformatige abstrakte Skizzen an, fotografiert sie ab und nimmt die Fotos als Vorlagen für großformatige abstrakte Bilder. Er weiß aber, dass er sich von diesem kompositorischen Ansatz lösen muss und entwickelt seine abstrakte Bildsprache weiter.

Planlosigkeit als Arbeitsprinzip

Blau, 1988

Jahre später kommentiert er seinen Arbeitsprozess in seinen Notizen: "Wenn ich ein Abstraktes Bild male, weiß ich weder vorher, wie es aussehen soll, noch während des Malens, wohin ich will, was dafür zu tun wäre." Das klingt kokettierend, aber im Prinzip verdeutlicht es die tendenzielle Planlosigkeit, die jedem Malprozess vorausgeht. Als ob Richter seine Gedanken nicht beim Sprechen, sondern beim Malen verfertige, lässt er dem Zufall einen gewissen Spielraum - aber nicht völlig freie Hand. Auch wenn Richter sagt, er wüsste nicht, wohin er will. Er weiß ziemlich genau, wohin er nicht will: ins Festlegbare. Damit lenkt er den Zufall doch in die Bahnen seines künstlerischen Willens.

Die abstrakten Gemälde bilden heute den umfangreichsten Komplex in Richters Werk. "Absolut" zu malen bringt ihn den eigenen Ansprüchen an seine Kunst am nächsten. Richters Lieblinssatz von John Cage lautet: "Ich habe nichts zu sagen, und das sage ich." Diesem Motto hat Richter versucht, in seiner Malerei nachzueifern, und in Anbetracht seines umfangreichen Werkes tritt tatsächlich eine gewisse Analogie zutage. Richter hat keinen Stil, aber davon eine ganze Menge.


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