Bayern 2 - radioWissen


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Marie von Bayern Das Thema

Stand: 25.07.2019 | Archiv

Die preußische Prinzessin

Schön, fröhlich, fügsam: Marie von Bayern mit etwa 16 Jahren

Der bayerische Kronprinz Maximilian hat lange nach der richtigen Braut gesucht; er findet sie in der 16-jährigen hübschen Cousine des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., mit vollem Namen: Friederike Franziska Auguste Marie Hedwig. Der protestantische Glauben stellt kein Hindernis dar. Alle Frauen der bayerischen Könige waren Protestantinnen. Der Prokura-Trauung in Berlin folgt das große Hochzeitsfest im Oktober 1842 auf der Theresienwiese. Die hat ihren Namen 1810 von Maries Schwiegermutter bekommen. Ludwig I. ist von seiner hübschen Schwiegertochter mit den schwarzen Haaren und blauen Augen begeistert. Der Frauenkenner lässt sie malen und in seine Schönheitengalerie aufnehmen. Was nicht nur ihm gefällt: Marie besitzt ein sanftes, fügsames Wesen, ist fröhlich, freundlich und unkompliziert, wenn auch keine Intellektuelle. 1845 schenkt sie dem Königreich Bayern einen Thronfolger, den späteren Ludwig II.; 1848 wird Otto, ihr zweiter Sohn geboren.

Die bayerische Königin

Hohenzollern und Wittelsbach glücklich vereint, Preußen und Bayern Hand in Hand, so die begeisterten Stimmen bei der Hochzeit Maries und bei der Geburt des Thronfolgers. Die Politik blieb davon weitgehend unberührt, doch Marie und Maximilian, der 1848 seinem Vater auf den Thron folgte, führten eine glückliche Ehe. Die Flitterwochen verbrachten sie auf dem Schloss Hohenschwangau in den Allgäuer Bergen. Die Liebe zu den Bergen verband beide besonders sowie ein seelischer und religiöser Gleichklang. Doch anders als der studierte König hatte Marie keine wissenschaftlichen Interessen. Zwar führte sie eine umfangreiche Korrespondenz, aber gelesen hat sie wenig. Ihr Sinn ging mehr ins Praktische.

Die Bergsteigerin

Marie von Bayern im Alter - deutlich beleibter

Was Marie über alles liebte: Wandern und Bergsteigen. Wagemutig und schwindelfrei erklimmt sie viele Gipfel der heimischen Berge. Sie wird die erste bayerische Alpinistin und gründet 1844 gar einen eigenen Verein, den Alpenrosenorden, für alle, die den "Achsel" bei Füssen bestiegen haben. Nach dem Tod ihres Mannes 1864 verbringt sie einen großen Teil ihrer Witwenzeit in Elbigenalp, einem kleinen Tiroler Dorf im Lechtal, südlich von Oberstdorf. Ein reicher Verleger, der Marie bewundert, vererbt ihr ein großes Haus. Doch sie geht nicht mehr in die Berge, weil sie zu schwer geworden ist.

Die "Gebärmaschine" und ihr Sohn, der "Märchenkönig"

Am Tisch mit den beiden Söhnen Ludwig (li.) und Otto (re.)

Marie zieht sich auch deshalb nach Elbigental zurück, weil der gemeinsame Aufenthalt mit ihrem Sohn Ludwig in Hohenschwangau unerträglich ist. Die beiden haben ganz unterschiedliche Neigungen und Vorlieben. Vom "Märchenkönig" sind die Aussagen überliefert, sie sei "die preußische Gebärmaschine", sie habe "kein einziges Buch" in ihrem Leben ganz gelesen und die Burg in Hohenschwangau werde "entweiht durch die Prosa meiner Mutter". Doch das Verhältnis von Mutter und Sohn war weit besser als diese Aussprüche vermuten lassen. "Meine Mutter, die Königin verehre ich, liebe sie, wie es sein muss, …" schreibt der König in einem Brief. Vor allem seine Lebensweise machte ein Zusammenleben unmöglich: Ludwig II. war besessen von der Musik des Komponisten Richard Wagner und liebte es, sich mit Märchenwelten zu umgeben, zu denen ihn der französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715) inspirierte. Nachts ließ er regelmäßig in einer Kutsche ausfahren, mit prunkvoll im Barockstil geschmückten Reitknechten und Pferden.

Glaubenswechsel als Stein des Anstoßes

Was Ludwig II. auch gar nicht verstand: Warum seine Mutter 1874 zum katholischen Glauben übertrat. Naturgemäß verärgerte der Konfessionswechsel den protestantischen Vetter in Berlin, Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, der gerade einen Machtkampf mit dem Papst austrug. Die gläubige Witwe stand in Elbigenalp unter dem Einfluss des katholischen Ortspfarrers; ihr wurde auch eingeredet, die Geisteskrankheit ihres zweiten Sohnes Otto sei eine Strafe Gottes. Deshalb konvertierte sie. Otto lebte seit 1874 zuerst in Nymphenburg und seit 1885 im Schloss Fürstenried, bewacht von Wärtern. Ihr Sohn Ludwig II. ertrank 1886 im Starnberger See, angeblich auch geisteskrank. Marie starb 1889.

Das Manuskript zur Sendung Marie von Bayern Format: PDF Größe: 94,78 KB

Fragen und Antworten zur Sendung

Zur Nachbearbeitung im Unterricht oder als Hausaufgabe.

Fragen als PDF Format: PDF Größe: 97,13 KB

Fragen und Antworten als PDF Format: PDF Größe: 111,48 KB


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