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Diagnostik und Prävention Erste Untersuchungen bei Polyneuropathie

Besteht der Verdacht auf eine Polyneuropathie, sollte der Patient neurologisch untersucht werden. Dabei zeigt sich, ob es sich um eine Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems handelt. Dies lässt sich an der Art und Verteilung der neurologischen Ausfälle erkennen und kann mit elektrophysiologischen Messungen genauer zugeordnet werden.

Von: Holger Kiesel

Stand: 28.01.2020

Polyneuropathie: Ein Arzt führt an einem Patienten ein Elektromyogramm am Bein durch. | Bild: picture-alliance/dpa

Bei diesem Verfahren wird mit Hilfe von Strom die Leitfähigkeit der Nerven geprüft und es kann geklärt werden, welcher Teil des Nervs (Faser oder Hülle) primär betroffen ist. Man kann dann unterscheiden zwischen axonaler Neuropathie (die Faser ist betroffen) und demyelinisierender Neuropathie (die Umhüllstruktur ist geschädigt). Bei letzterer Form ist die Nervenleitgeschwindigkeit verlangsamt.

Elektromyogramm

Eine weitere diagnostische Möglichkeit ist das Elektromyogramm (EMG). Bei dieser Untersuchung wird die Funktion der Muskeln überprüft, die von den betroffenen motorischen Nerven versorgt werden und man kann klären, ob es sich um eine akute oder eher chronische Neuropathie handelt.

Weitere diagnostische Maßnahmen

Liegt eine akute Form der Polyneuropathie vor, gibt es noch weitere diagnostische Möglichkeiten: zum Beispiel eine Liquor- bzw. Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelkanal). Das entnommene Nervenwasser wird hierbei ausführlich analysiert. Ein deutlich erhöhter Eiweißgehalt im Liquor spricht in Kombination mit verlangsamter Nervenleitgeschwindigkeit für eine immunvermittelte Neuropathie, dazu zählen als akute Neuropathie das Guillain-Barré-Syndrom und als chronische Neuropathie die chronisch entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP).

Biopsie

Am Ende der Diagnostik kann man bei Verdacht auf entzündliche Neuropathien eine Nervenbiopsie (Gewebeentnahme) durchführen. Dies ist vor allem bei Verdacht auf eine vaskulitische Neuropathie indiziert,. Biopsiert wird ein betroffener sensibler Nerv, in der Regel handelt es sich um den Suralisnerv an der Fußaußenseite. Im Rahmen der Biopsie untersucht man, ob Entzündungszellen in den Nerv eingewandert sind, ob eine Entzündung der Gefäße vorliegt oder ob Amyloid-Ablagerungen nachweisbar sind. Amyloid ist ein Protein, das in der Leber gebildet wird, sich fehlfaltet und in verschiedenen Organen, u.a. im peripheren Nerven mit schädigender Wirkung gespeichert wird. Amyloid-Erkrankungen können angeboren sein oder bei chronischen internistischen, v.a. hämatologischen Erkrankungen auftreten.

Prävention

Um einer Polyneuropathie vorzubeugen gilt es, bei den häufigsten Ursachen wie  Diabetes eine möglichst gute Stoffwechseleinstellung zu erreichen und und natürlich übermäßigen Alkoholgenuss zu vermeiden. Ansonsten kann man präventiv wenig tun.

"Es hilft eigentlich nur gesund leben und nichts übertreiben!"

Dr. Beate Schlotter-Weigel, Oberärztin am Friedrich-Baur-Institut der Neurologischen Klinik und Poliklinik der LMU München.

Diabetiker und ihre Füße

Diabetiker sollten besonders auf ihre Füße achten. Durch das häufig verminderte Gefühl in diesem Bereich können unbemerkt Verletzungen entstehen, die wiederum zu Entzündungen mit schwerwiegenden Folgen führen können, schlimmstenfalls bis hin zur Amputation.


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