Bayern 2 - Zündfunk

Stefanie Schrank "Für uns hinterm Berg waren die 'Schlachtrufe BRD' State of the Art"

Abseits der Locas In Love dreht Stefanie Schrank mit ihrer neuen Solo-EP „Schlachtrufe BRD“ auf - benannt nach einer der berühmtesten deutschen Punk-Samplern. Ein Interview über Schlachtrufe, die sie geprägt haben und was hat eigentlich Philip Seymour Hoffman mit einem der Tracks zu tun?

Author: Achim Bogdahn

Published at: 25-4-2024

Sängerin Stefanie Schrank | Bild: Ansgar Hiller

Stefanie Schrank, die Bassistin und Stimme hinter der legendären Indie-Krautrock-Band Locas in Love, präsentiert ihre Solo-EP "Schlachtrufe BRD" – einen facettenreichen Mix aus Krautrock, Indie Pop, 80s-Electronic Music, der sowohl ihre musikalischen Anfänge als auch ihre aktuelle kreative Freiheit reflektiert. Die EP, eine Hommage an ihre musikalische Vergangenheit mit Einflüssen aus Deutschpunk und den ikonischen "Schlachtrufe BRD" Samplern. Trotzdem findet sich eher weniger Punk-Musik auf dem Album. Ein Widerspruch? Für Stefanie Schrank überhaupt nicht!

Zündfunk: Zunächst mal herzlichen Glückwunsch! Dein neues Werk ist bei uns Album der Woche.

Stefanie Schrank: Ja, wie schön. Ich habe mich sehr gefreut. 

Und das, obwohl es ja eigentlich nur eine EP ist. Also Extended Play, im Grunde eine verlängerte Single mit nur acht Tracks. Also das macht es ja ganz besonders.

Ja, stimmt, ich freue mich auch wirklich! Genau, es ist eine Zwischenform. Ich bezeichne es auch gar nicht als mein zweites Album. Es ist eine Sammlung von Songs aus unterschiedlichen Phasen: Also von 2019, quasi im Fahrwasser des letzten Albums entstandene Songs, bis zu den ganz aktuellen. Ich habe die zusammengepackt auf diesen Tonträger und dann mit dem Anlass der Record Store Days veröffentlicht. Das fand ich ganz passend, weil der Record Store Day feiert, dass es physische Tonträger gibt und Orte, an denen die verfügbar sind. Für mich ist es immer nicht so befriedigend und auch nicht interessant, Musik nur digital zu veröffentlichen, weil ich gerne etwas Objekthaftes in die Welt stelle, das dort losgelöst von mir sein Eigenleben aufnehmen kann.

Viele bei uns kennen dich noch als Bassistin und auch als Stimme der Band Locas in Love. Was wurde aus der Band? 

Ja, die ist einfach eine wahnsinnig langsame Maschine, aber die gibt es. Wir schreiben an neuen Songs! Wir sind Anfang des Jahres umgezogen in neue Räumlichkeiten, das hatte uns so ein bisschen ausgebremst. Wir wurden da ganz blöd rausgeschmissen aus unserem alten Studio und das Gebäude hat den Eigentümer gewechselt, aber die Band Locas In Love existiert, und wir machen noch was.

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Stefanie Schrank - Schlachtrufe BRD (Official Video) | Bild: staatsakt label (via YouTube)

Stefanie Schrank - Schlachtrufe BRD (Official Video)

Dein Album heißt "Schlachtrufe BRD" und ist zugleich auch der Titel einer Sampler Serie, die es in den 90ern gab. Da waren dann so Bands drauf wie Normahl oder die Boskops mit so Titeln wie "Pflasterstein, flieg!" oder "Bulle halt’s Maul!"

Die waren einfach around. Ich konnte mir die immer ausleihen vom Metalfan in meiner Klasse. Das hat mich schon sehr erreicht in meiner Teenage-Angst und Wut und Langeweile und Verzweiflung. Das ist ja auch so eine bestimmte Art von Deutschpunk, die auf diesen Samplern zusammengefasst war, aber das hat mich einfach erreicht und ich fand das toll, dass da sich geäußert wird, in der Art und Weise, in der ich das einfach so nachfühlen und dann eben auch mitgrölen kann! Ich habe die natürlich auch gewählt, weil diese Sampler ja einfach in vielen Musikbiografien auftauchen. Ich weiß jetzt nicht, ob du auch Jugendlicher in den 90er Jahren in der Provinz warst?

Ich habe in der Stadt gewohnt, aber ich kenne sie trotzdem.

Du kennst sie trotzdem! Ich hab das auch deshalb gesagt mit der Provinz, weil ich das Gefühl habe, dass die auch so ein bisschen so ein Produkt extra für die Provinz waren. In den Metropolen sind schon ganz andere Sachen passiert, aber für uns hinterm Berg waren die "Schlachtrufe BRD" State of the Art.

Musikalisch geht das, was du machst, ja in eine ganz andere Richtung. Mit Punk hat das nichts zu tun. Also ich finde, so einen leichten Krautrock-Touch, den spürt man schon auf deiner EP! Es gibt eine Nummer, die heißt "Amöbe", die ist sieben Minuten lang, das hat schon was eher repetitiv Aufbauendes. Es gibt auch einen Song, "All Out Of Love", das ist eine Ballade von von Air Supply im Original. Einige verblüfft, dass du den Song gewählt hast.

Ich kenn den Song aus einem Film, den ich sehr mag: "Happines" von Todd Solondz, da gibt's so eine anrührende Szene mit Philip Seymour Hoffman und seitdem kenne und liebe ich diesen Song! Und ja, das ist einfach ein großer Hit und ich mag Hits! I mean who doesn’t? Auch mit meinen Locas in Love haben wir ja immer gerne gecovert. 

Stefanie, jetzt ist das Ganze hier ein Solowerk und du hast ja schon gesagt, eigentlich ein Sammelsurium aus Dingen, die sich so in den letzten Jahren bei dir angehäuft haben. Ist es denn denkbar, dass du das auch live spielst?

Ja, ich bin auf Tour gewesen und komme auch tatsächlich nach München, also Mitte Mai. Ja, ich spiele das auch live. Das ist natürlich anders, als mit der Band aufzutreten. Ich hab dann so ein paar Geräte und benutze auch Backing-Tracks und musste mich da erst daran gewöhnen, dass dann vieles vom Band kommt, teilweise dann auch eine zweite Stimme ganz geisterhaft erklingt, die ich gar nicht in dem Moment selbst singe, aber das macht gerade ziemlich viel Spaß!