Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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13. November 1981 Aufgrund einer Wette gründet Karlheinz Böhm "Menschen für Menschen"

Eine lustige, bunte Nummer vielleicht? Eine große aufwendige spaßige Geschichte? Schauspieler Karlheinz Böhm aber denkt keine 0815-Promiwette aus. Er hat ein echtes Anliegen. Autorin: Anja Mösing

Stand: 13.11.2019 | Archiv

13 November

Mittwoch, 13. November 2019

Autor(in): Anja Mösing

Sprecher(in): Hans-Jürgen Stockerl

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

"...Und plötzlich warf der Theaterprinz seine goldene Pappkrone mit Schwung in die Kulissen, krempelte sich die Ärmel hoch und rief dem Publikum mit kräftiger Stimme zu:
Auf geht’s! Jetzt mal in echt!"

Naja...ganz so war’s nicht...

Aber ein bisschen eben doch! Vor allem innen drin, im Herzen des Mannes ohne Krone.

Wie so oft stand er auf einer Bühne; an diesem Abend im Getümmel zwischen den prominenten Gästen einer jungen Fernsehshow, die Wetten dass...!!! hieß. Es ging aufs Ende der Sendung zu: eine Wettkönigin war schon gekrönt und Show Master Frank Elsner bat das Publikum im Saal und daheim vor den Fernsehschirmen gerade um neue Wetten: Alles sei erlaubt, ob tanzende Tische oder Hunde, alles gern mit viel Phantasie!

Wette angenommen?

Da meldete sich neben ihm der Schauspieler Karlheinz Böhm zu Wort. Ein seriöser Mann Anfang 50, der in den Köpfen seines Publikums irgendwie immer eine weiße Galauniform trug, die er als Gemahl der wunderschönen Kaiserin Sissi anhatte. Damals, in den unvergessenen Filmen mit seiner Kollegin Romy Schneider. Wurscht was er inzwischen alles in Hollywood oder mit Rainer Werner Fassbinder gedreht hatte. Und hier, neben Frank Elsner, sagte Karlheinz Böhm nun etwas Verblüffendes. Er hätte da noch was: Eine Idee für eine Wette, die er unbedingt an diesem Abend noch loswerden wolle.

Und dann erzählte er: von der Sahelzone, von verhungernden Kindern, Männern und Frauen, von unfassbarem Leid, von Dürre und Krieg. Er zitierte den Regisseur Federico Fellini, der gesagt habe, dass Nächstenliebe die schönste Eigenschaft des Menschen sei, aber sehr schwer in die Tat umzusetzen. Ernst sah Karlheinz Böhm da aus, und dann platzierte er seine Wette:

Er wette, dass nicht einmal ein Drittel aller Zuschauer von Wetten dass...? es schaffen würde, am nächsten Tag eine Mark an den Bundespräsidenten ihres Landes zu spenden. Die Spendengelder würde er auf eigene Kosten nach Afrika bringen und sich darum kümmern, dass in den nächsten Monaten in der Sahelzone kein Kind mehr verhungern müsse.

Die Wette gilt…

1,7 Millionen Mark an Spendengeldern brachte diese Wette ein – er hatte sie gewonnen. Nicht mal jeder dritte der rund 7 Millionen Zuschauer in der Schweiz, Österreich oder Deutschland hatte gespendet. Trotzdem änderte sich das Leben des Schauspielers komplett. Er gab die Schauspielerei auf und lernte, sehr vorausschauend für Menschen zu denken und klug mit Regierungsbeamten umzugehen. War auch nötig. Allein seine öffentliche Wette war ein diplomatischer Riesenfauxpas: Kein einziges Büro der drei Bundespräsidenten war vorab informiert worden. Alle kamen in Zugzwang.

Karlheinz Böhm umschiffte bald alle diplomatischen Klippen und am 13. November 1981, ein halbes Jahr nach dem Fernsehauftritt, gründete er die Äthiopienstiftung "Menschen für Menschen". Hunderte Schulen, Krankenhäuser, auch Dörfer wurden seitdem gegründet. Wie begeistert dieser Mann mit so viel Herz und Energie in seiner neuen Welt aufgenommen wurde, das zeigen auch die vielen Kinder – Mädchen und Jungen – die in Äthiopien auf seinen Namen getauft wurden und heute noch so gerufen werden: "Karli"!


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