Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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21. April 753 v.Chr. Gründung Roms

753 (vor Christus) kroch Rom aus dem Ei. Wussten schon die alten Römer. Oder doch nicht? Autor: Martin Trauner

Stand: 21.04.2021 | Archiv

21 April

Mittwoch, 21. April 2021

Autor(in): Martin Trauner

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Toller Tag heute. Der 21. April. Zumindest für die alten Römer. Denn die feierten damals. Aber so was von! Ein Frühlingsfest! Erst wurde geräuchert, mit den Suffimen: ein Konglomerat aus der Asche toter Kälber, dem Blut von Pferden und aus Bohnenstroh. Anschließend wurde geschlemmt. Höchst dekadent! – Alles zu Ehren der GöttIn (Gender "I") "Pales", Gott oder Göttin der Hirten. So genau weiß man das heute nicht mehr.  – Und was für ein Zufall, es gab noch mehr zu feiern, weil an diesem Tag auch noch die Stadt Rom Geburtstag hatte, also gegründet wurde. Oder gegründet worden sein soll.

753 schlüpft Rom…

Was aber auch die alten Römer lange Zeit nicht wussten: In welchem Jahr sollte das eigentlich genau gewesen sein, als der Legende nach Romulus den ersten Mauerstein gesetzt hatte? - Ja: Wir heutzutage, wir Siebengescheiten, wir wissen das! "Sieben – fünf – drei – da schlüpft Rom aus dem Ei!"  - 753 vor Christus. Schöner Merkspruch für uns Neulateiner, aber absolut untauglich für die alten Lateiner: Der Römer um die Zeitenwende kannte weder Christus, noch rechnete er in Jahren, sondern in Konsularien und Säkularien - Und so ein Säculum, also ein Jahrhundert, das hatte damals noch 110 Jahre. Also, wenn’s gut geht, in etwa ein Menschenalter.

Da muss Ordnung ins Chaos. Die brachte der römische Gelehrte Marcus Terentius Varro um 50 vor Christus. Der errechnete aus Herrscherlisten, Konsularien und Horoskopen tatsächlich das genaue Geburtsjahr der Stadt: Also: das Jahr, das dann als "ab urbe condita" in die Geschichte eingehen sollte.

Varro war zwar nicht einmal der erste, der das Gründungsjahr ermitteln konnte –gescheite Griechen hatten weit vor ihm eigene Rechnungen gemacht und waren zu ganz anderen Ergebnissen gekommen - aber die Varronische Datierung hatte ein "bonum gustum", einen hübschen Beigeschmack: Denn nach Varro ging das uralte Troja im Jahr 1193 vor Christus unter. Also genau 440 Jahre vor der Gründung Roms, macht exakt vier "Saecula", vier Jahrhunderte, vier Menschenalter – Und bitte nicht vergessen, zu Varros Zeiten hatte ein Saeculum noch 110 Jahre…

Mit der ganzen Rechnerei konnte Varro römischen Mythos in geschichtliche Zahlen kleiden. Denn die Legenden über den Ursprung der "urbs", die kannte jedes römische Kind. Da waren nicht nur Romulus und Remus, Jahrhunderte zuvor hatte schon der Flüchtling Aeneas, ein überlebender Trojaner, die Ufer des Tiber besiedelt. Und jetzt passte das – zumindest zahlenmäßig – alles irgendwie wunderbar zusammen.

…aus dem Ei

Den Römern war die Varronische Datierung trotzdem lange Zeit ziemlich egal.– Man blieb bei der bewährten Zählung nach den Amtsjahren der Konsuln. - Aber dann zelebriert im Jahr 47 nach Christus Kaiser Claudius eine Säkularfeier. Zum 800-jährigen Gründungstags Roms. Er habe sich auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gestützt für diese große Feier. Und damit das auch wirklich so passt, reduziert er ein Menschenalter, also ein "saeculum" auf 100 Jahre und bestätigt Varros Gründungsdatum vom 21. April 753. Natürlich war es ein nie da gewesenes Fest, das keiner so erlebt hat und nie wieder erleben werden soll.


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