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"Deutschland. Ein Wintermärchen"

Von: Ulrich Enzensberger

Stand: 20.02.2014 | Archiv

Deutsch und Literatur / GeschichteGy

Deutschland war für Heine eine immer wieder aufbrechende Wunde. Er, der 1831 wegen der politischen Repression, namentlich wegen der Zensur, ins Exil gegangen war, macht sich Ende 1843 noch einmal auf, sein Heimatland zu besuchen.

Erschütternd wird ihm das gleichsam im Winterschlaf befindliche Deutschland noch einmal vor Augen geführt. Es ist die politische Reaktion, die das Land beherrscht, und die politischen und sozialen Missstände könnten einem die Sprache verschlagen. Heine reagiert aber auf seine Art, er verarbeitet das Erlebte mit seinem großartigen Vers-Epos "Deutschland. Ein Wintermärchen". Es ist gleichzeitig Heines schärfste Satire auf das von politischer und sozialer Rückschrittlichkeit geprägte Deutschland. Dieses "höchst humoristische Reise-Epos", wie er an seinen Verleger Campe schreibt, zeigt seine besondere Art der literarischen Auseinandersetzung mit den politischen Zuständen in Deutschland.

Das Grab des deutschen Dichters Heinrich Heine auf dem Friedhof am Montmartre, Paris.

Sein politisches Engagement hatte Heine, den weitsichtigen Kritiker des deutschen Nationalismus, ins Pariser Exil geführt. Kurz nachdem sein "Buch der Lieder" ihn europaweit bekannt gemacht hatte, wurden die Zensurmaßnahmen gegen seine Schriften so unangenehm, dass ihm das Exil als der einzige Ausweg erschien. Hier radikalisierte sich sein Denken und Schreiben in den 1840er Jahren noch weiter.


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