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Erasmus von Rotterdam Glossar

Published at: 23-9-2012 | Archiv

BegriffErklärung
AntikeDas griechisch-römische Altertum (seine Kultur, seine Geschichte u.a.) etwa 500 v.Chr-500 n.Chr.
BistumLandschaft inHerrschaftsbereich eines katholischen Bischofs. Im 16. Jahrhundert beschränkten sich seine Befugnisse nicht wie heute auf den geistlichen Bereich, sondern umfassten auch weltliche Rechte (Gerichtsbarkeit, Steuern u.a.). Israel zur Zeit Jesu, vermutlich am Jordan
DispensBefreiung von einer bestimmten Pflicht oder Aufgabe.
FanatismusLeidenschaftlicher Einsatz für eine Idee, ein Projekt o.ä., Besessenheit.
FürstAlthochdeutsch "furist" = der Vorderste. Im 15./16.Jahrhundert weltliche oder geistliche Reichsherrschten (Kurfürsten, Grafen, Herzöge, Bischöfe u.a.), die über ein mehr oder minder großes Gebiet regierten, das ihnen vom König als Lehen überlassen worden war.
HumanismusLateinisch humanitas: Menschlichkeit, Bildung. Geistige Strömung, die sich im 14. Jahrhundert aus der italienischen Renaissance entwickelte und nach der freien Entfaltung des Individuums im Sinne der (idealisierten) klassischen Antike strebt. Der Mensch und das irdische Leben rücken wieder in den Mittelpunkt, im Gegensatz zur damaligen christlichen Auffassung, dass der Mensch nur für das Jenseits lebe. Erasmus von Rotterdam suchte den Ausgleich zwischen H. und Christentum. Die Humanisten erforschten sehr intensiv die Schriften und die Kultur der Antike, die im Mittelalter weitgehend in Vergessenheit geraten waren. Sehr bedeutsam war es, dass sie das Quellenstudium forderten, also die Arbeit mit den originalen Schriften in Griechisch und Latein und keine Übersetzungen.
KosmopolitGriechisch: der Weltbürger. Jemand, der sich auf der ganzen Welt zu Hause fühlt und für fremde Kulturen und Gedanken sehr offen ist.
MystikGriechisch "mystikos" = geheim. Das Bestreben Gott unmittelbar zu begegnen, indem man sich in sein eigenes Wesen versenkt. Der Kontakt zum Schöpfer soll nicht vorrangig durch Glauben oder Wissen erreicht werden, sondern durch das direkte Erleben Gottes. Im Mittelalter Gegenbewegung zur Scholastik. Bedeutender Mystiker in Deutschland war Meister Eckhart.
ReichsachtVom König verhängte Acht. Die Reichsacht war im Mittelalter ein Rechtsmittel, durch das jemand als vogelfrei erklärt wurde, das bedeutet, dass er keine Rechte mehr besaß und von jedem beraubt oder getötet werden konnte. Der Umgang mit einem Geächteten war verboten und konnte zur eigenen Ächtung führen.
ReichstagBeratende und gesetzgebende Gewalt des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, mit der der König um die Macht im deutschen Reich konkurrierte. Der Reichstag bestand aus den drei Kammern, den Kurfürsten, die den König wählten, den restlichen Fürsten und den Reichsstädten.
ReliquieIn der katholischen Kirche: Überrest von dem Körper eines Heiligen oder eines Gegenstandes, der mit diesem in Verbindung gebracht wurde. Besonders im 16. Jahrhundert gab es eine ausgiebige Reliquienverehrung in Deutschland.
SakramentIn den christlichen Kirchen eine bestimmte heilige, Gnaden vermittelnde Handlung. Die katholische Kirche kennt 7 Sakramente u.a. die Taufe.
ScholastikLateinisch "scholasticus" = schulmäßig. Philosophie des Mittelalters, die versuchte den kirchlichen Glauben so weit als möglich mit der Vernunft zu erfassen. Der Glaube an Gott sollte logisch begründet werden. Blütezeit: 11.-14. Jahrhundert. Bedeutendster Vertreter: Thomas von Aquin. Gegenbewegung: Mystik.
95 Thesen über den AblasshandelAufgebracht über den Ablasshandel, also den kirchlichen Verkauf von Seelenheil gegen Geld, formulierte Luther 1517 95 Thesen dagegen. Er wollte damit die Grundlage für eine Disputation über den Ablass schaffen, das bedeutet eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zwischen den Gelehrten. In kürzester Zeit jedoch verbreiteten sich diese 95 Thesen in ganz Deutschland und wurden zum Sinnbild der Kritik gegen die Missstände in der katholischen Kirche.
Wormser EdiktLuther sollte auf dem Reichstag zu Worms 1521 seine Schriften widerrufen, in denen er seine eigenen Glaubensvorstellungen kundgetan hatte, die teils im Widerspruch zu dem offiziellen Glauben der katholischen Kirche standen. Da er dies nicht tat, wurde im Wormser Edikt die Reichsacht über ihn verhängt.

Personen

NameWerdegang
Dürer, Albrecht (1471-1528)Bedeutender deutscher Maler, Zeichner, Kupferstecher und Holzschneider. Lebte und wirkte in Nürnberg. War dem Luthertum zugeneigt.
Erasmus von Rotterdam (1465-1536)Desiderius (Gerhard Gerhards). Der Niederländer gilt als berühmtester Humanist. Sieht das Bildungs- und Lebensideal in der Verbindung von Antike und Urchristentum. Kritisierte die Kirche, lehnte aber den Fanatismus und die Massenbewegung der Reformation ab. Er versuchte zwischen den Konfessionen zu vermitteln. Bedeutende wissenschaftliche Leistungen, u.a. die Herausgabe einer lateinisch-griechischen Fassung des Neuen Testaments, die Grundlage für Luthers Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache wurde.
Holbein, Hans der Jüngere (1498-1543)Deutscher Maler, neben Dürer Hauptmeister der deutschen Renaissance. Sehr bedeutend sind seine Porträts u.a. von Erasmus.
Karl V. (1500-1558)Sohn Johannas der Wahnsinnigen von Spanien und Philipps von Burgund. Durch glückliche Familienpolitik vereinte dieser Habsburger unter sich ein ungeahntes Weltreich, das sowohl die spanischen, österreichischen als auch burgundischen Besitzungen umfasste. 1519 schließlich zum König des deutschen Reiches gewählt.
Luther, Martin (1483-1546)Deutscher Reformator. Begründer des lutherischen Protestantismus. Seit 1505 Mitglied des Erfurter Augustinerklosters. Promovierte 1512 zum Doktor der Theologie und lehrte seither an der Wittenberger Universität. Seine entscheidende theologische Neuerung bestand darin, dass er glaubte, der Mensch komme nicht durch seine Werke oder die kirchlichen Sakramente zum göttlichen Heil, sondern durch seinen echten Glauben und der Gnade Gottes.
Morus, Thomas (1478-1535)Englischer Humanist und Staatsmann aus London. 1935 als Märtyrer heilig gesprochen. Er war 1535 enthauptet worden, da er die Oberhoheit des englischen Königs Heinrichs VIII. über die englische Kirche nicht anerkannt hatte. Gegner der Reformation.
Zwingli, Ulrich (1484-1531)Schweizer Pfarrer und Reformator. Nach dem Streit über die theologische Bedeutung des Abendmahls Bruch mit Luther. Aufbau einer neuen Kirchenordnung in einigen Kantonen der Schweiz. Im Kampf gegen die katholischen Kantone 1531 gefallen.

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