Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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6. Dezember 1925 Die Falschgeldaffäre "Banco de Portugal" fliegt auf

Falschgeld? Zu riskant. Besser ist "echtes" Geld. Gedruckt von der offiziellen Druckerei der Banco de Portugal. Eine Falschgeldaffäre wurde der raffinierte Plan des Betrügers Artur Alves dos Reis dann doch. Autor: Xaver Frühbeis

Stand: 06.12.2018

06 Dezember

Donnerstag, 06. Dezember 2018

Autor(in): Xaver Frühbeis

Sprecher(in): Krista Posch

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Der Portugiese Artur Alves dos Reis war ein Betrüger vor dem Herrn. Diplome fälschen, ungedeckte Schecks ausstellen, Firmengelder veruntreuen: vor nichts schreckte er zurück. Dummerweise kam man ihm drauf, er landete im Gefängnis, und da hatte er - im Sommer 1924 - eine fantastische Idee. Was, wenn man es hinbekommen könnte, keine falschen, sondern tatsächlich echte Geldscheine drucken zu lassen? Kaum war dos Reis aus dem Kittchen entlassen, machte er sich ans Werk.

Eigenes Geld – eigene Bank

In London residierte "Waterlow & Sons", die Druckerei der portugiesischen Notenbank. Hier lagen die Druckstöcke für die Geldscheine der Portugiesen. Dos Reis begab sich nach London, in der Tasche einen Auftrag der portugiesischen Regierung, den er eigenhändig gefälscht hatte. Ein internationales Geldgeberkonsortium hatte sich angeblich bereiterklärt, die Wirtschaft in der portugiesischen Kolonie Angola ankurbeln. Dafür sollten 500-Escudo-Scheine in großen Mengen gedruckt werden, mit den alten Druckstöcken, diese Noten würden dann in Lissabon einen Aufdruck  "Nur für Angola" bekommen. Die Druckerei fragte zwar in Portugal nach, ob das in Ordnung gehe, Hunderttausende von Escudos nachzudrucken, die Antwort, die man in London bekam, hatte allerdings wieder dos Reis gefälscht.

Und so sitzen ein paar Wochen später dos Reis und seine Helfer in Lissabon vor dem ersten Koffer mit vollkommen echten, eigens für sie hergestellten 500-Escudo-Scheinen. Nur, dass jetzt natürlich keiner mehr daran denkt, die Worte "Für Angola" draufzudrucken. Mit dem Geld eröffnet dos Reis eine eigene Bank, von dort aus bringt er die Scheine als Kredit unter's Volk, er kauft Land und Firmen, darunter die gesamte Taxiflotte von Lissabon, und - heimlich und peu à peu bringt er immer mehr Aktien der portugiesischen Zentralbank in seinen Besitz. Die per Aktienmehrheit zu übernehmen, ist der raffinierte zweite Teil des Plans. Dummerweise werden nach ein paar Monaten einige Banker misstrauisch.

Woher kommen plötzlich diese vielen druckfrischen 500er-Scheine, und wer steckt hinter dieser kleinen, neuen Bank, die zwar keine Kunden hat, die Geld bringen, die aber dennoch dauernd Kredite vergibt? Man sieht nach und findet dort tatsächlich frische 500er in Massen. Aber, großes Problem: Die Scheine sind alle echt. Was nun?

Kaffee oder Bank?

Anfang Dezember entdeckt ein unermüdlicher Kriminalbeamter unter den 500ern der neuen Bank vier Seriennummern, die mit denen schon lange im Umlauf befindlicher Noten identisch sind. Die Scheine sind doppelt gedruckt. Die portugiesischen Banken werden angewiesen, ihre 500er Scheine nach Seriennummern zu sortieren. Und es stellt sich raus: Die meisten sind doppelt da. Am 6. Dezember 1925 wird dos Reis verhaftet, an Bord eines Schiffs, mit dem er nach Angola flüchten wollte.

Viereinhalb Jahre später macht man ihm den Prozess. Der gestaltet sich zunächst etwas schwierig, weil das portugiesische Strafrecht nicht ausreicht, um all die Vergehen gebührend zu würdigen. Am Ende stehen acht Jahre Gefängnis und zwölf Jahre Verbannung in eine Kolonie. Als dos Reis im Mai 1945 entlassen wird, melden sich sofort mehrere Banken bei ihm. Er könne gleich bei ihnen anfangen. Er jedoch geht lieber nach Angola, um dort Kaffee anzubauen. Und die Londoner Notendruckerei? Die existiert zu dieser Zeit schon gar nicht mehr. Die Schadenersatzsumme, zu der man sie verurteilt hatte, war derart hoch, dass sie kurz drauf pleite gegangen war.


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